HSV-Splitter

Gisdol interveniert schon jetzt in der Halilovic-Frage

Überraschung beim Kader fürs Hertha-Spiel. Klopp, Hrubesch und Baumann äußern sich negativ über HSV. Enttäuschung für Jung.

Baumann mit unnötiger Spitze gegen HSV

Spätestens seit der HSV dem Nordrivalen Werder Bremen in Markus Gisdol den erklärten Wunschkandidaten auf den Trainerposten vor der Nase weggeschnappt hat, ist SVW-Sportdirektor Frank Baumann nicht gut auf die Hamburger zu sprechen. Angesprochen auf die Frage, warum Werder noch keine Klarheit in der Trainerfrage geschaffen hat, entgegnete der 40-Jährige trotzig, dass er erst seit zehn Tagen einen neuen Coach suche. Eine Spitze gegen den HSV konnte er sich in diesem Zusammenhang nicht verkneifen. "Andere beschäftigen sich hinter dem Rücken ihres Trainers damit."

Damit spielt Baumann auf Bruno Labbadias Beurlaubung beim HSV an. Vor der offiziellen Bekanntgabe sickerte bereits durch, dass Gisdol den Job des HSV-Retters übernehmen werde. Sportchef Dietmar Beiersdorfer gab anschließend zu, schon deutlich eher mit Gisdol über ein Engagement beim Dino gesprochen zu haben. Dennoch ist der Nachsatz Baumanns peinlich und unnötig zugleich. So war es Werders Ex-Profi, der seine nach dem Bayern-Spiel ausgesprochene Jobgarantie für Viktor Skripnik nicht einhielt. „Über den Trainer wird nicht diskutiert, auch wenn wir die nächsten acht Spiele nicht gewinnen", hatte Baumann nach der 0:6-Auftaktschlappe in München gesagt. Gerade mal zwei Spieltage später wurde Skripnik vor die Tür gesetzt.

Gisdol und die Halilovic-Frage

Ob der zuletzt von Ex-Trainer Bruno Labbadia aussortierte Alen Halilovic unter Markus Gisdol sofort mehr Einsatzzeiten bekommt, muss sich zeigen. "Wenn ich eines kann, dann Talente entwickeln“, meinte Gisdol in einem Interview von "Sky Sport News HD" selbstbewusst. Der neue Coach bezeichnete die Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit als überzogen. "Wir tun alle unglaublich gut daran, wenn wir den Druck von dem Namen Halilovic nehmen. Die Erwartungen an ihn waren völlig unangemessen. Er wird jetzt ganz gezielt aufgebaut von mir.“

Klingt so, als würde der Kroate es auch unter Gisdol zunächst einmal schwer haben, in die Startelf zu rücken. Der konkreten Frage danach wich er aus: „Alen braucht den notwendigen Freiraum. Wir müssen ihm den Druck von den Schultern nehmen. Es darf nicht jede Woche darum gehen: Spielt er? Ist er im Kader? Oder ist er auf der Tribüne?“

Gisdol nimmt Götz mit nach Berlin

Markus Gisdol hat seine erste Nominierungphase beim HSV hinter sich. Der neue Trainer nimmt vorerst 19 Spieler mit nach Berlin, von denen einer bis spätestens kurz vor dem Anpfiff noch aussortiert werden muss. Überraschend dabei ist Außenverteidiger Ashton Götz, der in dieser Saison noch nicht zum Einsatz kam. Auch Luca Waldschmidt, der gegen die Bayern zuletzt außen vor war, gehört der Reisegruppe an. Auch Albin Ekdal macht den Trip mit. Ansonsten ist der Kader - bis auf Aaron Hunt/Trauerfall - identisch mit dem Aufgebot gegen München am vergangenen Spieltag.

