Fußball-Ticker

Englands Skandaltrainer Allardyce übernimmt in Everton

Lesedauer: 15 Minuten

Aktuelle Meldungen, heiße Gerüchte, scharfe Zitate, Verletzungen und Transfergeflüster. Der Fußball-Ticker hält Sie auf dem Laufenden.

Allardyce übernimmt Everton

Englands ehemaliger Kurzzeit-Nationaltrainer Sam Allardyce soll neuer Coach beim abstiegsgefährdeten Premier-League-Club FC Everton werden. Das gab der Verein am Mittwoch bekannt. Der 63-Jährige sollte am Nachmittag am Trainingsgelände in Liverpool eintreffen, um die Verhandlungen zum Abschluss zu bringen. Laut britischen Medien wird er einen Vertrag über 18 Monate unterschreiben und Craig Shakespeare als Assistenten mitbringen. Mit dem ehemaligen Coach von Leicester City arbeitete Allardyce schon bei der englischen Nationalmannschaft zusammen.

Allardyce folgt beim FC Everton auf den Niederländer Ronald Koeman, von dem sich der Club am 23. Oktober nach nur zwei Siegen aus neun Premier-League-Spielen und nur einem Punkt aus drei Europa-League-Partien getrennt hatte. In der Zwischenzeit hatte Interimstrainer David Unsworth das Team mit geringem Erfolg betreut.

Allardyce war im Juli 2016 als englischer Nationaltrainer verpflichtet worden. Doch nach nur einem Spiel und 67 Tagen im Amt musste er wieder gehen, weil er verdeckt recherchierenden Reportern Tipps zur Umgehung von Transferregeln gegeben hatte. Zuvor hatte er unter anderem die Bolton Wanderers, West Ham United und den FC Sunderland trainiert. In der vergangenen Saison sicherte er mit Crystal Palace die Klasse und trat anschließend trotz eines laufenden Zweijahresvertrags nach nur einem halben Jahr zurück. Allardyce stieg noch nie mit einem Club aus der Premier League ab.

Modric unter Verdacht

Luka Modric (32) von Real Madrid bekommt als nächster Fußballstar Probleme mit dem spanischen Fiskus. Dem Kroaten wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, bei den Einnahmen aus der Vermarktung seiner Bildrechte Steuern hinterzogen zu haben. Konkret geht es um 870.728 Euro (1,03 Millionen Dollar) in den Jahren 2013 und 2014, die Modric und seine Frau Vadja über eine Briefkastenfirma in Luxemburg an der Staatskasse vorbeigeschleust haben sollen, wie ein Gericht am Mittwoch mitteilte.

Die spanischen Behörden interessieren sich zudem für Firmen von Modric in der Steueroase Isle of Man. Der Mittelfeldspieler wechselte 2012 von Tottenham Hotspur nach Madrid. Erst am Dienstag bekannte sich sein Teamkollege Marcelo schuldig, Steuern hinterzogen zu haben, und muss nun fast eine halbe Million Euro nachzahlen.

Als bislang prominentester Profi ist in Spanien der argentinische Superstar Lionel Messi vom FC Barcelona wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden. Cristiano Ronaldo von Champions-League-Sieger Real Madrid wird derzeit ebenfalls Steuerhinterziehung durch ein ähnliches Modell wie bei Kolumbiens Radamel Falcao, der von 2011 bis 2013 bei Atlético Madrid spielte, in Höhe von fast 156 Millionen Euro zur Last gelegt.

James trainiert wieder

Bayern Münchens Offensivstar James Rodríguez hat vier Tage nach einer Gehirnerschütterung im Bundesligaduell bei Borussia Mönchengladbach (1:2) das Training wieder aufgenommen. Nach Angaben des Rekordmeisters habe der kolumbianische Mittelfeldspieler die Einheit am Mittwoch komplett absolviert. Damit steigt die Chance, dass James schon am Sonnabend gegen Hannover 96 (15.30 Uhr/Sky) wieder zur Verfügung steht.

James (26) war am vergangenen Sonnabend mit Gladbachs Tony Jantschke bei einem Kopfballduell zusammengestoßen und stand in den letzten Tagen unter ärztlicher Beobachtung. Bayerns Torjäger Robert Lewandowski (29) absolvierte bereits den zweiten Tag in Folge ein individuelles Training im Leistungszentrum, wie die Münchner mitteilten.

Ajatollah spricht Machtwort

Ein einflussreicher iranischer Geistlicher hat eine Aufhebung des Stadionverbots für Frauen ausgeschlossen und ein Ende der Diskussion darüber gefordert. „Dieses Thema wird immer wieder von der Regierung angesprochen, aber der Klerus und die Führung im Land sind dagegen“, sagte Ajatollah Makarem Schirasi am Mittwoch laut Nachrichtenagentur ISNA. Das Land habe laut Schirasi weitaus wichtigere Probleme, als Frauen in Stadien zu lassen oder nicht. „Die Regierung sollte sich lieber um die Inflation und Arbeitslosigkeit kümmern als um dieses Stadionverbot“, forderte der Ajatollah in Richtung von Präsident Hassan Ruhani.

Im Iran hatte der Klerus nach der islamischen Revolution von 1979 Frauen den Zugang zu Fußballstadien verboten. Frauen hätten in Stadien mit frenetischen männlichen Fans und deren vulgären Anfeuerungen nichts zu suchen. Islamistische Gruppen warnten sogar, Frauen notfalls mit Gewalt den Besuch von Stadien zu verwehren.

