HSV-Jahresrückblick

Drobny bestimmt die Schlagzeilen trotz Knäbel-Entlassung

Turbulenter Mai: Jarosvlav weigert sich, im letzten Saisonspiel zu spielen und schießt in einem großen Interview gegen die Club-Bosse. Damit schafft es der Tscheche, das Aus für Sportchef Peter Knäbel in den Hintergrund rücken zu lassen

Turbulenter Mai: Jarosvlav weigert sich, im letzten Saisonspiel zu spielen und schießt in einem großen Interview gegen die Club-Bosse. Damit schafft es der Tscheche, das Aus für Sportchef Peter Knäbel in den Hintergrund rücken zu lassen

Foto: Witters

In Teil 1 eines der turbulentesten Jahre der HSV-Geschichte blicken wir auf Januar bis Mai zurück, als Heino eine Nebenrolle spielte.

Der HSV und die Rucksack-Affäre um Peter Knäbel – ach nee, war doch schon 2015. Doch auch in diesem Jahr kam der taumelnde Dinosaurier in den Schlagzeilen der Fußball-Bundesliga ausreichend zum Zuge. Und Knäbel stand tatsächlich noch bis zum 9. Mai 2016 im Volkspark in Lohn und Brot. Gemeinsam mit Bruno Labbadia. Sie erinnern sich?

Der Sportchef war nicht der Einzige, der in diesem Kalenderjahr seine sieben Rauten-Sachen packen musste. Angesichts des anhaltend rasanten Hamburger Personal-Karussells und auch sonstiger sportlicher und struktureller Turbulenzen ist es eine Aufgabe für sich, die Dinge zu ordnen. Wir haben uns für eine streng chronologische Aufarbeitung des HSV-Jahres entschieden. Bitteschön:

Januar: HSV-Held Díaz geht

9. Januar: Greuther Fürth sichert sich die Dienste von Linksverteidiger Ronny Marcos für geschätzte 100.000 Euro.

11. Januar: Bruno Labbadia verlängert seinen auslaufenden Vertrag beim HSV vorzeitig um ein Jahr bis 2017.

15. Januar: Ein HSV-Held verlässt den Verein: Marcelo Díaz wechselt für etwas weniger als zwei Millionen Euro zu Celta Vigo. Unvergessen bleibt der Moment, als er den HSV mit seinem Freistoßtor in der 90. Minute im Relegationsrückspiel gegen Karlsruhe in die Verlängerung schoss.

18. Januar: Bruno Labbadia hat keine Verwendung mehr für Zoltán Stieber und so wechselt der Ungar auf Leihbasis in die Zweite Liga zum 1. FC Nürnberg.

31. Januar: Auf der Zielgeraden der Wintertransferperiode leiht der HSV Josip Drmic für 1,2 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach aus. Eine Kaufoption gibt es nicht. Der Angreifer aus der Schweiz soll das Offensivspiel beleben, doch es kommt alles anders. Die Auflösung folgt am 13. März.

Februar: HSV präsentiert Leitbild

1. Februar: Das Transferfenster steht schon auf Kipp, doch wenige Minuten bevor es schließt, verpflichtet der HSV den Schweden Nabil Bahoui von Al-Ahli aus Saudi-Arabien.

4. Februar: Ilicevic fliegt nach einem Kopfstoß gegen Gregoritsch im Training für ein Spiel aus dem Kader. Der Kroate war Gregoritsch nach einem Zweikampf, in dem sich der Österreicher einen Bänderanriss im Sprunggelenk zuzog, erneut angegangen.

6. Februar: Der HSV verkauft 1,5 Prozent Anteile der HSV Fußball AG für 4,03 Millionen Euro an Privatinvestor Ernst Burmeister und seine Söhne.

14. Februar: Erster Sieg im vierten Spiel des Jahres, 3:2 gegen Gladbach. Hinteregger (Eigentor), Rudnevs und Ilicevic treffen. "Der HSV feiert die Wiederauferstehung", titelt das Abendblatt.

17. Februar: Der HSV präsentiert sein neues Leitbild. Das Manifest enthält Vorgaben wie eine "weitsichtige Kaderplanung" oder für den Nachwuchsbereich die "konzeptionelle und personelle Durchlässigkeit bis ins Profiteam". Kosten für das Papier: 50.000 Euro.

