HSV-News

Hecking mit klarem Signal an Özcan, aber der hat einen Plan

Türke in Hamburg hinten dran. Hecking lobt Harnik – kommt er zum HSV? Jansen kritisiert Ex-Bosse. Hunt bedauert Aus für Lottos Hymne.

Die HSV-News am Sonntag, dem 21. Juli 2019:

  • Momentan hinten dran: Was wird aus Özcan?
  • Neuer HSV-Anlauf bei Harnik?
  • Hunt bedauert das Aus für Lottos Hymne
  • Hecking schwärmt über Neuzugang Fein
  • Jansen kritisiert Ex-Clubbosse
  • HSV bei Papa-Prognose vorsichtig

Hecking sendet klares Signal an Özcan

Beim Testspiel gegen Anderlecht (2:2) war Berkay Özcan einer von vier Profis, die nicht zum Einsatz kamen. Während die Nichtberücksichtigung der beiden Verkaufskandidaten Gotoku Sakai und David Bates erwartbar war und in den 90-minütigen Bankplatz für Youngster Josha Vagnoman nicht zu viel reininterpretiert werden darf, überraschte die Nebenrolle von Özcan.

Der türkische U-21-Kapitän ist einer der Verlierer der Vorbereitung beim HSV. In der internen Hierarchie der Profis, die für die drei Positionen im Mittelfeldzentrum infrage kommen, ist der Kreativspieler hinter Aaron Hunt, David Kinsombi (wenn er wieder fit ist), Adrian Fein, Jeremy Dudziak, Sonny Kittel und Christoph Moritz auf Rang sieben zurückgefallen. Das bekam Özcan nun im Test gegen Anderlecht zu spüren. „Für den einen oder anderen ist das noch mal ein Zeichen", erklärte Dieter Hecking, warum er auf eine Einwechslung von Bates, Sakai und Özcan verzichtet hatte. "Wie sie damit umgehen, werden wir sehen.“

Özcan will sich beim HSV durchbeißen

Es sind deutliche Worte des HSV-Trainers, die Özcan allerdings nicht als Wechselaufforderung versteht. Vielmehr will sich der 21-Jährige nun im Training anbieten, um sich wieder näher an die erste Elf zu spielen. Nach Abendblatt-Informationen hat der HSV dem Mittelfeldmann keinen Wechsel nahegelegt. Deshalb rechnet Özcan damit, früher oder später seine Chance auf dem Platz zu bekommen. Für seine Leistung im Trainingslager-Testspiel gegen Olympiakos Piräus (1:1) ist er sogar von Hecking gelobt worden, woraufhin er gegen Huddersfield (0:1) der Startelf angehörte.

In dieser Partie verpasste es der Spielmacher allerdings, Eigenwerbung zu betreiben. Dennoch will sich Özcan beim HSV durchbeißen. Rückschläge wie der voraussichtliche Tribünenplatz zum Saisonauftakt gegen Darmstadt (So, 28. Juli, 13.30 Uhr) waren bei seiner Unterschrift im Winter unter einen Viereinhalb-Jahresvertrag einkalkuliert. Momentan hegt der talentierte Profi keinerlei Gedanken an einen vorzeitigen Abgang.

Über die kürzlich in türkischen Medien verbreiteten Gerüchte, er könne sich diversen türkischen Topclubs anschließen, war er gar verwundert. "Ich denke nicht über einen Wechsel nach. Ich will mich beim HSV dauerhaft durchsetzen und fühle mich hier sehr wohl", sagte Özcan anschließend bei "Sport1". Dennoch dürfte er sich genau ansehen, wie viel Einsatzzeit er bis Ende August bekommt, wenn das Transferfenster noch geöffnet ist...

Wechselt Harnik von Werder zum HSV?

Kaum ein Sommer vergeht ohne Spekulationen über einen möglichen Wechsel von Martin Harnik zum HSV. Auch in dieser Transferperiode wurde der 32 Jahre alte Angreifer von Werder Bremen mit den Hanseaten in Verbindung gebracht. Die Aufregung schien gerade abgekühlt, da hat Trainer Dieter Hecking dem Gerücht nun neue Nahrung gegeben. „Martin ist ein Stürmer, der weiß, wie es geht“, sagte der Coach nach dem Anderlecht-Spiel beim Pay-TV-Sender „Sky“. „Er hat seine Tore immer gemacht. Das sind immer gefragte Leute auf dem Markt.“

Aha! Es scheint, als würde Hecking einen Transfer des ehemaligen österreichischen Nationalspielers begrüßen – abgeneigt klingt auf jeden Fall anders. Der gebürtige Hamburger Harnik ist bekennender HSV-Fan. Obwohl er in der Vergangenheit schon mehrfach mit den jeweiligen Club-Verantwortlichen über einen Wechsel in die Hansestadt verhandelt hatte, kam es nie zu einem Deal. Und diesmal? Harnik ist zumindest schon mal auf der Suche nach einer sportlichen Veränderung, nachdem ihm Werder einen Vereinswechsel nahegelegt hat.

„Ich würde für 'Sky' das Transfer-Update machen. Im Fall Martin Harnik kann ich aber noch nichts vermelden und werde es auch nicht tun“, sagte Hecking zum Abschluss des Interviews mit einem schelmischen Grinsen.

Hunt trauert Lottos Hymne hinterher

Obwohl sich der HSV mit neun Neuzugängen runderneuert hat, bleibt er der Chefdirigent auf dem Platz: Aaron Hunt hat gegen Anderlecht demonstriert, wie wichtig er für das Team ist. Es war nicht nur sein sensationeller Freistoß zum 1:0, sondern auch seine filigrane Ballbehandlung und die gute Übersicht für seine Mitspieler, die ihn in Hamburg zum Unterschiedsspieler machen. Das wissen auch seine Kollegen, weshalb Hunt zum Kapitän gewählt worden ist.

