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Hoffmann: "Überflüssigster Nicht-Aufstieg der Geschichte"

HSV-Chef Hoffmann: "Wir müssen jeden Stein umdrehen!"

Vorstandschef spricht nach dem "überflüssigsten Nicht-Aufstieg der Fußballgeschichte" über Trainer Wolf, Investor Kühne und die Zukunft der Mannschaft.

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HSV-Chef bezieht Stellung zu verpassten Zielen. Spott für Metzelders HSV-Kampagne. Gerüchte über Trainer und Transfers.

Die HSV-News am Dienstag, den 14. Mai 2019:

  • Hoffmann bezieht erstmals Stellung
  • Erste Namen für Wolf-Nachfolge
  • Metzelder-Agentur startet HSV-Kampagne
  • Hanno Behrens ein Transfer-Kandidat?

Hoffmann: "Das Sportsystem ist kollabiert"

Zwei Tage hatte Bernd Hoffmann öffentlich geschwiegen, am Dienstag stellte sich der HSV-Vorstandschef dann erstmals seit der entscheidenden 1:4-Niederlage von Paderborn wieder den Medienvertretern.

Nach dem "überflüssigsten Nicht-Aufstieg der Fußballgeschichte" und zwei schlaflosen Nächten habe sich sein Gemütszustand noch immer kaum gebessert, betonte Hoffmann im Bauch des Volksparkstadions. "Das lässt niemanden kalt, auch nicht mich."

Den Absturz vom Herbstmeister zum drittschwächsten Team der Rückrunde führte er auf ein "Systemversagen" zurück: "Irgendwann im Winter ist das gesamte Sportsystem kollabiert und bis Sonntag nicht wieder auf die Beine gekommen."

Er könne sich an keinen Spieler erinnern, der in der Rückrunde die gleiche Leistung gebracht habe wie in der Hinrunde. Der Gipfel sei die Pleite in Paderborn gewesen. "Wir haben am Sonntag mit einem Kader im Wert von 27 Millionen Euro gegen einen von zwölf Millionen gespielt und waren chancenlos."

Nun gelte es, "jeden einzelnen Stein" umzudrehen. "Wir werden die notwendigen Schritte unternehmen, dass wir auf ein anderes Niveau kommen. So wird das nichts", sagte Hoffmann.

Hoffmann will gemeinsame Analyse mit Wolf

Einen Trainerwechsel erachtet Hoffmann in diesem Zuge nicht als oberste Priorität. "Wir sind seit Jahren im permanenten sportlichen Krisenmodus, der immer im Austausch einzelner Personen endet", sagte Hoffmann. "Das macht es kurzfristig besser, aber hat dauerhaft keinen Effekt gehabt."

"Natürlich" sitze aber auch Hannes Wolf "mit im Boot, wie wir alle". Die Besetzung des Trainerpostens werde "in aller Ruhe, aber ganz zügig" analysiert. "Wir werden mit Hannes Wolf sprechen, nicht über ihn", betonte Hoffmann.

"Wir müssen den Kreislauf irgendwann mal durchbrechen, dass wir immer alles auf den Trainer reduzieren." Was er in der Vergangenheit über Wolf gesagt habe, sei in der aktuellen Diskussion allerdings "zweitrangig".

Hoffmann schluckt die Kühne-Forderung

Zur gestern publik gewordenen Forderung des Investors Klaus-Michael Kühne, sich von Wolf zu trennen, sagte Hoffmann: "Ihm steht jede Meinung als Fan zu." Der Vorstand sei aber unabhängig in den Entscheidung und trage dafür auch die Verantwortung.

"Es steht nicht zur Debatte, ob ich das total toll finde", sagte Hoffmann zur Kühne-Äußerung. "Wir müssen nach den letzten Wochen ertragen, dass Fans, Mitglieder und Investoren das Recht auf eine klare Meinung haben. Egal, ob uns die Art und Weise passen mag oder nicht."

Hoffmann dementiert Höhe eigener Prämie

Jeder beim HSV müsse sich nun hinterfragen, ob er bereit ist, den Weg mitzugehen", sagte der 56-Jährige. "Im sportlichen Bereich waren wir klar hintendran, da müssen alle liefern. Wir können uns nicht erlauben, den HSV als Wohlfühloase zu sehen. Mit Leitbildern werden wir hier keine Tore schießen."

