Bundesliga: Eklat um HSV-Stürmer

Guerrero verliert die Nerven und steht vor dem Rauswurf

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Foto: Bongarts/Getty Images / Getty

Nach dem 0:0 gegen Hannover 96 sorgte Paolo Guerrero für einen Skandal. Der Stürmer bewarf einen Zuschauer mit einer vollen Trinkflasche.

Hamburg. Dramatische Szenen nach dem enttäuschenden 0:0 zwischen dem Hamburger SV und Hannover 96 in der Fußball-Bundesliga: Ein Zuschauer auf der Haupttribüne beschimpfte Stürmer Paolo Guerrero, der im Spiel kurz vor Schluss eine große Torchance vergab.

+++HSV-Experte Dieter Matz über den Guerrero-Eklat+++


"Geh doch zurück nach Peru", soll der Zuschauer dem zuletzt lange verletzten Angreifer zugerufen haben. Ob das die einzigen Äußerungen waren, ist zumindest anzuzweifeln. Guerrero nahm daraufhin seine volle Trinkflasche und warf sie dem Mann direkt an den Kopf. Joris Mathijsen und Jonathan Pitroipa versuchten Guerrero anschließend zurückzuhalten, ansonsten wäre der völlig entnervte HSV-Spieler dem Zuschauer wohl noch hinterhergejagt.

„Bei allen Emotionen: Da muss man sich im Griff haben“, sagte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer in der Sendung Sky90. Wahrscheinlich werden auf Guerrero vereinsintern Sanktionen zukommen, und auch der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dürfte Ermittlungen aufnehmen.


HSV-Torhüter Frank Rost versuchte das Verhalten seines Mitspielers zu rechtfertigen und schoss dabei ebenfalls über das Ziel hinaus: "Es war ein Fehler, aber er hat es nicht grundlos getan. Er hat ihn sauber getroffen. Die New York Yankees würden ihn sicher sofort verpflichten", so die ironische, aber unangebrachte Reaktion des Führungsspielers.

Deutlicher drückte sich HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann aus: "Egal welche Worte dort gefallen sind: Das ist völlig unakzeptabel. Es wird entsprechende Konsequenzen geben“, sagte er im Interview des TV-Senders „Sky“. Detailliert wollte sich der Vereinsboss zur Reaktion des Fußball-Bundesligisten nicht äußern. Der Vorfall werde intern geklärt. Man müsse die Aktion des Peruaners im Gesamtzusammenhang beurteilen. Auch der Frage nach möglichen Folgen in der Trainerfrage wich Hoffmann aus: "Wir wollen mit dem Trainer etwas aufbauen und haben am Donnerstag ein wichtiges Spiel".


Zuvor hatte Hannover mit einem unüberwindlichen Abwehr-Bollwerk einen Punkt beim Hamburger SV ermauert und schöpft neuen Mut im Kampf gegen den Abstieg. Im 44. Nord-Derby stach Hannover die Hanseaten am Sonntag mit grundsolider Taktik aus. Der HSV konnte in der Fußball-Bundesliga erneut nicht überzeugen und musste beim 0:0 einen Rückschlag für seine Europapokal-Ambitionen hinnehmen.

Bei nun drei Punkten Rückstand auf Platz fünf und einem Trio aus Stuttgart, Frankfurt und Wolfsburg im Nacken setzte sich der Abwärtstrend der Hamburger auch vor dem Viertelfinal-Rückspiel in der Europa League bei Standard Lüttich am Donnerstag fort.

Hannover 96 zeigte sich nach einem Trainingslager vor 57 000 Zuschauern deutlich formverbessert und hat als Vorletzter bei 24 Punkten noch einen Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz. Auch in Unterzahl nach der Gelb-Roten Karte für Jiri Stajner (59.) ließ sich Hannover nicht aus dem Konzept bringen. Erstmals im Jahr 2010 blieb die schlechteste Bundesliga-Abwehr ohne Gegentreffer.

Der Schwede Marcus Berg durfte beim HSV für den angeschlagenen Mladen Petric ran und prüfte 96-Schlussmann Florian Fromlowitz in der 6. Minute mit einem Kopfball. Nach einer guten Viertelstunde bedenklichen Leerlaufs war Fromlowitz bei einem Berg-Schuss (23.) erneut wachsam. Kurz darauf hätte der Schlussmann bei einem Lattenkracher von Dennis Aogo (26.) keine Chance gehabt. Die kurze HSV-Drangphase überstand Hannover unbeschadet.

Die Niedersachsen wirkten nach ihrem Fünf-Tage-Trip ins Karl-May- Städtchen Bad Segeberg deutlich selbstbewusster als beim desaströsen 1:4 gegen Köln in der Vorwoche. Einzige Chance des ersten Durchgangs war ein Konter über Jiri Stajner und Manuel Schmiedbach (36.), der den Vorzug vor Jan Schlaudraff erhalten hatte. Jerome Boateng und Zé Roberto konnten Ungemach für das HSV-Tor mit vereinten Kräften verhindern.

Den Fans reichte nicht was die HSV-Profis gegen das robuste 96- Bollwerk im ersten Abschnitt boten. Pfiffe begleiteten die Hanseaten in die Kabine. Genauso unerfreut reagierte der Anhang auf die Auswechslung von Ruud van Nistelrooy zum Seitenwechsel. Als Ersatzmann Paolo Guerrero (49.) im Strafraum zu Boden ging und Hannovers Mario Eggimann der Ball an den Ellenbogen sprang, forderten die Hamburger Strafstoß – Schiedsrichter Peter Sippel (München) war anderer Meinung.

Auch als Stajner wegen wiederholten Foulspiels vom Platz musste, konnte der Hamburger SV seine Überzahl nicht nutzen. Immerhin bekamen die Hamburger eine gute Lehrstunde, wie sie am kommenden Donnerstag im Rückspiel der Europa-League bei Standard Lüttich agieren könnten. Dann würde ein 0:0 zum Halbfinaleinzug reichen – und die bitter enttäuschten HSV-Fans versöhnen.

Linksverteidiger Dennis Aogo war nach dem Abpfiff schwer enttäuscht: „Klar sind wir nicht zufrieden. Wir hätten uns heute aber etwas mehr Unterstützung gewünscht. Nach einer Viertelstunde gab es schon die ersten Pfiffe. Hannover hat sich mit zehn Mann hinten reingestellt, da ist es sehr schwer. Und wir hatten auch ein schweres Spiel gegen Lüttich in den Knochen“, sagte der 22-Jährige.

( (dpa/sid/abendblatt.de) )

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