Hamburger SV

Investor Kühne und der HSV - der große Kraftakt

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Investor Kühne besitzt nun ein Drittel der Transferrechte an Guerrero, Aogo und Jansen - Torhüter Drobny besteht den Medizintest.

List. Der Schweiß lief Paolo Guerrero in Strömen über die Stirn. "Das sind ja Temperaturen wie in Peru", stöhnte der erschöpfte Südamerikaner nach der Vormittagseinheit in List auf Sylt. Doch Schwitzen gehört nun mal zur Vorbereitung dazu. Das weiß Guerrero, der während der Sommerpause seinem Klub einen ganz besonderen Dienst erwiesen hatte. Nach Abendblatt-Informationen gehört Guerrero neben Marcell Jansen und Dennis Aogo zu den drei HSV-Profis, die den viel diskutierten Anstoß³-Deal erst ermöglicht hatten. Etwas salopp formuliert: Dank des Spielertrios stellt der Hamburger Milliardär Klaus-Michael Kühne dem HSV 15 Millionen Euro zur Verfügung.

Immerhin ist der Wahl-Schweizer seit seiner Vertragsunterschrift am vergangenen Dienstag zum bilanziellen Ausgleich mit jeweils einem Drittel an dem HSV-Trio beteiligt. Entscheidend bei der Auswahl der Profis waren die virtuellen Transferwerte der Spieler. So ist jeder der drei Profis aktuell mindestens 7,5 Millionen Euro wert, wovon Kühne bei einem tatsächlichen Verkauf 33,3 Prozent zusteht, also mindestens 2,5 Millionen Euro. "Wichtig ist aber, dass die Entscheidungsgewalt zu 100 Prozent beim HSV bleibt", sagt Klubchef Bernd Hoffmann, der die betroffenen Spieler informiert hatte: "Die Spieler wissen Bescheid, es betrifft sie im Grunde aber nicht direkt."

Und während neben Guerrero auch Aogo dem Millionendeal aufgeschlossen gegenüberstehen, will sich Marcell Jansens Manager Gerd vom Bruch zunächst vom HSV aufklären lassen: "Wir wurden zwar nicht gefragt, aber wir wurden informiert. Ich würde mich freuen, wenn wir nach Marcells Rückkehr aus Südafrika genauer informiert werden würden. Wichtig ist mir, dass auf keinen Fall die Persönlichkeitsrechte Marcells beeinträchtig werden." Vom Bruch will darauf bestehen, dass bei Transferanfragen der Investor keine Rolle spielt. "Problematisch würde es werden, wenn in eventuelle Überlegungen über einen Verkauf Marcells ein Investor berücksichtigt werden muss. Hier sollte keiner südamerikanische Verhältnisse wünschen, wo man nicht so richtig durchschaut, welche Rechte in welchen Händen liegen."

Ganz anderer Meinung ist - Überraschung! - der Südamerikaner Guerrero, der sich durch den Millionen-Deal mit Kühne eine Aufbesserung des Kaders erhofft. "In Südamerika sind derartige Investorengeschäft längst an der Tagesordnung." Er sei im Sommerurlaub in Peru darüber informiert worden, dass ein Drittel der Transferrechte an ihm nun bei Klaus-Michael Kühne liegen. "Das ist kein Problem. Herr Kühne gehört doch nun zum HSV", sagt Guerrero, dessen Vertrag kurz vor dem Investorendeal um vier Jahre verlängert wurde. Auch Aogos Manager Gordon Stipic scheint dem Modell aufgeschlossen gegenüber zu sein: "Es ist ein einmaliges Projekt in Deutschland. Ich bin sehr gespannt, in welche Richtung es sich entwickeln wird", sagt der Berater, der bislang vom HSV allerdings noch nicht benachrichtigt wurde.

So gut wie perfekt ist auch ein Deal, der mit Anstoß³ nichts zu tun hat, aber mindestens für genauso viel Gesprächsstoff sorgen wird: Berlins ablösefreier Torhüter Jaroslav Drobny soll so schnell wie möglich einen Dreijahresvertrag unterschreiben. Einen umfassenden Medizincheck in Hamburg hat der Tscheche bereits bestanden. Jetzt fehlt nur noch das Einverständnis des Aufsichtsrats, das spätestens bis zum Montagvormittag vorliegen soll. "Da sehe ich keine großen Probleme", sagt Chefkontrolleur Horst Becker. Nach Sylt nachreisen soll der Torhüter aber nicht. Den Zweikampf mit Frank Rost im Tor soll Drobny erst in Hamburg beginnen. Es bleibt also spannend.