18. Februar: In einem Abendblatt-Interview spricht Heribert Bruchhagen von einer Anfrage des Aufsichtsrats, bevor Dietmar Beiersdorfer Vorstandsvorsitzender wurde. "Das habe ich aber sofort abgelehnt", sagt Bruchhagen zu diesem Zeitpunkt.

23. Februar: Albin Ekdal verletzt sich nach viermonatiger Pause wegen einer Knöchelverletzung im Training erneut. Diagnose diesmal: Kapselblessur im rechten Sprunggelenk.

27. Februar: Winterleihgabe Drmic erzielt beim 1:1 gegen Ingolstadt sein erstes und letztes Tor in sechs Spielen für den HSV. Bei dem Spiel protestieren Fans mit einem Banner gegen eine diskutierte Rückkehr Rafael van der Vaarts als Repräsentant. Nach dem Spiel gegen den ruppigen Aufsteiger fliegen außerdem verbale Giftpfeile zwischen Hamburg und Oberbayern.

März: Sakai schlägt Alarm

2. März: Die 2:3-Niederlage auf Schalke, bei der Schiedsrichter Günter Perl einen rabenschwarzen Tag erwischt, führt zur Rückkehr der Abstiegsangst. "Wir haben uns nicht als Team präsentiert", poltert Torhüter René Adler.

3. März: Ivica Olic kündigt seinen Rücktritt aus der kroatischen Nationalmannschaft an. Auch beim HSV stehen die Zeichen auf Abschied: Unter Bruno Labbadia kommt der Publikumsliebling kaum mehr zum Zug, weshalb er später zu 1860 München wechseln wird.

6. März: Vier Tage nach der Schalke-Schlappe findet der HSV durch einen 2:0-Heimsieg gegen Hertha BSC zurück in die Spur. Doppelpacker Nicolai Müller macht sein persönlich bestes Spiel der Saison. Am Ende der Spielzeit steht der Angreifer bei neun Treffern.

9. März: Die Replika des DFB-Pokals für den Triumph von 1987, des letzten großen HSV-Titels, kommt nach einer Leihe nach Aalen beschädigt zurück nach Hamburg. Beiersdorfer, Torschütze beim damaligen 3:1-Sieg gegen die Stuttgarter Kickers, pocht auf eine Reparatur.

13. März: Drmic zieht sich bei der 0:1-Niederlage in Leverkusen einen traumatischen Knorpelschaden zu. Der Schweizer Nationalspieler wird für den HSV kein Spiel mehr bestreiten.

17. März: Auch Johan Djourou fällt lange aus. Den Kapitän setzt eine rätselhafte Virusinfektion außer Gefecht.

19. März: Nach einer 1:3-Heimpleite gegen Hoffenheim muss der HSV weiter um den Klassenerhalt bangen. Diesmal moniert Gotoku Sakai die Einstellung: "So gewinnen wir in der Liga kein Spiel mehr."

29. März: Der HSV bildet mit Werder Bremen, Hertha BSC, Eintracht Frankfurt, 1. FC Köln und dem VfB Stuttgart das "Team Marktwert", das für eine bessere Berücksichtigung von Traditionsvereinen bei der Verteilung von TV-Geld streitet.

April: Lasogga schießt HSV zum Derbysieg

2. April: Beim duseligen 3:0-Erfolg in Hannover gewinnt der HSV erstmals seit 125 Tagen wieder ein Bundesligaspiel in der Fremde. Auch wenn 96 phasenweise dominiert, steht am Ende ein hoher Auswärtssieg zu Buche.

7. April: Der frühere schwedische Leichtathletik-Nationaltrainer Ulf Karlsson erhebt Doping-Vorwürfe gegen Albin Ekdal. Der Mittelfeldspieler soll zu seiner Zeit bei Juventus Turin ver­bo­tene Sub­stan­zen verabreicht bekommen haben. Wenige Tage später rudert Karlsson zurück.

9. April: Mit einer 1:2-Niederlage zu Hause gegen Darmstadt verpasst der HSV die vorzeitige Rettung. Trotz ausreichender Vorwarnung kann die Abwehr den bis dato letzten Bundesligatreffer des "Lilien"-Kapitäns Aytac Sulu nicht verhindern. Pfiffe der Fans lösen eine Debatte aus.