Klopp plaudert über HSV-Verhandlungen

Immer, wenn es nicht läuft, wird unter HSV-Fans gerne der verpassten Klopp-Chance nachgehangen. In der Tat hätte Dietmar Beiersdorfer 2008 als Sportdirektor die Möglichkeit gehabt, Jürgen Klopp als Trainer nach Hamburg zu lotsen. Die Verpflichtung scheiterte am Veto des Aufsichtsrates, stattdessen ging Klopp nach Dortmund und führte die Borussia in den folgenden Jahren zu zwei Meistertiteln, einem DFB-Pokalsieg und ins Finale der Champions League.

Jetzt hat Klopp noch einmal über die damaligen Verhandlungen gesprochen. Die Gründe für die Absage hätten ihn durchaus getroffen, gestand der 49-Jährige dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". Kein Wunder, glaubt man der Version des heutigen Liverpool-Coachs. "Ich wollte als Trainer wahrgenommen werden. Der HSV hat so eine Art Casting gemacht: flapsiger Umgang mit der Presse, Unpünktlichkeit, Löcher in den Jeans, Raucher."

Vor allem gegen einen Vorbehalt setzt sich Klopp rückblickend zur Wehr. "Unpünktlich ist eine absolute Unwahrheit. Ich war in meinem Leben nie unpünktlich, wenn ich es irgendwie verhindern konnte. Und was war das Letzte? Flapsig im Umgang mit der Presse. Ja, was soll das? Und dann noch der Spitzname Kloppo, verbunden mit der Frage nach Autorität."

Der Stachel saß bei Klopp tief, weshalb er mit dem HSV gebrochen habe. "Ich habe damals gesagt: 'So, Freunde, falls noch Interesse besteht, wollte ich nur mal sagen: no way. Ruft nie wieder an, das mache ich nicht. Ich bin Fußballtrainer und wenn euch solche Sachen wichtig sind, seid ihr die Falschen. Dann können wir nicht zusammenarbeiten'", wird Klopp zitiert.

Für Jung wird's schon wieder nix

Gideon Jung und die deutsche U21-Nationalmannschaft kommen einfach (noch) nicht zusammen. Nachdem der 20-Jährige sein Debüt für den DFB-Nachwuchs bislang zweimal verletzungsbedingt selbst abblasen musste, steht er diesmal von vorneherein nicht im Kader.

Dafür nominierte der neue Trainer Stefan Kuntz für die EM-Qualifikationsspiele gegen Russland am 7. Oktober in Ingolstadt und vier Tage später in St. Pölten gegen Gastgeber Österreich in Jonathan Tah (Bayer Leverkusen) immerhin einen gebürtigen Hamburger. Das hat für Tah allerdings wiederum seinen Preis: Denn so verpasst der Abwehrspieler das WM-Qualifikationsspiel der A-Nationalmannschaft am 8. Oktober gegen Tschechien in seinem ehemaligen Wohnzimmer Volksparkstadion.

Hunt fehlt wegen Trauerfalls

Markus Gisdol geht davon aus, dass ihm am Sonnabend in Berlin (15.30 Uhr) nahezu das komplette Personal zur Verfügung steht. Es fehlen lediglich Mittelfeldspieler Aaron Hunt, der wegen eines Trauerfalls in der Familie in die Türkei gereist ist, und Verteidiger Dennis Diekmeier (Wadenprobleme). Ein Fragezeichen steht hinter Albin Ekdal. Der schwedische Nationalspieler hat akute Adduktorenprobleme. Für ihn könnte der gegen Bayern München (0:1) sehr laufstarke Lewis Holty auf seine angestammte Sechser-Position zurückkehren.

Ausfälle auch bei der Hertha

Auch bei der Hertha muss Trainer Pal Dardai in Salomon Kalou auf einen Spieler wegen eines Trauerfalls in der Familie verzichten. Außerdem fehlen gegen den HSV Peter Pekarik (Muskelfaserriss) sowie die Langzeitverletzten Vladimir Darida und Ondrej Duda. Offen ist, ob Marvin Plattenhardt (Magen-Darm-Probleme) mitwirken kann.