Dass Hoffmann bei einem Aufstieg in die erste Liga wie die übrigen HSV-Mitarbeiter auch eine Prämie kassiert hätte, räumte der Clubchef zwar ein. Diese wäre allerdings niedriger ausgefallen als die kolportierten 500.000 Euro.

Hoffmann: Fans haben MSV-Tickets neu gekauft

Absteiger MSV Duisburg hätte sich das erste Gastspiel im Volksparkstadion seit elf Jahren sicher anders vorgestellt. Doch auch beim HSV ist niemand glücklich über die Umstände des Saisonabschlusses.

Das Spiel, für das ein vieldiskutierter Topzuschlag erhoben wurde, war eigentlich lange ausverkauft. Doch in der Enttäuschung über die verspielte Aufstiegsfeier haben etliche Fans ihre Karten für das letzte Heimspiel wieder zurückgegeben.

"Das haben bisher aber nicht viele gemacht", sagte HSV-Chef Hoffmann nun: "Es mag Sie erstaunen, fast ebensoviele haben wieder neue Tickets gekauft für das Spiel."

Der Verein müsse es gleichwohl "ertragen, wenn der ein oder andere sein Ticket zurückschickt". Dennoch ist Hoffmann überzeugt davon, am Sonntag "einen vernünftigen Abschluss" der ersten, aber vorerst nicht letzten Zweitligasaison der Vereinsgeschichte hinzubekommen.

Die Begeisterung der Fans sei ein "absolutes Phänomen", sagte Hoffmann. "Das ist der einzige Bereich, der bundesligatauglich war. Daraus muss für uns die Verantwortung entstehen, dass wir in jedem Bereich nochmal eine Schippe daruflegen."

Wolf-Nachfolge: Zorniger, Labbadia, Stöger?

Die verpasste Rückkehr des HSV in die Bundesliga wird Trainer Hannes Wolf aller Voraussicht nach den Job kosten. Gegen den MSV Duisburg soll der 38-Jährige am Sonntag (15.30 Uhr/im Liveticker auf abendblatt.de) zum letzten Mal auf der Bank sitzen. Nach Abendblatt-Informationen ist eine Beurlaubung Wolfs intern beschlossene Sache.

Nach dem 1:4 beim SC Paderborn, dem achten Spiel in Serie ohne Sieg, hatte Sportchef Ralf Becker Wolf trotz eines Vertrages bis 2020 eine Jobgarantie verwehrt. "Ich habe in den letzten Wochen dazu viel gesagt", meinte er nur, von ihm gebe es nach dem Verpassen des Saisonziels "keine neue Erkenntnis". Mitte Januar hatte Becker bei der Mitgliederversammlung noch gesagt: "Sie können es jetzt aufschreiben. Hannes Wolf ist in zwölf Monaten noch Trainer des HSV."

Vier Monate später führt Becker nun aber offenbar erste Gespräche mit potenziellen Wolf-Nachfolgern. Alexander Zorniger (zuletzt Bröndby IF), Bruno Labbadia (noch VfL Wolfsburg), Dieter Hecking (noch Borussia Mönchengladbach) und Peter Stöger (zuletzt Borussia Dortmund) sind demnach Kandidaten, um den HSV dann in der zweiten Zweitliga-Saison der Vereinsgeschichte wieder auf die große Bühne zurückzuführen.

Zumindest Labbadia (Angebote aus China) und Hecking (zu teuer) erscheinen aber als eher unrealistisch. Und ein Name kann bereits definitiv aus der Gerüchteküche verbannt werden: Der ehemalige Schalker Trainer Domenico Tedesco wird nach Abendblatt-Informationen nicht nach Hamburg kommen.

Impressionen des Nicht-Aufstiegs:

Hanno Behrens ein HSV-Kandidat?

Auch bei der Kaderplanung werden etliche Namen genannt. Auf der Suche nach Neuzugängen bringt die "Bild"-Zeitung nun auch Hanno Behrens ins Spiel. Der gebürtige Elmshorner ist am Wochenende als Kapitän des 1. FC Nürnberg in die Zweite Liga abgestiegen.

