Bayern München

Manuel Neuer ist zurück im Kader – reicht es für die WM?

Manuel Neuer (l.) verpasste Sven Ulreich zur Feier der Meisterschaft eine Bierdusche

Manuel Neuer (l.) verpasste Sven Ulreich zur Feier der Meisterschaft eine Bierdusche

Foto: Peter Schatz / imago/ActionPictures

Der lange verletzte Kapitän der Nationalmannschaft sitzt beim Pokalfinale erstmals wieder auf der Bayern-Bank.

Berlin.  Manuel Neuer winkte lässig in die Kamera. Die Freude über seine Rückkehr in den Kollegenkreis war dem Kapitän von Bayern München anzusehen, als er am Freitagmorgen im Trainingsanzug zum Teambus schlenderte. Acht Monate nach seinem Fußbruch steht Neuer am Sonnabend (20 Uhr/ARD und Sky) beim DFB-Pokal-Finale gegen Eintracht Frankfurt erstmals wieder im Kader des Rekordmeisters. Damit steigen seine Hoffnungen auf die WM – auch wenn in Berlin Sven Ulreich im Bayern-Tor steht.

"Die Nation kann ganz beruhigt sein", sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes: "Ich denke, dass er zur WM nicht nur fit, sondern ein großer Rückhalt für die Mannschaft wird." Neuer sei sogar auf dem Weg zu alter Stärke: "Er hat eine Präsenz im Tor, eine Autorität, das ist fast mit niemandem zu vergleichen. Ich denke, dass er sich relativ gut in den Wettkampfmodus einfügen kann, dafür spricht seine Klasse und sein Talent."

Bundestrainer Joachim Löw hatte es bei der Nominierung seines vorläufigen WM-Kaders zur Bedingung erhoben, dass Kapitän Neuer noch vor Turnierbeginn Spielpraxis sammelt, wenn er in Russland (14. Juni bis 15. Juli) dabei sein wolle. „Wer auf der Bank sitzt, ist fit und belastbar“, sagte DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke über Neuer den „Nürnberger Nachrichten“. Und wer fit und belastbar ist, kann spielen und damit an der WM teilnehmen. Vor der WM 2014, als er an der Schulter verletzt war, habe Neuer bewiesen, dass er „nicht so viel Spielpraxis braucht, um wieder reinzufinden“, meinte Köpke.

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Neuer (32) könnte im WM-Test am 2. Juni in Klagenfurt gegen Österreich im Tor stehen, zwei Tage später muss Löw sein endgültiges WM-Aufgebot melden. Wenn Neuer mit nach Russland reist, müssten der Leverkusener Bernd Leno oder Kevin Trapp von Paris Saint-Germain zu Hause bleiben. Am 8. Juni steht noch ein Länderspiel in Leverkusen gegen Saudi-Arabien an – aber dann muss das Aufgebot schon stehen.

Am Dienstag trainierte Neuer, der in dieser Saison nur dreimal spielte, erstmals seit seiner Verletzung aus dem September 2017 wieder komplett mit der Bayern-Mannschaft. Auch die Eindrücke in den Einheiten am Mittwoch und Donnerstag waren positiv.

Zuletzt glänzte Jubel-Experte Neuer sogar schon wieder in einer seiner liebsten Nebenrollen. Mit einer überraschenden Weißbierdusche aus dem Hinterhalt bremste er bei den Meisterfeierlichkeiten vor einer Woche ein TV-Interview seines Dauervertreters Ulreich. „Laber nicht so viel“, scherzte Neuer vor laufender Kamera – und freute sich über den pitschnassen Kollegen.

Notfalls ist Neuer Ersatzmann

Notfalls könne der Teamleader auch als Ersatzmann mitfahren, sagte Köpke. „Manuel ist als Kapitän und als wichtiger, erfahrener Spieler einer, der der Mannschaft auch auf der Bank helfen würde.“ Auch Stellvertreter Marc-André ter Stegen sei ein „Supertorwart, der eine fantastische Saison gespielt“ habe.

Das gilt auch für Ulreich, dessen Finaleinsatz für Heynckes nie infrage stand. "Alles andere lasse ich auf mich zukommen", sagte er über eine mögliche Einwechslung Neuers. Der 29-Jährige bestritt auf dem Weg nach Berlin alle fünf Spiele. In der 2. Runde in Leipzig (5:4 i. E.) wurde er für Heynckes zum „Pokalhelden“, als er den letzten Elfmeter von Timo Werner parierte. „Das war der Knackpunkt“, sagte Heynckes über den Saison-Wendepunkt, „da hat die Mannschaft den Glauben zurückbekommen“.

Ohne Ulreich, den er bei seiner Amtsübernahme im Oktober „völlig verunsichert“ vorgefunden habe, „stünden wir bestimmt nicht im Pokalendspiel“, ergänzte Heynckes, und auch die Meisterschaft wäre dann nicht so souverän gewonnen worden. Ulreichs schweren Fehler beim Halbfinal-Aus in der Champions League bei Real Madrid ließ er unerwähnt.

Elf Bayern hoffen auf WM-Teilnahme

Gegen Frankfurt werde es ohnehin mehr auf seine Vorderleute ankommen, sagte Ulreich, der sein erstes Cupfinale 2013 noch mit Stuttgart gegen die Triple-Bayern verloren hatte (2:3). Die Eintracht sei „eine sehr eklige Mannschaft, sehr zweikampfstark, steht defensiv sehr gut, da brauchen wir schnelle Passpassagen und müssen unser Spiel durchbringen, Chancen rausspielen und auch nutzen“, sagte er.

Das Double wäre „die Krönung“ der vergangenen Monate, sagte Ulreich: „Bisher ist es eine gute Saison, wenn wir den Pokal holen, wäre es eine super Saison. Dann wären wir alle stolz und könnten schön in den Urlaub fahren.“

Neuer und zehn andere Bayern „müssten“ dann aber zur WM.