Gisdol bereit für Kühne-Austausch

Markus Gisdol hat noch einmal betont, dass die Zusammenarbeit mit Investor Klaus-Michael Kühne für ihn ein wichtiger Baustein seiner Arbeit ist. "Wenn ein Austausch gewünscht ist, dann findet er statt. Da steht jeder Trainer parat", sagte Gisdol im Interview mit "Sky Sport News HD". Priorität habe für den neuen Trainer aber die Arbeit mit der Mannschaft: "Ich verstehe meine Arbeit so, dass es in erster Linie um die Arbeit mit der Mannschaft geht. Das ist das alles Entscheidende. Wie wir arbeiten, wie wir uns entwickeln. Daran werden wir gemessen."

Winkmann als Torlos-Omen?

Gegen die Hertha pfeift ein Torlos-Schiri: Für Guido Winkmann ist das Spiel im Olympiastadion sein dritter Erstliga-Einsatz in dieser Saison, dazu leitete der Polizist aus Kerken (NRW) drei Partien in der zweiten Liga. Was auffällt: In den fünf Winkmann-Begegnungen fielen insgesamt nur drei Treffer (dreimal 1:0, zweimal 0:0).

Auch der letzte HSV-Auftritt des 42-Jährigen endete ohne Treffer. Am 32. Spieltag der vergangenen Saison kam der Dino unter Winkmann zu einem 0:0 in Mainz, kassierte dabei allerdings drei Gelbe Karten (Mainz keine). Berlin leitete Winkmann letztes Jahr dreimal (1S/1U/1N). Gegen eine Torlos-Nummer oder einen 1:0-Sieg hätte auf Hamburger Seite diesmal wohl kaum jemand etwas einzuwenden...

Hrubesch missfällt die Philosophie

Es gab nicht wenige Fans, die hätten sich Horst Hrubesch als Nachfolger von Bruno Labbadia gewünscht. Jetzt hat "Hotte" tatsächlich preisgegeben, einem Engagement in der Bundesliga nicht abgeneigt gegenüberzustehen. "Warum nicht? Sag niemals nie ist mein Motto. Es kommt auf die Anfragen an. Ich bin da aber ganz entspannt“, sagte der Olympia-Coach der "Bild". Sein Vertrag beim DFB laufe bis Dezember, sagte der 65-Jährige. Die Planung sehe so aus, dass er sich im Oktober mit Sportdirektor Hansi Flick treffen wolle, um zu besprechen, „ob wir vielleicht in der Zukunft zusammenkommen“.

Dass Hrubesch in absehbarer Zeit ausgerechnet beim HSV landet, scheint zumindest im Moment aber eher unrealistisch. Zumindest missfällt dem gebürtigen Hammer (NRW) die Situation bei seinem Ex-Club gehörig. "Mir fehlt eine sichtbare Philosophie des Vereins. Allein der Trainer-Verschleiß spricht Bände. Bei 15 in den vergangenen 15 Jahren kann ja nicht jeder Coach schlecht gewesen sein. Ob das auf Dauer der richtige Weg ist? In jedem Fall stimmen viele Punkte beim HSV nicht“, sagte der ehemalige Kapitän, der mit dem HSV 1983 den Europapokal der Landesmeister gewonnen hatte.

Auch den Zeitpunkt des jüngsten Trainerwechsels kann Hrubesch nicht nachvollziehen. "Für Gisdol wäre es leichter gewesen, wenn er in der Länderspielpause nach dem Hertha-Spiel begonnen hätte", sagte Hrubesch. So hätte er mehr Zeit bis zu seinen ersten Spielen erhalten - die es für Hrubesch ohnehin in sich hätten. Bei dem "Hammerprogramm" mit Berlin, Gladbach, Frankfurt, Köln und Dortmund mache er sich durchaus Sorgen um seinen Verein.

