Derby St. Pauli vs. HSV

"Eine Statue für Lasogga auf der Reeperbahn"

HSV feiert 4:0-Sieg am Millerntor. Das Derby wurde zweimal unterbrochen. Einer überragte alle. Hier das Kabinen-Video.

Hamburg. Es gab Aufmärsche, etwas Randale, viel Rauch und zweimal eine Spielunterbrechung: Was für ein Derby zwischen dem FC St. Pauli und dem HSV! Die "Stellinger" gewannen mit 4:0 und holten sich den höchsten Saisonsieg ausgerechnet auf St. Pauli. Aber noch während des Spiels hat die Hamburger Polizei im HSV-Block 157 gefälschte Tickets beschlagnahmt. Außerdem wurden bei Fans Sturmhauben und Pyrotechnik sichergestellt.

Jetzt ist Hamburg schwarz, weiß, blau. Zumindest nach diesem Lokalderby. Mit 4:0 (1:0) hat der HSV das Prestigeduell am Millerntor gegen den FC St. Pauli gewonnen und damit seine fußballerische Vormachtstellung in der Stadt am Ende eindrucksvoll unterstrichen. Die St. Pauli-Ultras „revanchierten“ sich mit Provokationen in Richtung HSV wie gestohlenen Bannern, die nichts Gutes für die Zeit nach dem Spiel erwarten ließen.

"Auswärts das Derby zu gewinnen ist geiler, als zu Hause das Derby zu gewinnen. Wir sind sehr erleichtert", sagte der Doppel-Torschütze Pierre-Michel Lasogga bei Sky. "Vielleicht bauen sie ihm ja jetzt eine Statue - aber hoffentlich auf der richtigen Seite der Reeperbahn", sagte Torhüter Julian Pollersbeck. "Wir haben ein Spiel verloren, das wir lieber als alle anderen gewonnen hätten", sagte ein St. Paulis Torhüter Robin Himmelmann. "Der Frust sitzt tief", meinte Alexander Meier.

Video aus der HSV-Kabine

Der HSV postete dann bei Twitter ein Video, das Lasogga beim Gang in die Kabine zeigt, wie er von seinen Mannschaftskollegen gefeiert wird.

HSV holte immens wichtigen Dreier für den Aufstieg

Mit dem klaren Erfolg distanzierte der HSV den Lokalrivalen auf sieben Punkte, eroberte Platz zwei in der Tabelle zurück und schaffte einen immens wichtigen Dreier auf dem angestrebten Weg zurück in die Bundesliga. „Die Nummer eins der Stadt sind wir“, sangen die glücklichen HSV-Fans schon während der Partie.

Pierre-Michel Lasogga (32., 61.) und Khaled Narey (53.) sowie Douglas Santos (88.) erzielten die Treffer für den HSV, dessen Erfolg kaum einmal in Gefahr war. Nur in der 46. Minute musste der wenig beschäftigte Torwart Julian Pollersbeck bei einem Schuss von Ryo Miyaichi einmal sein ganzes Können zeigen. Ernsthaft gefährdet war der spielerisch stärkere HSV um den herausragenden Orel Mangala aber nicht. Bakery Jatta (77.) traf auch noch die Latte.

Schiedsrichter Felix Brych konsequent

Allerdings stand die Partie mehrmals kurz vor dem Abbruch, weil in beiden Fankurven andauernd Pyros gezündet wurden. Vor und während des Spiels zündelten und feuerten Anhänger auf beiden Seiten mit dem gefährlichen Zeugs. Schon in der ersten Hälfte musste Schiedsrichter Felix Brych die Partie deshalb für fünf Minuten unterbrechen. In der 82. Minute schickte Brych nach Pyros in der Südkurve beide Teams für fünf Minuten sogar in die Kabinen. Auf beide Vereine kommen nun saftige Geldstrafen zu.

Pierre-Michel Lasogga hat man selten so einen langen Sprint laufen sehen: Nach seinem Tor zur 1:0-Führung sprintete der HSV-Stürmer fast 100 Meter über den gesamten Platz in Richtung der HSV-Fans in der Nordkurve. Reaktionsschnell hatte der Mittelstürmer einen Latten-Freistoß von Aaron Hunt zur verdienten Pausenführung eingeköpft.