Dass der Spielmacher nicht nur auf, sondern auch dem Platz ein Leitwolf ist, hat er in der Vergangenheit schon häufiger bewiesen. Gewohnt meinungsstark ging der Routinier auch diesmal in der sogenannten Mixed Zone voran und äußerte sich zum Aus für die von Lotto King Karl gesungene Hymne "Hamburg, meine Perle".

„Aus Spielersicht finde ich es ein bisschen schade, weil das Lied schon dazugehört hat. Es war immer ein Gänsehautmoment, wenn es losging", sagte Hunt, der vor allem die Beweggründe der Entscheidungen (zu viel Druck wegen der ruhmreichen Vergangenheit) infrage stellt. "Ich glaube nicht, dass sich ein Spieler besonders unter Druck gesetzt gefühlt hat, wenn er der die Hymne hört. Der Verein hat sich aber so entschieden. Wir Spieler haben da kein Mitspracherecht und nehmen es zur Kenntnis."

Hecking: Fein ist der große Gewinner

Er ist zweifellos der Gewinner der Vorbereitung. Das von Bayern München ausgeliehene Mittelfeldtalent Adrian Fein (20) hat die ersten Wochen bei seinem neuen Verein genutzt, um sich in den Vordergrund zu spielen. Nicht nur wegen der Verletzung des neuen Mittelfeldchefs David Kinsombi führt momentan kein Weg an Fein vorbei. Das hat er auch im letzten Härtetest gegen Anderlecht bewiesen.

"Adrian ist sicher der große Gewinner, das kann man ohne Zweifel sagen", lobte HSV-Trainer Hecking. "Er spielt sehr präsent. Auf eine andere Art wie andere alleinige Sechser. Er schafft es durch fußballerische Lösungen, hat aber auch die Robustheit sich im Zweikampf zu behaupten. Da hat er in den letzten fünf Wochen viel Eigenwerbung betrieben." Da scheint jemand seinen Startplatz zum Saisonauftakt gegen Darmstadt sicher zu haben.

HSV gegen Anderlecht in Bildern:

Jansen kritisiert frühere HSV-Bosse

Zu teure Verträge, zu wenig Leistung: Präsident Marcell Jansen sieht das Kadermanagement vom HSV in der jüngeren Vergangenheit äußerst kritisch. Nach dem verpassten Wiederaufstieg sei nun ein Schnitt unvermeidlich gewesen. „Wir mussten komplett aufräumen“, sagte der 33 Jahre alte Ex-Nationalspieler eine Woche vor dem Zweitligastart dem "Deutschlandfunk". „Wir mussten alles stabilisieren, um überhaupt mal wieder handlungsfähig zu sein.“

Namentlich wollte Jansen zwar keinen der Ex-Bosse erwähnen, an die sich seine Kritik richtet. Angesprochen fühlen dürfen sich aber zweifellos die ehemaligen Vorstandschefs Dietmar Beiersdorfer und Heribert Bruchhagen, unter denen die teuersten Fehler der jüngeren Clubhistorie gemacht wurden.

Jansen spricht von "grenzwertigen" Verträgen

Finanziell seien die Hamburger dadurch in schwieriges Fahrwasser geraten, auch weil in der Vergangenheit ausgehandelte Spielerverträge „grenzwertig“ waren: „Da ist ganz, ganz viel Geld draufgegangen“, sagte Jansen. Einige unverhältnismäßig hoch dotierte Verträge wie die von Stürmer Bobby Wood und Verteidiger Kyriakos Papadopoulos – beide verdienen zusammen rund fünf Millionen Euro in diesem Zweitligajahr – belasten den Gehaltsetat noch immer.

Nicht nur wirtschaftlich, auch sportlich hinkt der HSV seinen eigenen Erwartungen hinterher. Nach dem erstmaligen Abstieg der Vereinsgeschichte im Mai 2018 verspielten die Hanseaten in der abgelaufenen Saison die angestrebte Bundesligarückkehr nach einer katastrophalen zweiten Serie. „Es war ein sehr instabiles Gebilde“, sagte Jansen. „Die Zweite Liga muss man respektieren und annehmen und das haben wir in der Rückrunde so nicht getan.“

Jansen: Wie sich der HSV konsolidiert hat

Auf die Enttäuschung sei eine tiefe Ursachenforschung gefolgt, sagte Jansen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen habe man verändert, in dem die bestehenden Darlehensvereinbarungen mit Investor Klaus-Michael Kühne gegen eine Einmalzahlung von sechs Millionen Euro angepasst wurden. Auch eine neue Fan-Anleihe mit einem Gesamtvolumen von 17,5 Millionen Euro setzte der HSV auf.

Hecking ist bei Papa noch vorsichtig

Allmählich scheint Kyriakos Papadopoulos wieder zu seiner alten Form zu finden, mit der er vor allem bei zahlreichen gegnerischen Stürmern nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. In der Vorbereitung deutete sich an, dass sich der verletzungsanfällige Grieche zurück in die erste Elf gespielt hat. Wie lange das der Fall sein wird, wagt Trainer Hecking allerdings nicht zu prognostizieren. "Papa hat es ordentlich gespielt", sagte der Coach nach dem 2:2 gegen Anderlecht. "Die Skepsis darf aber nicht weichen. Wir haben viel Spieler, die schwerste Verletzungen schon gehabt haben. Das muss man alles im Kopf haben als Trainer."