Bei den Franken hat der 29 Jahre alte Mittelfeldspieler, der Nürnberg 2018 mit 14 Saisontreffern zum Aufstieg geführt hatte, noch einen Vertrag bis zum Sommer 2021 und würde demnach wohl mehr als zwei Millionen Euro Ablöse kosten.

Auf Abendblatt-Nachfrage gab sich Behrens' Berater Marcus Marin bedeckt. Von einem Interesse des HSV wisse er nichts, sagte der ehemalige Profi des FC St. Pauli.

Behrens könnte einer Rückkehr in den Norden aber tatsächlich nicht abgeneigt sein. Von 2005 bis 2012 durchlief er die Nachwuchsabteilung des HSV, ehe er über Darmstadt 98 (mit denen er ebenfalls in die Bundesliga aufstieg) den Weg zum "Club" fand.

Ansonsten hält sich in der Transfer-Debatte weiter hartnäckig der Name des Bochumer Stürmers Lukas Hintereseer (18 Saisontore). Fest verpflichtet für die kommende Saison sind bislang die Neuzugänge David Kinsombi (Holstein Kiel), Jan Gyamerah (VfL Bochum) und St. Paulis Jeremy Dudziak.

Pfiffe und Beifall für Bald-HSVer Dudziak

Dudziak hatte beim Stadtrivalen übrigens keinen leichten Abgang. Als St. Pauli am Sonntag beim letzten Heimspiel gegen Bochum (0:0) seine scheidenden Profis verabschiedete, erntete er am MiIllerntor Pfiffe von der Südtribüne. Applaus erhielt Dudziak lediglich von den Fans auf der Gegengerade.

Der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler hatte beim Anhang des Kiezclubs einen schweren Stand, seit Anfang März sein Wechsel zum HSV bekanntgegeben wurde. Vor allem ein Schmäh-Plakat des eigenen Anhangs beim Auswärtsspiel in Kiel sorgte bei den Verantwortlichen des FC St. Pauli für Unmut, die sich von derlei Aktionen deutlich distanzierten.

Spitze gegen Metzelders HSV-Kampagne

Einige prominente HSV-Unterstützer und ehemalige Spieler haben sich bereits zum Nicht-Aufstieg geäußert, die wenigstens selbstredend positiv. Damit sich die Stimmung rund um den Volkspark möglichst rasch wieder dreht, haben Ex-Profi Christoph Metzelder und seine Hamburger Marketingagentur nun eine entsprechende Kampagne erdacht.

Unter dem Hashtag #HamburgstehtzumHSV sollen sich in den Sozialen Netzwerken möglichst viele Fans zu ihrem Verein bekennen und den "Mund abputzen, aufstehen, wieder aufsteigen" – wie es in dem Ausgangstweet von "BrinkertMetzelder" heißt. Die Beteiligung lief in den ersten Stunden zwar eher schleppend voran, doch ein Retweet hatte es schon in sich.

So konnte sich Sportreporter Christian Ortlepp (u.a. Eurosport) eine Spitze nicht verkneifen. "So werden aktuell Regionalliga-Meisterschaften gefeiert – mit der zweiten Mannschaft", schrieb der TV-Mann zu einem Video der jubelnden Zweitvertretung des FC Bayern München. Hintergrund: Ihre Bewegung starteten Metzelder & Co. mit dem Spruch: "Wer schon erstklassig war, als Bayern noch Regionalliga gespielt hat, der darf auch mal scheiß Jahre haben."

Bochum muss nach HSV-Spiel zahlen

Nach Vergehen seiner Fans in den Spielen bei Arminia Bielefeld sowie gegen den 1. FC Heidenheim und auch den HSV muss der VfL Bochum insgesamt 18.750 Euro Geldstrafe zahlen.

Das DFB-Sportgericht verurteilte den Verein unter anderem für zwei Bierbecher, die in der 65. Minute beim 0:0 gegen den HSV am 30. März aus dem Bochumer Zuschauerblock in Richtung Spielfeld geworfen wurden.