Zweite Bundesliga

Desolat im Aufstiegsrennen: HSV verschenkt Sieg an Darmstadt

Nach starker erster Halbzeit folgte der Einbruch. Starke "Lilien" bestrafen schwache Hamburger in der zweiten Hälfte.

Hamburg. Als Schiedsrichter Benjamin Badstübner um 14.51 Uhr ein letztes Mal für diesen Nachmittag in seine Pfeife blies, schallten Pfiffe durch das Volksparkstadion. Durch die unnötige, aber am Ende verdiente 2:3 (2:0)-Niederlage gegen Darmstadt 98 hat der HSV einen weiteren Schritt Richtung Wiederaufstieg durch eigenes Verschulden verpasst.

Die Tore von Bakery Jatta (5.) und Pierre-Michel Lasogga (16., Foulelfmeter) reichten nicht, um die drei Punkte im Volksparkstadion zu behalten. Marvin Mehlem (53., 90+2), Tobias Kempe (82.) bestraften einen in der zweiten Halbzeit desolaten HSV. "2:0 ist immer eine gefährliche Führung, aber wir müssen das klüger ausspielen. Nach einem 4:0 im Derby darf so etwas nicht passieren", sagte Mittelfeldspieler Berkay Özcan.

Trainer Hannes Wolf war nach der schwachen Halbzeit bedient, lobte aber die Effizienz des Gegners. "Es sind einzelne Momente, die uns gekillt haben. Es ist ja nicht so, dass die Darmstädter uns völlig überlegen waren. In den Momenten waren sie cleverer als wir. Wir hatten viele Szenen, die wir nicht in ein Tor umsetzen konnten", sagte der Coach.

Von Beginn an ließen die Hamburger keinen Zweifel daran, dass sie die Steilvorlage von Union Berlin, die am Freitag 1:2 in Heidenheim verloren hatten, nutzen wollten. Bereits in der zweiten Minute hatten die 54.688 Fans den Torschrei auf den Lippen, als Douglas Santos einen Freistoß aus halbrechter Position ans Lattenkreuz setzte. Mehr Präzision legte Bakery Jatta nur drei Minuten später an den Tag. Eine Freistoßflanke von Berkay Özcan drückte der Gambier mit dem Kopf über die Linie. Für den Linksaußen war es das erste Tor im Volksparkstadion.

Lasogga erzielt sein 13. Saisontor für den HSV

Und der HSV ließ den in der Anfangsphase überforderten Darmstädtern keine Luft zum Atmen. Nachdem Khaled Narey in der siebten Minute noch aus zehn Metern das zweite Tor verpasste, holte der Offensivspieler in der 15. Minute gegen Mathias Witterk clever einen Elfmeter raus. Den fälligen Strafstoß verwandelte Torjäger Pierre-Michel Lasogga ohne Mühe zum hochverdienten 2:0.

In der Folge schaltete das Team von Hannes Wolf einen Gang zurück und ließ Darmstadt etwas ins Spiel kommen. Zwingende Chancen konnte sich die Mannschaft von Ex-HSV-Profi Dimitrios Grammozis aber nicht herausspielen. In der Schlussphase der ersten Hälfte übernahmen die Hamburger wieder mehr die Initiative. Rick van Drongelen verpasste kurz vor dem Pausenpfiff per Kopf das 3:0.

HSV-Trainer Wolf: "Das ist sehr bitter"

Nach dem Seitenwechsel ließ sich der HSV zunehmend die Partie aus der Hand nehmen. Nichts mehr zu sehen von der Dominanz der ersten Hälfte. Und diese Schläfrigkeit wurde bestraft. Nach einem Traumpass von Yannick Stark behielt Marvin Mehlem in Minute 53 die Nerven vor HSV-Keeper Julian Pollersbeck. "Wir kommen dann raus und es ist ein langer Ball, der für das 2:1 sorgt. Später gibt es den Freistoß zum 2:2. Wir haben in Anschluss sechs bis sieben Szenen, aber verlieren das Spiel mit der allerletzten Aktion. Das ist sehr bitter", sagte Wolf.

Der überraschende, aber nicht unverdiente Anschlusstreffer. In der Folge bekamen die Darmstädter immer mehr Selbstbewusstsein. Die Wolf-Mannschaft hingegen fand kaum mehr Zugriff auf die Partie. Der Trainer reagierte mit einer Auswechslung. Für den fahrigen Narey kam Tatsuya Ito in die Partie (57.). Nur zwei Minuten nach dessen Einwechslung zeigte der Japaner, dass er Qualität hat. Sein Schuss aus 14 Metern strich hauchzart am Pfosten vorbei.

Darmstadt war in der zweiten Halbzeit deutlich griffiger

So richtig Wirkung zeigte diese Aktion aber nicht. Im Gegenteil: Darmstadt war deutlich aggressiver und präsenter auf dem Platz. In der 70. Minute traf Stark aus 18 Metern nur den Innenpfosten. Riesenglück für den HSV, das in der 82. Minute aufgebraucht war. Tobias Kempe schlenzte einen Freistoß aus 17 Metern genau neben den Pfosten zum verdienten Ausgleich. Und es sollte nicht der letzte Tiefschlag für den HSV gewesen sein.

Mit dem Schlusspfiff sorgte Mehlem für den schlussendlich verdienten 3:2-Sieg für die bis dahin schlechteste Auswärtsmannschaft der Liga. "Wir hätten in der zweiten Halbzeit so weiter spielen müssen, wie wir es in der ersten getan haben. Die Niederlage müssen wir jetzt intensiv aufarbeiten", sagte Offensivspieler Narey.