Die Zukunft des HSV

HSV-Aufsichtsrat stimmt dem Kühne-Modell zu

| Lesedauer: 2 Minuten
Marcus Scholz

Foto: Ingo Röhrbein

Der Aufsichtsrat des Hamburger SV hat dem Vorstand die Zustimmung zur Finalisierung der Vereinbarung mit einem möglichen Investor erteilt.

Hamburg. Die Einladung kam kurzfristig, zusammen mit der Beschlussvorlage. "Der Vorstand muss handlungsfähig bleiben", so die Begründung vom Aufsichtsratsvorsitzenden Horst Becker. Knapp 90 Minuten berieten sieben der elf Kontrolleure (Ian Karan, Jörg F. Debatin, Ronny Wulff und Peter Becker fehlten entschuldigt und wurden telefonisch zugeschaltet) im Stadionrestaurant "Die Raute" über das von Vorstandschef Bernd Hoffmann vorgestellte Investoren-Modell Anstoß³. Am Ende stimmte das Kontrollgremium zu. Die offizielle Erklärung: "Der Aufsichtsrat hat dem vom Vorstand vorgelegten Konzept mit Herrn Kühne zugestimmt, so dass der Vorstand mit Herrn Kühne in die finalen Verhandlungen gehen kann."

18 Tage vor der für den 13. Juli einberufenen außerordentlichen Mitgliederversammlung steht dem ersten Investoreneinstieg der HSV-Geschichte nichts mehr im Weg. Schon im Vorfeld hatten Kühne und Hoffmann ein gemeinsames Konzept erarbeitet, die Unterschrift gilt als letzte Formalität. Demnach ist der Speditionsmilliardär Klaus-Michael Kühne bereit, 15 Millionen Euro beim HSV zu investieren. Im Gegenzug erhält er prozentual Transferrechte an drei jüngeren Spielern im Kader, deren Wert zuvor taxiert wird. Zweite Säule des nunmehr verabschiedeten Modells ist eine Risikofinanzierung, die Kühne zu einem Drittel an einem direkten Transfer beteiligt. Hier droht dem Wahlschweizer bei einer ablösefreien Abgabe dieses Spielers auch der Totalverlust seiner Investition.

Im Gespräch ist neben den zuletzt gehandelten Serdar Tasci (VfB Stuttgart) und Madjid Bougherra (Glasgow Rangers) für die Innenverteidigung sowie Schalkes Rafinha für die rechte Seite aktuell besonders Hertha-Profi Gojko Kacar. Der serbische Nationalspieler gilt seit Jahren als Wunschspieler für die zentrale Defensive. Namen, die bei den meisten Fans Begeisterung hervorrufen dürften - aber auch Misstrauen. So fühlen sich die Supporters, mitgliederstärkste Abteilung des Klubs, übergangen. Abteilungsleiter Ralf Bednarek: "Das zeigt, welche Bedeutung dem Aufsichtsrat und Vorstand die Mitgliedschaft hat. Und wie weit sie sich von den Mitgliedern entfernt haben. Sie sollten nicht vergessen, dass sie Angestellte und nicht Vorgesetzte der Mitglieder sind."

+++Lesen Sie hier den Antrag der Supporters im Wortlaut+++

Wütende Worte, die erahnen lassen, zu welchem Politikum das Investorenmodell beim HSV werden kann. Die Supporters, die schon Hoffmanns Ausgliederungsversuch gestoppt hatten, befürchten eine schleichende Einflussnahme der potenten Geldgeber - nach Ansicht von Vorstand und Aufsichtsrat zu Unrecht.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: HSV