Alle HSV-Trainer in der Bundesliga:

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Pinkes Shirt, weiße Hose

Fußball und Psychologie - eine unendliche Geschichte. Viele Trainer schwören auf die Macht der Farben. Jürgen Klinsmann etwa ließ als Bundestrainer die Nationalmannschaft erstmals in Rot auflaufen, um die Aggressivität zu steigern. Winfried Schäfer steckte die KSC-Spieler 1990 einmal in ungewöhnliche grüne Trikots, mit denen der damalige 17. in der Bundesliga nach langer Durstrecke den Tabellenführer und späteren Deutschen Meister Kaiserslautern mit 4:2 vom Platz fegte.

Willkommen auf dem Feuerstuhl, Herr Gisdol!

Und was macht Markus Gisdol? Der neue HSV-Cheftrainer setzt für seine Premiere bei der Hertha am Sonnabend erstmals in der Liga die rosa Hemden auf die Kleiderordnung. In Berlin soll das "Shock Pink" allerdings nicht wie erwartet mit blauen, sondern mit weißen Hosen kombiniert werden. In den neuen Auswärtstrikots feierte der HSV seinen bislang einzigen Pflichtspielsieg (1:0 im Pokal bei Drittligist Zwickau). Ob den Gegner die ungewohnte Farbgebung diesmal jucken wird? Wohl eher nicht, schließlich hängt auch bei Pal Dardais Profis in dieser Saison ein pinkes Ausweich-Shirt im Spind.

Fan will nicht für "ACAB" zahlen

Um das Spiel gegen Bayern München in der Saison 2013/14 (Endstand 1:4) gibt es noch immer keine Ruhe. Nachdem sich bereits ein HSV-Fan wegen eines Trommelwurfs aus dem Oberrang auf Polizisten unter ihm vor Gericht verantworten musste, hat das Amtsgericht Altona auch gegen einen weiteren Anhänger Strafbefehl erlassen. Der heute 29-Jährige weigert sich allerdings, die 1000 Euro für das beleidigende Spruchband "ACAB - Hass wie noch nie" zu bezahlen und zieht deshalb seinerseits noch einmal vor das Amtsgericht (Aktenzeichen 3190 Js 41/15 (324 Cs 17/16)).

In der Halbzeitpause des Spiels am 3. Mai 2014 hatte es einen Polizeieinsatz in den Blöcken 25A und 22C gegeben, nachdem dort ein Spruchband mit der Formel "ACAB" (All Cops Are Bastards") aufgehängt worden war. Die Ultra-Gruppe "Chosen Few" hatte den damaligen HSV-Vorstand um Carl Jarchow wegen der Polizeiaktion anschließend öffentlich kritisiert.

Weniger Fans fahren nach Berlin

Die Reiselust der HSV-Fans ist ungebrochen. In Berlin werden trotz der enttäuschenden Ergebnisse der letzten Jahre (alleine drei Niederlagen in Folge ohne eigenen Treffer) rund 8000 blau-weiß-schwarze Schlachtenbummler erwartet. Allerdings schrumpft damit der Auswärts-Anhang im Vergleich zu den Vorjahren doch ein wenig, als mitunter mehr als 10.000 Hamburger die Fahrt in die Hauptstadt auf sich genommen hatten.

"HW4" bleibt Bankdrücker

Von den ehemaligen HSV-Profis, die in der Europa League aktiv sein könnten, machte am Donnerstag nur einer auf sich aufmerksam. Levin Öztunali drehte nach seiner Einwechslung das Spiel für Mainz bei Qäbälä (Aserbaidschan). Uwe Seelers Enkel kam in der 67. Minute ins Spiel und traf elf Zeigerumdrehungen später zum 3:2-Sieg des Bundesligisten.

Einen Erfolg gab es auch für Marcelo Díaz (Celta Vigo) im Duell zweier Ex-HSVer gegen Marcus Bergs Panathinaikos Athen (2:0). Während Díaz und Berg durchspielen durften, schmorten Milan Badelj (AC Florenz; 5:1 gegen Qarabag) und Heiko Westermann (Ajax Amsterdam; 1:0 gegen Lüttich) bei den Siegen ihrer Teams 90 Minuten lang auf der Bank.