Zweite Bundesliga

HSV: Katerstimmung nach dem Darmstadt-Debakel

Ist das Wolf-Team am Sonnabend an der eigenen Überheblichkeit gescheitert? Profis verlieren auch internes Testspiel gegen die U21.

Hamburg. Am Sonntagmorgen rollte im Volkspark schon wieder der Ball. Die Profi-Reservisten des Hamburger SV absolvierten ein internes Testspiel gegen die U-21-Mannschaft, die aufgrund der schlechten Witterungsverhältnisse spielfrei in der Regionalliga Nord waren. Und es passte irgendwie ins Bild, dass die Youngster die Partie gegen die gestandenen Kicker mit Lewis Holtby, Tatsuya Ito, Fiete Arp und Léo Lacroix mit 1:0 für sich entscheiden konnten.

HSV fehlte Gier auf das dritte Tor gegen Darmstadt

Diejenigen, die das viel wichtigere Zweitligaspiel gegen Darmstadt 98 mit 2:3 verloren hatten, absolvierten das obligatorische Auslaufen. Noch immer konnte niemand beim HSV greifen, was am Sonnabendmittag passiert war. Nach der frühen 2:0-Führung gaben die Hamburger die Partie völlig ohne Not aus der Hand. Statt gierig auf das dritte Tor zu gehen, schaltete das Team von Trainer Hannes Wolf mal wieder in einen Verwaltungsmodus. Frei nach dem Motto: "Wir führen mit zwei Toren. Das wird schon reichen. Wir sind schließlich der HSV!" Und genau darin liegt das Problem.

Dem Wolf-Team fehlt es an Führungsspielern

Die Hamburger schaffen es immer wieder, sich selbst das Leben so schwer wie möglich zu machen. Die 90 Minuten lieferten dem HSV-Trainer viel Anschauungsmatierial, wie viel Arbeit bis zum Erreichen des Saisonziels Aufstieg nötig sein wird. "Wir dürfen es nicht schön reden, aber offensiv haben wir eigentlich ein gutes Spiel gemacht. Dass wir ab der 15. Minute kein Tor schießen aus dem, was wir in den Strafraum spielen, ist ärgerlich. Und auch, dass wir die Chancen nochmal geben", sagte Trainer Wolf am Sonntag.

In der jungen Mannschaft fehlt es in Abwesenheit von Kapitän Aaron Hunt an Führungsspielern. Als Darmstadt sich mehr und mehr ein Übergewicht erspielen konnte, gab es niemanden auf dem Platz, der verbal oder durch eine Aktion gegensteuerte. „Es sind einzelne Momente, die uns gekillt haben. Es ist ja nicht so, dass die Darmstädter uns völlig überlegen waren. In den Momenten waren sie cleverer als wir“, sagte Trainer Wolf.

Rückrundenbilanz ist mehr als ausbaufähig

Fakt ist: In der Rückrunde absolvierte der HSV erst ein überzeugendes Spiel. Beim 4:0-Sieg im Derby gegen den FC St. Pauli zeigte der Bundesliga-Absteiger, was möglich ist, wenn alle Spieler zu einhundert Prozent an ihre Leistungsgrenze kommen. Sechs Tage später zeigte das Wolf-Team, was passiert, wenn man glaubt, in der Zweiten Liga mit 70 Prozent Leistungsvermögen bestehen zu können.

Die bisherige Rückrundenbilanz des HSV mit vier Siegen, einem Remis und vier Niederlagen ist jedenfalls eines Spitzenteams unwürdig. Lediglich 13 von möglichen 27 Zählern konnte der Tabellenzweite einfahren. Dass man aktuell noch auf einem direkten Aufstiegsplatz steht, liegt lediglich daran, dass die Konkurrenz Schützenhilfe leistet. Im Bundesliga-Unterhaus stellt man gemeinhin die Rechnung auf, dass 70 Zähler zum direkten Aufstieg reichen. Damit diese Marke nur ansatzweise erreicht wird, darf sich der HSV Auftritte wie gegen Darmstadt nicht mehr leisten. „Wir hatten die Chance, auf sechs Punkte wegzuziehen. Das haben wir nicht geschafft“, ärgerte sich Offensivspieler Khaled Narey. Momentan haben die Hamburger nur drei Zähler Vorsprung auf Rang drei, der von Union Berlin belegt wird. „Wir müssen das intensiv aufarbeiten“, sagte Narey.

Da passt es gut, dass Trainer Wolf in der Länderspielpause zwei Wochen Zeit hat, die Mannschaft auf die schwere Auswärtspartie beim VfL Bochum vorzubereiten. "Wir müssen in der Länderspielpause daraus lernen und Substanz entwickeln, und es dann in den nächsten Wochen gegen Bochum, Paderborn, Magdeburg und die weiteren Gegner, in der kompletten Schärfe durchziehen", sagte Wolf.