HSV

Dreht Klaus-Michael Kühne den Geldhahn doch wieder auf?

Klaus-Michael Kühne nebst Gattin Christine bei einem Spiel im Volksparkstadion

Klaus-Michael Kühne nebst Gattin Christine bei einem Spiel im Volksparkstadion

Foto: Witters

Der Investor wendet sich dem HSV erneut zu. Kühnes Vorstoß kommt überraschend. Kamen Becker & Co. dem 81-Jährigen entgegen?

Hamburg. Das Hin um Her um Klaus-Michael Kühne und etwaige weitere Investitionen des Investors in seinen Lieblings-Verein HSV geht weiter. Nach mehreren Ankündigungen des streitbaren Milliardärs, den Geldhahn beim Hamburger SV zuzudrehen, zeigte sich der 81-Jährige nun überraschend zur weiteren Zusammenarbeit mit der Clubspitze des Fußball-Zweitligisten bereit. "Bei Erfordernis oder nach Wunsch wird kommuniziert. Soweit ich es beurteilen kann, ist die Vereinsführung intakt“, sagte der in der Schweiz lebende Logistik-Unternehmer der "Sportbild" (Mittwoch).

Erst vor knapp einem halben Jahr hatte er in dem Magazin angekündigt, seine Zahlungen einzustellen. "Ich werde den Verein nicht weiter fördern, weil mein Wunsch, meine Anteile langfristig aufstocken zu können, nicht respektiert wird", zürnte der HSV-Edelfan. Zankapfel war die Sperrklausel von 24,9 Prozent in der Vereinssatzung des HSV. Eine Satzungsänderung lehnte der Verein zum Unmut des Investors ab.

Klaus-Michael Kühne und die Sperrminorität

Kühne besitzt 20,57 Prozent Anteile an der Fußball AG und ist größter Einzelaktionär. Der HSV e.V. hält 76,19 Prozent und gibt in der AG den Ton an. Derzeit stehen noch 1,09 Prozent der Anteile zum Verkauf. Das reicht Kühne aber nicht. Er möchte "acht bis zehn, je nach Bedarf", wie er damals betonte.

Wer aber mehr als 25 Prozent besitzt, hält eine Sperrminorität in der AG, kann sein Veto einlegen und Entscheidungen blockieren. Er sei aber bereit, sich "zu verpflichten, eine etwaige Sperrminorität nicht dazu zu nutzen, um gegen den Verein zu stimmen“, behauptete Kühne. Anderseits betonte er: "Ich kann nicht immer nur Geld geben, ohne dass es eine Gegenleistung dafür gibt.“

Kühnes Vorstoß kommt überraschend

Der HSV-Vorstand um den Vorsitzenden Bernd Hoffmann steckt dadurch in einer Zwickmühle. Einerseits kann der wirtschaftlich angeschlagene Verein weiterhin frisches Geld gut gebrauchen, andererseits will man aber weniger Abhängigkeit von Kühne. Zumal dieser sich wiederholt in Vereinsbelange eingemischt und für Unruhe gesorgt hatte. Auch daher galt das Verhältnis zwischen beiden Seiten zuletzt als abgekühlt.

Umso überraschender kommt nun der neue Vorstoß des Milliardärs. Im Gegensatz zu den Vorjahren, als der HSV stets gegen den letztlich nicht mehr zu verhindernden Abstieg angekämpft hatte, ist Kühne mit der jüngsten sportlichen Entwicklung beim Zweitliga-Spitzenreiter HSV zufrieden. Über die erfolgreiche Arbeit von Titz-Nachfolger Hannes Wolf ist er erfreut. „Der Trainer macht es gut. Sportlich geht es in die richtige Richtung“, sagte er, "aber es muss noch besser werden.“

Becker bestätigt "nettes Gespräch" mit Kühne

Offenbar ist aber auch der HSV ein Stück zugegangen auf Kühne, der bisher geschätzte 100 Millionen Euro in den Verein gepumpt hat. Sportvorstand Ralf Becker bestätigte erst zu Wochenbeginn im Abendblatt-Interview "ein angenehmes und nettes Gespräch“ mit Kühne. Der 48-Jährige hatte aber auch klar gestellt: "Das ändert nichts daran, dass wir gut daran tun, auf dem Transfermarkt generell möglichst unabhängig zu agieren.“

Dessen ungeachtet kann sich Kühne nun auch wieder eine Verlängerung des am Saisonende auslaufenden Vertrags um die Namensrechte am Volksparkstadion vorstellen. „Zurzeit habe ich mich nicht festgelegt, ausschließen will ich ebenfalls nichts“, betonte Kühne. Ende Juni hatte er dies „aus heutiger Sicht“ noch ausgeschlossen.