Bundesliga

HSV verliert in Köln - Schiri verteidigt Rot gegen Spahic

Der HSV gab das Spiel völlig unnötig aus der Hand. Umstrittenes Rot für Spahic. Holtby hatte die Führung erzielt.

Köln. In einer turbulenten Schlussphase hat der 1. FC Köln dem Hamburger SV eine unglückliche 1:2 (0:0)-Niederlage zugefügt. Nach dem HSV-Führungstreffer von Lewis Holtby in der 47. Minute machten die Neu-Kölner Philipp Hosiner (76.) und Anthony Modeste mit einem verwandelten Foulelfmeter in der 79. Minute vor 50 000 Zuschauern im ausverkauften Stadion den FC-Erfolg perfekt.

HSV-Mann Emir Spahic hatte gegen Modeste zuvor angeblich die Notbremse gezogen - umstrittenes Rot durch Referee Deniz Aytekin war die Folge. Köln ist damit seit zwölf Heimspielen unbesiegt und sorgte mit dem Erfolg für den besten Start in der Fußball-Bundesliga seit 19 Jahren.

Fifa-Schiedsrichter Aytekin aus Oberasbach hat die Rote Karte gegen den Hamburger Emir Spahic und den Elfmeter für den 1. FC Köln verteidigt. „Aus meiner Sicht hat es einen Kontakt im Fuß- und Rückenbereich gegeben“, sagte der 37-Jährige zu der entscheidenden Szene.

Fast-Absteiger HSV begann eine Woche nach dem 3:2 gegen Stuttgart engagiert und versuchte, Offensivakzente zu setzen. Einen Kopfball von Neuzugang Michael Gregoritsch (6.) hielt FC-Keeper Timo Horn ohne Mühe. Zwei Minuten später zog Matthias Ostrzolek aus der Distanz ab, verfehlte aber das Kölner Gehäuse knapp. Einen Freistoß von Ivo Ilicevic packte sich Horn sicher (21.).

In dieser Phase haperte es beim FC im Spielaufbau, auch, weil die Hamburger viele Zweikämpfe gewannen. Gefahr ging vom FC kaum aus. Die rund 5000 HSV-Anhänger skandierten lauthals: „Niemals zweite Liga.“ Dann hatte der Schwede Albin Ekdal die HSV-Führung auf dem Kopf; doch Nationalspieler Jonas Hector klärte (37.).

Drei Minuten danach musste HSV-Torhüter René Adler wegen einer Schulterblessur durch Andreas Hirzel ersetzt werden. Der Schweizer kam damit ungeplant zu seiner Bundesligapremiere. Der ehemalige Fußball-Nationaltorhüter hat sich wahrscheinlich keine schwere Verletzung zugezogen. „Er hat bei einem Zusammenstoß mit zwei Spielern einen Schlag bekommen und konnte den rechten Arm nicht mehr heben“, sagte HSV-Trainer Bruno Labbadia nach der Begegnung. Das Weiterspielen habe keinen Sinn mehr für Adler gemacht.

Hamburg blieb aber gefährlich: In der Nachspielzeit der ersten Hälfte verfehlten Ilicevic und Gregoritsch das FC-Tor zweimal knapp.

Nach dem Wechsel waren kaum zwei Minuten gespielt, als Sven Schipplock nach einem Fehler von Kölns Kevin Vogt von rechts auf Holtby legte, der mit seinem Links-Flachschuss Horn keine Abwehrchance ließ. Diese Führung war verdient. Und der FC konnte noch immer keine Durchschlagskraft entwickeln - das HSV-Duo Spahic/Cleber unterband zunächst fast alle Versuche der Kölner.

Auf der Gegenseite musste sich Horn bei einem Ilicevic-Schuss (62.) mächtig lang machen, um das 0:2 zu verhindern. Gut 60 Sekunden später setzte FC-Angreifer Modeste das Spielgerät auf das Aluminium - es war bis dahin die beste Kölner Möglichkeit. Erst in der Schluss-Viertelstunde machte der FC auf, doch der eingewechselte Hosiner und Modeste (beide 74.) vergaben.

Dann war der eingewechselte österreichische Neuzugang Hosiner zum 1:1 zur Stelle, ehe Spahic angeblich regelwidrig Modeste im Strafraum bremste. Die TV-Bilder allerdings ließen die Entscheidung zweifelhaft wirken. Den umstrittenen Foulelfmeter verwandelte der FC-Stürmer selbst - gegen alle Proteste der Gäste. In Unterzahl konnten die Norddeutschen dem Spiel keine erneute Wende mehr geben.

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"Wir sind niedergeschlagen. Wir wollten auch nach dem 1:1 unbedingt gewinnen, vielleicht wollten wir da zuviel", sagt Michael Gregoritsch. Sven Schipplock fügt an: "Es ist so ärgerlich! Die zweite Halbzeit war so gut, die Entscheidung der Roten Karte spielentscheidend."

Bruno Labbadia war stinksauer auf Schiedsrichter Aytekin: "Wir sind um einen Punkt betrogen worden. Der Elfmeter war eine krasse Fehlentscheidung. Aytekin ist grundsätzlich ein guter Schiedsrichter. Jetzt können wir es nicht mehr ändern, in 14 Tagen redet keiner mehr drüber." Auch Kölns Trainer Peter Steger gibt Labbadia recht: "Ich habe keine Fernsehbilder gesehen, aber ich hätte den Elfmeter nicht gegeben."

Die Statistik

Köln: 1 Horn - 16 Olkowski (ab 66. Hosiner), 4 Sörensen, 3 Heintz, 14 Hector - 33 Lehmann (ab 58. Jojic), 6 Vogt - 7 Risse, 21 Bittencourt - 27 Modeste, 11 Zoller (ab 81. Gerhardt). - Trainer: Stöger

Hamburg: 15 Adler (ab 39. Hirzel) - 2 Diekmeier, 3 Cleber, 4 Spahic, 22 Ostrzolek - 20 Ekdal, 28 Gideon Jung (ab 46. Kacar) - 23 Gregoritsch, 8 Holtby (ab 83. Lasogga), 7 Ilicevic - 9 Schipplock. - Trainer: Labbadia

Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)

Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)

Tore: 0:1 Holtby (47.), 1:1 Hosiner (76.), 2:1 Modeste (81./FE)

Rote Karte: Spahic (80./Notbremse)