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Christliche HSV-Anhänger sind Vorreiter in der Fanszene

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Laura Kirchberger
"Mit Hamburg oft Sieger, mit Jesus immer": Ein Bild des HSV-Fanclubs "Totale Offensive" aus dem Jahr 2007

"Mit Hamburg oft Sieger, mit Jesus immer": Ein Bild des HSV-Fanclubs "Totale Offensive" aus dem Jahr 2007

Foto: Witters

Alkohol ist tabu, vor den Spielen wird gebetet: Zehn Jahre nach Gründung ist der Fanclub "Totale Offensive" weiter auf dem Vormarsch.

Hamburg. HSV-Fan und zugleich Christ? Der christliche HSV-Fanclub „Totale Offensive“ vereint beides. Offensiv leben die Mitglieder ihre christlichen Werte gegen Gewalt und Sucht. Mittlerweile bilden sie mit 300 Anhängern den drittgrößten HSV-Fanclub und haben bundesweit Nachahmer gefunden. An diesem Wochenende feiert er sein zehnjähriges Bestehen mit einem Turnier und einem Gottesdienst.

Angefangen hat alles natürlich im HSV-Stadion. Vor zehn Jahren wurden die drei Initiatoren Steffen Grusa, Torsten Hüner und Sven Slomian über ihre christlichen Plakate aufeinander aufmerksam. „Ich habe bei den anderen ein christliches Plakat gesehen und sie nach dem Spiel angesprochen“, erinnert sich Slomian. Einige Wochen später saßen sie zu siebt vor einem Flipchart und sammelten Ideen. Mittlerweile gibt es die „Totale Offensive“ bundesweit für 14 Fußballclubs, darunter sieben aus der 1. Bundesliga.

Kinder-Engagement und Alkoholverzicht

Neben normalen Fanclub-Aktivitäten wollten sie Kindern aus der Umgebung einen Stadionbesuch ermöglichen. Zwei Jahre später setzten sie ihre Idee in die Tat um. Vom HSV bekamen sie vergünstigte Tickets. „Wir starteten unsere Aktion mit 70 Kindern, zwei Monate später fuhren wir schon mit 170 ins Stadion“, sagt Slomian stolz.

Wichtig ist ihnen der Verzicht auf Alkohol und andere Drogen. „Wir wollen nicht zum Spiel fahren und uns die Birne zuschütten“, erklärt Vorstandsmitglied Hüner. Gemeinsam mit der Evangelischen Suchtkrankenhilfe bietet der Fanclub Selbsthilfegruppen an. Der Club-Vorsitzende Uwe Grantien ist freikirchlicher Pastor in der Anskar-Kirche und kommt aus der Suchtarbeit. Im Stadion kämen andere Fans oft auf die Gruppe zu und seien begeistert, dass sie keinen Alkohol trinken, sagt Hüner.

Vor den HSV-Spielen wird gebetet

Wenn die christlichen HSV-Fans nicht im Stadion mitfiebern können, treffen sie sich mit ihren weiß-blauen Schals vor dem Bildschirm der Anskar-Kirche in Barmbek. „Zu unseren Fußballabenden darf jeder kommen, egal ob oder welchen Glaubens“, sagt Slomian. „Es gibt Softdrinks und Naschis.“

Vor jedem Spiel wird auch gebetet - aber nicht für einen HSV-Sieg. „Wir bitten um Schutz und Segen für den Tag“, sagt Slomian. Obwohl Fußball im Mittelpunkt steht, bleibt die Bibel der Maßstab ihres Lebens. Dafür hat der Fanclub auch den „HSV-Fisch“ entwickelt, der auf Schals, Pullis und Plakaten neben der HSV-Raute zu finden ist: „Der Fisch ist ein christliches Symbol“, erklärt Designer Grusa. „Außerdem nehmen wir uns als norddeutsche Fischköppe damit ein bisschen auf die Schippe.“

Fußballturnier zum zehnjährigen Bestehen

Zum zehnjährigen Bestehen veranstaltet die „Totale Offensive“ am Sonnabend (10. Oktober, 10 Uhr) ein Fußballturnier im Sportzentrum Öjendorf. Am Sonntag feiern die Fans um 16 Uhr einen Festgottesdienst in der Anskar-Kirche mit den Gruppen „Die Neumanns“ und „Jenas Böttcher & Orchester des himmlischen Friedens“. Auf die Frage nach dem Tabellenplatz am Ende der Saison sind sich alle einig: „Diesmal wird es nicht so knapp“, hofft Slomian und prognostiziert: „Wir stehen im sicheren oberen Drittel.“

( epd )

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