Ex-HSV-Stürmer

Ivica Olic: „Der HSV war meine schönste Zeit“

Der ehemalige Hamburger Stürmer Ivica Olic trifft am Freitag mit dem VfL Wolfsburg auf seine alte Liebe

Wolfsburg. Schöne Tore und Siege können nichts daran ändern. Der Morgen danach fällt ihm mittlerweile schwer. „Mein Körper braucht nach einem Bundesligaspiel mindestens einen Tag mehr Pause als früher. Nach 90 Minuten bin ich leer und benötige mehr Zeit zum Regenerieren“, sagt Ivica Olic. Trotzdem gibt er im Alter von 34 Jahren immer noch einen sehenswerten Mittelstürmer, der den VfL Wolfsburg wieder zu einer besseren Adresse in der Bundesliga macht. Sechs Tore in 13 Partien, Liebling der Fans: Olic erlebt einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere und empfindet Genugtuung. Am Anfang der Saison, als es noch nicht lief, wurde er als Tor-Opa tituliert. Nur kurze Zeit später war sein Ruf als Torjäger schon wieder hergestellt.

Sein Lächeln ist immer noch entwaffnend. Wenn Olic über seine erstaunliche Karriere plaudert, purzeln die Worte nur so aus ihm heraus. Nach seiner erfolgreichen Zeit beim HSV (Winter 2007 bis Sommer 2009) prophezeiten ihm Kritiker ein Scheitern beim FC Bayern München. Nach seinem Höhenflug mit dem Rekordmeister und dem folgenden Wechsel zum Werksclub hieß es, was er denn bitte schön in Wolfsburg bewegen wolle. „Ich wusste, dass sich die Leute fragen: Kann er es überhaupt noch? Deshalb war es mir auch so wichtig, mit Kroatien die Weltmeisterschaft in Brasilien zu erreichen“, sagt Olic stolz. Den erfolgreichen Play-off-Spielen gegen Island waren Anfang November ausgelassene Feierlichkeiten mit der Nationalelf gefolgt, Kroatien nimmt zum dritten Mal an einer WM teil. Eigentlich wollte Olic seine Laufbahn in der Nationalelf im kommenden Jahr beenden. Seine Söhne Luka, 12, und Toni, 9, zugleich seine größten Fans, haben ihn aber sofort daran erinnert, dass er weit weg von der 40 entfernt und immer noch Stammspieler sei. Der Familienrat erlaubt es also nicht, wie angedacht kürzer zu treten.

Und so bahnt sich Olic als unermüdlicher Stoßstürmer wie eh und je seinen Weg. Er rennt, kämpft und grätscht, als sei das Pressing in des Gegners Hälfte allein seine Aufgabe. Nach einem Tor rennt er freudestrahlend durchs Stadion wie ein kleiner Junge. Im Schnitt läuft er rund zehn Kilometern pro Spiel – so viel wie Dortmunds Star Robert Lewandowski. Diese Leistung ist von der eines Vorruheständlers meilenweit entfernt. Das Geheimnis seines Erfolges dürfte sein, dass sich Olic nie zu schade war, sich zu quälen. „Auch jetzt mit 34: Ich möchte immer noch besser werden und lernen. Wenn beim VfL Wolfsburg ein Laktattest ansteht, gehöre ich zu den drei besten Spielern. Und ich habe mich im Laufe meiner Karriere nach Verletzungen immer zurückgekämpft und nie aufgegeben“, sagt der derzeit treffsicherste Angreifer der Niedersachsen vor dem Spiel gegen den HSV (20.30 Uhr, Sky, Live-Ticker auf www.abendblatt.de).

Kämpfer Olic muss um einen neuen Vertrag in Wolfsburg bangen

Die Lobeshymnen daheim und in den Fankurven sind das Eine. Ob seine Laufbahn in der Bundesliga eine weitere Fortsetzung findet, bleibt eine andere und knifflige Frage. Dieter Hecking steht als Trainer des VfL Wolfsburg auf Typen, die ehrliche Arbeit abliefern und sich in den Dienst des Kollektivs stellen. Aber er hat wie Geschäftsführer Klaus Allofs deutlich gemacht, dass man die Leistungen von Olic und Spielmacher Diego genau beobachten werde, ehe es weitere Vertragsverhandlungen gebe. Während der Brasilianer mit Taktieren darauf reagiert und öffentlich über Alternativen zu Wolfsburg nachdenkt, bleibt der Kroate gelassen. Emirate, China, USA oder doch weiter Bundesliga – für Olic ist jede dieser Varianten denkbar. Er habe kein Problem damit, noch eine weitere Sprache zu lernen. Wenn die Entscheidung rechtzeitig falle und sich eine schulische Lösung für die beiden Söhne und Tochter Lara (5) finde, sei im Prinzip alles möglich. Bis dahin rennt er weiter für den VfL Wolfsburg, als ob nach gelaufenen Kilometern bezahlt werde. Geradlinig, schnörkellos, ohne Pause wirft er sich den Abwehrspielern entgegen, die meistens technisch und taktisch besser geschult sind als er „Meinen Stil und meine Taktik werde ich nicht mehr ändern können. Aber ich bin froh, dass ich auch die jungen, gut ausgebildeten Spieler mit meiner Art noch überraschen und besiegen kann“, sagt Olic.

Fast alles, was der Berufsfußballer Olic angeht, ist von Pragmatismus geprägt. Wenn es aber darum geht, wie er seinem einst geliebten HSV wieder begegnet, wechselt er ins Melancholische. Im Trikot des FC Bayern hat er bereits Tore gegen seinen früheren Arbeitgeber geschossen. Im Dress des VfL Wolfsburg möchte er das wiederholen, obwohl er immer noch schwärmt: „Die drei Jahre in Hamburg waren meine bislang beste Zeit in Deutschland. Meine Frau und mein jüngster Sohn sind immer noch HSV-Fans.“ Was aber bedeutet das für Freitag? Wird er laut jubeln, wenn er gegen seine alte Liebe trifft? „Wenn ich am Freitag ein Tor schieße, werde ich keinen großen Jubel veranstalten. Aber ich möchte gerne treffen und vor allem gewinnen.“ Dem HSV-Team bescheinigt Olic unter der Regie des neuen Trainers Bert van Marwijk, dass es wieder als gemeinsam kämpfende Mannschaft zu erkennen sei. Die neue Stabilität seiner früheren Liebe ändert aber nichts an seinem großen Wunsch, mit dem VfL Wolfsburg weiter glänzen zu wollen.