HSV

Einstiger „Königstransfer“ Bruma will doch nur spielen

Mittwoch hatte der neue Berater des HSV-Verteidigers einen Termin bei Sportchef Arnesen. Der Niederländer will nur bei mehr Einsatzzeit bleiben.

Hamburg. Der Haarschnitt ist das Erste, was auffällt. Bis zum einrasierten Seitenscheitel hat Jeffrey Brumas Haupthaar rechts die Anmutung einer Afrofrisur, an der linken Kopfseite sind die Haare kurz gesäbelt. Aber über seine spezielle Frisur, die vor zwei Wochen der extra aus Amsterdam eingeflogene Starcoiffeur Hanni Hanna gezaubert hat, soll und will der HSV-Profi nicht großartig sprechen. Den Kopf des 21-Jährigen beschäftigen andere Dinge. "Ich fühle mich wohl in Hamburg, aber für meine Entwicklung ist es wichtig, mehr zu spielen", sagt der Niederländer, der bis zum Saisonende vom FC Chelsea ausgeliehen ist: "Es ist schön, wenn man mir sagt, dass ich bleiben soll. Wichtiger ist, dass man mir zeigt, dass ich bleiben soll."

Und während der 1,90 Meter große Abwehrmann so über seine Zeit beim HSV redet, trifft sich zeitgleich ein Stockwerk höher in der Arena Brumas Berater Jan de Visser mit Sportchef Frank Arnesen zum Perspektivgespräch. "Ich habe Jan gesagt, dass wir Jeffrey gerne behalten wollen, aber dass wir keine finanziellen Mittel haben, ihn zu kaufen," sagt Arnesen. Ein Gedankenmodell könnte sein, dass Bruma seinen 2014 auslaufenden Vertrag bei Chelsea um ein Jahr verlängert und dann erneut für ein Jahr ausgeliehen wird. Bruma, der sich wöchentlich mit Chelseas Assistenzcoach Eddie Newton über seine Entwicklung austauscht, könnte sich dieses Modell vorstellen: "Meine Präferenz ist es, beim HSV zu bleiben, wenn ich denn auflaufe, oder in die Niederlande zu wechseln. Spielpraxis ist für mich das Wichtigste."

Rückblick: Als Arnesen im Sommer 2011 den damals gerade mal 19 Jahre alten Bruma auf Leihbasis verpflichtete, waren die Vorschusslorbeeren groß, die der Jungnationalspieler vom FC Chelsea mit nach Hamburg brachte. Als "Königstransfer" wurde der Einkauf gefeiert, Hollands Abwehrlegende Jaap Stam gratulierte dem HSV via Abendblatt: "Jeffrey hat tatsächlich alle Voraussetzungen, um ein Weltstar zu werden." Doch die Begeisterung über den Weltstar in spe verflog schnell. Sowohl Ex-Trainer Michael Oenning als auch Nachfolger Thorsten Fink bekamen rasch ein Gespür dafür, dass der Youngster zwar herausragende Anlagen mitbrachte, allerdings zu selten mit dem notwendigen Ernst bei der Sache war. "Bei Jeffrey merkt man schnell, ob er in einer Trainingswoche gut drauf ist oder eben nicht", sagte Fink vor ein paar Wochen. Und zuletzt war Bruma nicht gut drauf: "Jeffrey hat zuletzt eher durchschnittlich trainiert. Diese Woche erwarte ich etwas anderes." Bruma weiß, dass er aktuell keinen einfachen Stand hat, insbesondere nach seinem Platzverweis in Dortmund, der ihm seinen vorläufigen Stammplatz kostete. "Nach dem Ende meiner Sperre war ich wieder bereit zu spielen, aber der Trainer hat anders entschieden. Natürlich war ich da sauer, aber als Fußballer muss man doch auch so viel spielen wollen wie möglich", sagt der passionierte Viel-Twitterer, der das soziale Netzwerk wie kein Zweiter beim HSV nutzt. Doch der zum Einwechselspieler degradierte Bruma will kämpfen: "Ich darf meinen Kopf nicht verlieren. Ich muss positiv bleiben."

Diesen Rat hat ihm auch Kumpel Rafael van der Vaart gegeben. "Jeff ist wohl enttäuscht, weil er mehr spielen möchte. Aber er ist ein großes Talent. Wenn er mal mehrere Spiele am Stück macht, kann er ein großer Verteidiger werden." Aber auch van der Vaart weiß, dass Bruma lernen muss: "Noch macht er pro Spiel ein oder zwei Fehler."

Es ist ein Vorwurf, den Bruma nicht zum ersten Mal hört. Ohne Zweifel ist der gebürtige Rotterdamer der HSV-Abwehrspieler mit dem größten Potenzial. "Ein guter Innenverteidiger muss körperlich robust, möglich groß und auch schnell sein, eine gute Balleröffnung und Technik haben. Bruma hat das alles", sagte Stam, der aber schon damals einschränkte: "Manchmal habe ich das Gefühl, dass er noch Schwierigkeiten hat, sich 90 Minuten lang zu konzentrieren." Bruma selbst will sich nun in die Pflicht nehmen, hofft dabei aber gleichzeitig auf die Unterstützung von Trainer Fink: "Ich brauche einen Trainer, der Vertrauen in meine Qualitäten hat. Das hat bislang noch nicht so beim HSV geklappt, wie ich es mir erhofft hatte. So ehrlich muss ich schon sein."

Sollte sich seine persönliche Situation bis zum Saisonende nicht ändern, will Bruma einen Wechsel anstreben. Der PSV Eindhoven wäre eine Option, auch Vitesse Arnhem soll Interesse haben. "Die U21-EM im Sommer ist eine gute Möglichkeit, sich zu präsentieren", sagt der Abwehrallrounder, der eine Rückkehr in den Kader der Elftal bis zur WM in Brasilien nicht abgehakt hat: "Die WM 2014 bleibt ein Traum." Hoffnung macht dem seit einem Jahr nicht mehr nominierten Nationalspieler Bondscoach Louis van Gaal: "Er ist ein Nationaltrainer, der viel auf junge Leute setzt. Das ist eigentlich meine Chance, aber dafür muss ich auch im Verein spielen." Bruma bleibt bissig, aber keine Sorge: Er will doch nur spielen.