14. April: Ein Wappen-Ranking der "Daily Mail" sorgt für Aufsehen. Die englische Boulevardzeitung kürt die HSV-Raute zu einem der zehn "hässlichsten Logos" von Fußballvereinen weltweit – in einer Reihe mit dem VfL Wolfsburg und Red Bull New York.

16. April: Und noch ein Aufreger: Heino wagt sich für seine Fußball-CD an das Heiligtum "Hamburg, meine Perle". Allerdings hat der Schlagersänger den Segen von Lotto King Karl: Der Stadionsprecher singt die Neuauflage der Hymne selbst mit ein.

17. April: Und erneut verschärfen sich die Abstiegssorgen – diesmal durch ein 0:3 bei Borussia Dortmund, bei dem zu allem Überfluss Adler auch noch Rot sieht.

22. April: Beim Nordderby gegen Werder steht der HSV also wieder unter Druck – und befreit sich mit dem künftigen Bremer Drobny (siehe 8. Juni) im Tor durch einen 2:1-Heimsieg (Doppelpack Lasogga).

30. April: In Mainz folgt ein 0:0, durch das sich der HSV weiter in Richtung Klassenerhalt robbt.

Mai: Drobny bestimmt die Schlagzeilen

8. Mai: Nach zwei Last-Minute-Rettungen über den Umweg Relegation sichert der HSV diesmal bereits am 33. Spieltag vorzeitig die Klasse. In einer grausigen Partie verlieren die Rothosen gegen ebenfalls schwache Wolfsburger 0:1. Durch die übrigen Ergebnisse ist der HSV dennoch gerettet.

9. Mai: Vereinschef Dietmar Beiersdorfer entlässt Sportchef Peter Knäbel wegen "unterschiedlicher sportlicher Auffassungen" und übernimmt dessen Posten selbst.

10. Mai: Gojko Kacar, Jaroslav Drobny und Ivo Ilicevic haben keine Zukunft mehr beim HSV. Ihre auslaufenden Verträge werden nicht verlängert, teilt der Verein mit.

11. Mai: Jaroslav Drobny holt in der "Sport Bild" zum Rundumschlag aus und kritisiert vor allem den späten Zeitpunkt, zu dem man ihm mitgeteilt hat, dass sein Vertrag nicht verlängert werde. "Keiner hatte die Eier, es mir einfach ins Gesicht zu sagen. Das ist Kindergarten", kritisiert der Torwart.

12. Mai: Eklat beim HSV: Bruno Labbadia verkündet, dass Jaroslav Drobny sich weigert, im letzten Saisonspiel im Tor zu stehen. "Keiner hat sich über den Verein oder die Mannschaft zu stellen", stellt der damalige Trainer unmissverständlich klar.

14. Mai: Am 34. Spieltag gewinnt der HSV 3:1 in Augsburg durch einen Doppelpack von Michael Gregoritsch und mit Tom Mickel im Tor. Der nächste Sieg in der Bundesliga sollte über 200 Tage auf sich warten lassen.

15. Mai: Nur einen Tag nach dem letzten Saisonspiel vermeldet der HSV den Transfer von Bobby Wood als perfekt. Der US-Stürmer kommt von Union Berlin, kostet 3,5 Millionen Euro und ist der erste Neuzugang der kommenden Spielzeit.

16. Mai: Wegen steigender Sicherheitskosten erhöht der HSV seine Dauerkartenpreise zur neuen Saison um knapp drei Prozent.

17. Mai: Nur zwei Tage später macht der HSV auch beim zweiten Neuzugang Nägel mit Köpfen. Christian Mathenia kommt für 800.000 Euro aus Darmstadt und soll Stammtorwart René Adler Druck machen.

26. Mai: An diesem Tag wird bekannt, dass sich der langjährige HSV-Manager Günter Netzer in der Schweiz einer Herz-Operation unterzogen hat und sich in der Reha befindet.

28. Mai: Mit 35 Jahren beendet Mladen Petric in Athen seine Karriere. Beim HSV erzielte der Stürmer 61 Tore in 136 Pflichtspielen.

29. Mai: Abwehrkante Emir Spahic verlängert seinen Vertrag beim HSV um ein Jahr bis Sommer 2017.

Lesen Sie morgen in Teil 2: Didis Deadline-Day und ein absoluter Minusrekord