HSV

Millionen-Ärger um den Santos-Wechsel nach Russland

Der HSV verkaufte Douglas Santos für zwölf Millionen Euro.

Der HSV verkaufte Douglas Santos für zwölf Millionen Euro.

Foto: imago sport / imago images / Russian Look

Weil der HSV dem Berater des Brasilianers nicht das geforderte Honorar zahlen will, droht nun ein Rechtsstreit.

Hamburg.  Am Freitagnachmittag schickte der Berliner Anwalt Marcus Haase dem HSV eine Rechnung, die man als zweierlei bezeichnen konnte: hoch und kurios. Hoch, weil der Berater von Douglas Santos nach dem Transfer des Brasilianers zu Zenit St. Petersburg einen siebenstelligen Betrag für die Vermittlung fordert. Und kurios, weil Haase die Rechnung abschickte, obwohl er ganz genau weiß, dass der HSV sie nicht zahlen wird. Oder besser: nicht zahlen will.

Aber alles schön der Reihe nach: 17 Tage ist es her, dass Douglas Santos mit der Aeroflot-Maschine SU 6654 von Hamburg nach St. Petersburg flog, um beim russischen Topclub Zenit einen Fünfjahresvertrag zu unterzeichnen. Als einen Tag später die Tinte trocken war, war der HSV um mindestens zwölf Millionen Euro reicher. Santos durfte sich über die Verdoppelung seines Gehalts freuen, und St. Petersburg hatte einen Top-Neuzugang. Ende gut, alles gut?

Von wegen! Zweieinhalb Wochen später droht der Win-win-win-Transfer in einem Rechtsstreit zu enden. In anderen Worten: eine Lose-lose-Situation.

Santos-Berater fordert 1,2 Millionen vom HSV

„Wir sind ein wenig über die Kommunikation mit dem HSV im Anschluss des von uns eingefädelten und mit einem außerordentlich guten Ergebnis für den HSV abgeschlossenen Santos-Transfers verwundert“, sagte am Freitagmittag Santos-Berater Haase, der für die brasilianische Agentur TFM Agency Deutschlandbeauftragter ist. Und im Gespräch mit dem Abendblatt wurde Haase sehr deutlich: „Wir gehen aber davon aus, dass die von uns seit mindestens Februar 2019 für den HSV erbrachte Leistung branchenüblich vergütet wird.“

In diesem Fall heißt „branchenüblich“ rund 1,2 Millionen Euro. Eine stattliche Summe, auf die der Anwalt aber wohl lange warten kann. Denn: Der HSV will und wird für die Santos-Vermittlung nicht zahlen. Hintergrund ist, dass sich Neu-Sportvorstand Jonas Boldt selbst um den Deal gekümmert hatte, nachdem der Transfer über Wochen hakte.

Tatsächlich hatte Haase zunächst mit Leverkusens Simon Rolfes, Dortmunds Michael Zorc und Hoffenheims Alexander Rosen über einen Santos-Transfer verhandelt, ehe es Absagen hagelte und erneut Zenit zum größten Interessenten wurde. Erneut, weil sich St. Petersburg schon im Sommer 2018 und Januar 2019 nach Santos erkundigt hatte. In einer zehnseitigen Dokumentation, die Haase den HSV-Chefs zuschickte, schildert der Agent den kompletten Ablauf und sämtliche Gespräche. Eine Antwort erhielt er allerdings nicht.

Diese Spieler brachten dem HSV das meiste Geld:

Warum der HSV die Rechnung nicht zahlen will

Das Schweigen der HSV-Verantwortlichen hat einen Grund. Oder besser: zwei. Nummer eins: Intern sollen die HSV-Chefs unzufrieden mit Haases Engagement gewesen sein. Besonders Jonas Boldt übernahm nach seiner Verpflichtung als HSV-Sportvorstand schnell selbst die Zügel in die Hand und forcierte die Verhandlungen mit Zenits Sportdirektor Javier Ribalta, den er schon länger kennt. Nummer zwei: Dem Vernehmen nach soll Haase ein Zenit-Angebot über „nur“ zehn Millionen Euro akquiriert haben. Und während der eine oder andere HSV-Verantwortliche bereits zustimmen wollte, legte Boldt sein Veto ein, um nachzuverhandeln.

Letztendlich einigten sich Boldt und Ribalta nach tagelangen Verhandlungen – ohne Beteiligung von Haase – auf zwölf Millionen Euro (plus erfolgsabhängig noch einmal zusätzliche drei Millionen Euro) für den Außenverteidiger. Bleibt die Frage, ob der HSV Haase, der zuvor bereits wochenlang verhandelte, trotzdem entlohnen muss – oder eben nicht.

Waren sich Hoffmann und Boldt uneins?

Haase lässt jedenfalls keinen Zweifel aufkommen, dass er selbst im Fall eines drohenden Rechtsstreits nicht lockerlassen wird. „Unsere Vorstellungen sind dem HSV aus wochenlanger Kommunikation mit Herrn Hoffmann bekannt, und wir erwarten, dass die von uns erbrachten und vom HSV in Anspruch genommenen Leistungen entsprechend vergütet werden“, sagt der Berliner.

An dieser Stelle wird das pikante Thema zusätzlich gewürzt. Denn neben der Frage, was Haase für seine Dienste tatsächlich zusteht, geht es nun auch um die Frage, wer beim HSV eigentlich was zu sagen hat. So soll Hoffmann laut Haase den Berater aufgefordert haben, nach St. Petersburg zu fliegen, um den sich hinziehenden Deal dingfest zu machen. Nach Abendblatt-Informationen soll Boldt dagegen schon vorher Haase deutlich mitgeteilt haben, dass seine Dienste ab sofort unerwünscht seien.

Becker und HSV-Aufsichtsrat einigten sich auf Abfindung

Die gute Nachricht zum Schluss: Es gibt auch gütliche Einigungen beim HSV. Boldt-Vorgänger Ralf Becker und der HSV-Aufsichtsrat haben sich auf eine vorzeitige Auflösung des bis 2021 laufenden Vertrags samt Abfindung geeinigt. Das Thema Becker ist abgehakt – das Thema Santos hat nun erst begonnen.