Top-Stimmung auf den Rängen, aber disziplin-geprägter Taktikfußball auf dem Rasen hatte zuvor die Partie geprägt. Gelungene Angriffsaktionen gab es nur wenige zu sehen. Für das erste offensive Ausrufezeichen auf Seiten von St. Pauli sorgte Alexander Meier. St. Paulis „Fußballgott“ nahm aus über 20 Metern reaktionsschnell eine verunglückte Abwehr von Rick van Drongelen volley, der Ball strich nur knapp am HSV-Tor vorbei.

Im Video: Pauli-Fans singen HSV-Song

Die erste Halbzeit brachte dennoch vor allem taktisch-disziplinierte Ereignislosigkeit. St. Pauli wartete tief gestaffelt auf Ballverluste und Konterchancen, Mut zur Offensive fehlte lange Zeit. Der HSV hatte mehr Ballbesitz und Initiative, tat sich aber schwer, eine Lücke zu finden. Hunts Freistoß war die erste Großchance.

Als die Mannschaften um 12.52 Uhr zum Aufwärmen auf den Rasen kamen, brach ohrenbetäubender Lärm aus. Die „Scheiß-St.Pauli“-Rufe der rund 2300 HSV-Anhänger in der Nordkurve wurden durch die „Olé-FC-Sankt-Pauli“-Gesänge von Südkurve und Gegengerade doch deutlich übertönt. Als die Stadionsprecherin vor der Partie „die Gäste aus Stellingen“ begrüßte und wie immer am Millerntor einen Song für die Auswärtsfans spielte, kam es zum ersten Stimmungshöhepunkt im Stadion. Statt „Hamburg, meine Perle“ gab es „Wer wird deutscher Meister“ – und auch die St. Pauli-Fans sangen ironisch, laut mit: „Ha, Ha, HSV!“

Bei den Hausherren war erwartungsgemäß Mats Möller Daehli nicht dabei. Der überragende Spieler der letzten Wochen ist nach seiner Magen-Darm-Erkrankung nicht rechtzeitig fit geworden. Dafür rückt Sami Allagui als zweiter Angreifer ins Team.

HSV-Trainer Hannes Wolf ließ Bakery Jatta und Lewis Holtby zunächst auf der Bank. Dafür kamen Berkay Özcan und Vasilije Janjicic in die Startelf. Orel Mangala war nach abgelaufener Sperre wieder dabei und verlieh dem HSV-Spiel Struktur. Kurz vor der Pause musste jedoch Hunt mit muskulären Problemen den Platz verlassen.

Vorher hatte es nur zwei Annäherungen des HSV auf das St.-Pauli-Tor gegeben. Douglas Santos über die linke Seite (21.) und Lasogga über rechts (24.) sorgten für Halbgefahr in einer Halbzeit, die lange Zeit taktisch-disziplinierte Ereignislosigkeit brachte. St. Pauli wartete tief gestaffelt auf Ballverluste und Konterchancen, Mut zur Offensive fehlte lange Zeit. Der HSV hatte mehr Ballbesitz und Initiative, tat sich aber schwer, eine Lücke zu finden.

Derby FC St. Pauli vs. HSV – die Statistik

Früherer HSV-Profi macht die Spieler heiß

Der ehemalige HSV-Profi Eric Meijer, der auch für Sky im Einsatz ist, machte die HSV-Profis und die Fans noch einmal heiß. "Come on!" twitterte er und tippte einen dreckigen 2:1-Sieg der Rothosen am Millerntor.

Schon vor der Partie hatte es kleinere Scharmützel der Fans mit der Polizei gegeben. Dabei wurde auch Pfefferspray eingesetzt, als HSV-Fans den Eingang des Millerntorstadions stürmen wollten. Hier finden Sie die Texte, Bilder und Videos davon.

Zwei Nächte lang hatten Fans beider Mannschaften die Polizei in Atem gehalten, weil sie in Gruppen zu Hunderten durch St. Pauli und Eimsbüttel pilgerten. Am Sonntag war der Busverkehr in Hamburgs City erheblich beeinträchtigt.

Videos zeigen Choreo – und Knallerei

Ein Twitter-Video zeigt, wie am Dammtor die HSV-Fans in einer Choreografie hüpfen und singen. Abendblatt-Reporter zeigen weniger schöne Bilder von der Feldstraße. Hier knallt und kracht es von den Fans.