HSV

Kühne spricht sich für Jansen aus – mit Einschränkung

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Präsidentschafts-Wahlkampf nimmt an Fahrt auf. HSV-Investor und Hunke gegen Vize Schulz. Hartmann nicht zum Empfang eingeladen.

Hamburg.  Am Morgen nach dem großen Neujahrsempfang des HSV gab es Redebedarf. Funktionäre, Sponsoren, Partner, Ehemalige und Spieler waren am Dienstagabend in den VIP-Räumlichkeiten des Volksparkstadions zusammengekommen. Und während viele Gäste in den höchsten Tönen vom Büfett schwärmten, mäkelte Präsidentschaftskandidat Jürgen Hunke über die seiner Meinung nach „zu kleinen Portionen“. Satt, so viel kann an dieser Stelle verraten werden, wurden aber alle.

Viel größer sollte der gemeinsame Nenner an jenem Abend allerdings nicht werden. Denn natürlich gingen die Meinungen weniger über das Essen als vielmehr über den Präsidentenwahlkampf auseinander. Hunke, Marcell Jansen oder Ralph Hartmann? Das war hier die Frage – wobei Hartmann im Gegensatz zu Hunke und Jansen am Dienstag keine Werbung in eigener Sache machte.

Der simple Grund: Er war nicht eingeladen. Eingeladen, aber nicht anwesend war Klaus-Michael Kühne. Über den HSV im Allgemeinen und den Präsidentenwahlkampf im Speziellen macht sich der Investor in diesen Tagen aber auch ohne Büfett-Häppchen so seine Gedanken. Auf die Frage des Abendblatts, ob er einen Wunschkandidaten habe, antwortete Kühne eindeutig: „Ich halte Marcell Jansen für einen sehr guten Kandidaten für das Präsidentenamt beim HSV e. V.“

Der Neujahrsempfang des HSV:

Entscheidende Phase hat begonnen

Jansen und Kühne kennen sich seit langer Zeit. Als Spieler war der heute 33-Jährige sogar zu Besuch bei Kühne in dessen Hotel auf Mallorca. Der Milliardär, der 20,57 Prozent der AG-Anteile hält, soll sich anschließend sogar beim damaligen Clubchef Dietmar Beiersdorfer für eine Vertragsverlängerung Jansens starkgemacht haben – allerdings ohne Erfolg. Jansen beendete schließlich seine aktive Karriere mit 29 Jahren. Und ist nun, vier Jahre später, aussichtsreichster Präsidentenkandidat.

Doch natürlich ist am 19. Januar nicht in erster Linie die Meinung Kühnes, sondern die der Mitglieder gefragt. Und anders als zuletzt vermutet, dürfte die Arena in Wilhelmsburg relativ voll werden. 900 Mitglieder haben sich bereits unverbindlich angemeldet. 300 weitere Mitglieder haben signalisiert, möglicherweise zu kommen.

Unabhängig von der Anzahl der Wähler hat die entscheidende Phase des Wahlkampfs längst begonnen. Am Montag gaben die drei Kandidaten ihr erstes gemeinsames Interview im Abendblatt, am Abend folgte der zweite Auftritt bei den Senioren. Dienstag ging Jansens und Hunkes Wahlkampf beim HSV-Neujahrsempfang weiter. Am Mittwoch legte Hunke mit einer eigenen Pressekonferenz („Das Konzept bin ich“) nach, Hartmann war am Abend bei den Supporters. Donnerstag gibt es eine Präsidentendebatte im TV (Hamburg 1, online bei rautenperle.com) und anschließend im Radio bei NDR 90,3.

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Kühne gegen Jansen und Schulz im Aufsichtsrat

All das ist öffentlich. Ganz und gar nicht öffentlich ist dagegen, was derzeit hinter den Kulissen passiert. In einem Wort: viel. In mehreren Worten: sehr viel. Denn natürlich wird seit Tagen auch im Verborgenen um Stimmen, Mehrheiten und Strategien gekämpft. Dabei geht es nicht nur um die Präsidentenwahl, sondern auch um die Besetzung der anderen Gremien. Und nach Abendblatt-Informationen ist die erste Entscheidung gefallen: So soll Vizepräsident Thomas Schulz, der bereits seit vier Monaten interimistisch im Aufsichtsrat sitzt, bei einem Wahlerfolg Jansens Kontrolleur bleiben. Sollten Hartmann oder Hunke gewinnen, würde er aus dem Sechsergremium fliegen.

Und an dieser Stelle kommt erneut Kühne ins Spiel. Denn so sehr sich der Wahlschweizer für Jansens Kandidatur starkmacht, so wenig Begeisterung zeigt er für die Idee, dass bei einem Wahlerfolg Jansen und Schulz als Vereinsvertreter in den Aufsichtsrat einziehen. „Mit der Vereinsreform wurde vor einigen Jahren angestrebt, der HSV Fußball AG eine gewisse Eigenständigkeit zu geben, selbstverständlich unter der Schirmherrschaft des e. V. Aus meiner Sicht reicht es aus, wenn der Vereinspräsident in den Aufsichtsrat der AG entsandt wird“, sagt Kühne, der sich auch vor einem Jahr alles andere als erfreut über die damaligen Vorschläge von Ex-Präsident Jens Meier gezeigt hatte.

Wer soll neuer HSV-Präsident werden?

Über dieses Thema soll auch am Mittwoch auf der Hauptversammlung der HSV AG, zu der neben den Gesellschaftern auch der AG-Aufsichtsrat und der Vorstand geladen sind, debattiert werden. Mit einem Ergebnis ist allerdings nicht zu rechnen. Denn das Prozedere sieht vor, dass zunächst der neue Präsident auf der Mitgliederversammlung gewählt wird und dieser einen Aufsichtsratskandidaten vorschlägt, diesen durch den Beirat bestätigten und anschließend auf einer außerordentlichen Hauptversammlung wählen lässt.

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Neuer Präsident hat das letzte Wort

Klingt kompliziert? Ist aber ganz einfach: Als Mehrheitseigner (75 Prozent) hat ein neuer Präsident ohnehin das letzte Wort auf einer Hauptversammlung. Eine Konstellation, die Hunke mindestens so wurmt wie das kulinarische Angebot am Dienstag. „Genau das ist das Problem“, antwortete Hunke auf die Frage, wie er die Rolle von Vizepräsident Schulz im Aufsichtsrat bewerte. „Die Trennung muss herbeigeführt werden, es muss verschiedene Verantwortlichkeiten geben. Man kann nicht im Aufsichtsrat der AG sein und die e.V.-Belange vertreten.“ Zumindest in diesem Punkt sind sich Hunke und Jansen-Befürworter Kühne immerhin einig.

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