Nicht nur die Mehrheit der Frauen im Iran ist gegen das Verbot, sondern auch zahlreiche prominente Sportler im Land. Die moderate Regierung von Präsident Ruhani versucht seit Jahren, für das Problem einen geeigneten Weg zu finden – etwa eine Tribüne nur für Familien. Aber auch Ruhani konnte sich bisher gegen den einflussreichen Klerus nicht durchsetzen.

Badstuber hofft auf WM-Teilnahme

Der ehemalige Nationalspieler Holger Badstuber hat die Hoffnung auf die Weltmeisterschaft 2018 in Russland noch nicht aufgegeben. Dafür würde der 28-Jährige wie schon bei der WM 2010 in Südafrika auch auf der ungewohnten Position des Linksverteidigers auflaufen. „Wenn Joachim Löw mich anruft und sagt, dass er mich braucht, dann wäre es fatal, wenn ich bei der Position Ansprüche stelle“, sagte der Innenverteidiger des VfB Stuttgart der Zeitschrift „Sport-Bild“. „Ich würde nicht zucken, sondern für alles bereit sein, wofür ich gebraucht werde.“ Die Nationalmannschaft bleibe sein Traum, dieses Ziel werde er nie aus den Augen verlieren.

Badstuber war in der Vergangenheit von zahlreichen schweren Verletzungen zurückgeworfen und letztmals Anfang 2015 für die DFB-Auswahl nominiert worden.

Mourinhos Empfehlung an Lukaku

Teammanager Jose Mourinho hat eine überraschende, nicht ganz ernst gemeinte Erklärung für die Torflaute seines Stürmers Romelu Lukaku gefunden. "Er braucht einen Ausrüster, der ihm richtige Schuhe gibt und ihn angemessen bezahlt, damit er wieder Tore schießen kann", sagte der Coach des englischen Rekordmeisters Manchester United nach dem 4:2 (3:0) der Red Devils am Dienstagabend beim FC Watford.

Der belgische Nationalspieler Lukaku bereitete dabei einen Treffer vor, vergab aber drei gute Chancen. In den jüngsten elf Spielen hat der Neuzugang, der im Sommer für rund 85 Millionen Euro vom FC Everton gekommen war, nur ein einziges Mal selbst getroffen. Weil er keinen Schuhvertrag habe, spiele der 24-Jährige "in diesen schwarzen Schuhen", sagte Mourinho – und in diesen treffe er eben nicht.

Aber, ergänzte Mourinho, "Spaß beiseite: er arbeitet wunderbar für die Mannschaft. Ich würde einen Spieler wie ihn nie dafür beschuldigen, dass er eine gute Gelegenheit auslässt. Nie. Ich könnte mit ihm nicht glücklicher sein". In bislang 20 Pflichtspielen für ManUnited hat Lukaku immerhin zwölf Treffer erzielt und vier vorbereitet.

Pardew übernimmt West Brom

Alan Pardew wird neuer Teammanager des englischen Erstligisten West Bromwich Albion. Der ehemalige Coach von Newcastle United und West Ham United wird Nachfolger von Tony Pulis, der am 20. November entlassen worden war. Der 56 Jahre alte Pardew erhält einen Vertrag für zweieinhalb Jahre.

Pardew ist bereits der sechste Trainer bei West Brom seit 2011. Mit nur zwölf Punkten aus 14 Spielen ist der Klub, der seit 2010 in der Premier League spielt, in akute Abstiegsgefahr geraten. Bei seiner ersten Aufgabe erwartet Pardew am Sonnabend seinen Exclub Crystal Palace.

ZDF bringt Gräfe in die Bredouille

Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe hat den Deutschen Fußball-Bund nach einem Bericht der „Sport-Bild“ nicht über einen Film über ihn und den Alltag eines Unparteiischen informiert. Das ZDF soll den Film für die Sendereihe „Nahaufnahme“ bereits seit einem Jahr vorbereiten. Geplanter Sendetermin war der 17. Dezember in der "Sportreportage". „Wir prüfen den Sachverhalt, der uns erst seit wenigen Tagen bekannt ist, derzeit noch“, hieß es in einer Stellungnahme des DFB.

Gräfe hatte im August in einem nicht vom DFB autorisierten Zeitungsinterview den Schiedsrichter-Funktionären Herbert Fandel und Hellmut Krug Mobbing, Vetternwirtschaft und Manipulation von Benotungen vorgeworfen. Der DFB hatte Gräfe verwarnt, er dürfe sich über Interna und Kollegen nicht mehr unabgestimmt in der Öffentlichkeit äußern. Andernfalls werde er nicht mehr eingesetzt.

Bekannt wurde Gräfes nicht mit dem DFB abgestimmte Zusammenarbeit mit dem ZDF, weil der Sender am vergangenen Sonnabend beim Spiel Mönchengladbach gegen Bayern drehen wollte. Ein Kamerateam sollte auch in der Schiedsrichterkabine dabei sein. Gräfe sollte verkabelt werden, seine Ansagen an die Spieler und der Funkkontakt zwischen Gräfe, seinen Linienrichtern sowie dem Videoassistenten im Kontrollzentrum der Deutschen Fußball-Liga in Köln sollten mitgeschnitten werden. Dies hatte der DFB verboten.

Deutschland und Brasilien WM-Topfavoriten

Unmittelbar vor der Gruppenauslosung zur WM-Endrunde am Freitag (16 Uhr MEZ/ZDF) im Moskauer Kreml zählt der wettanbieter Bwin Deutschland zu den großen Titelfavoriten. Den fünften Stern des Titelverteidiggers belohnt der Sportwettenanbieter mit dem Sechsfachen des Einsatzes. Härtester Konkurrent ist Rekordweltmeister Brasilien, der ebenfalls eine Quote von 6,00 aufweist.

Ebenfalls zum engen Kreis der Titelanwärter gehört der EM-Zweite Frankreich (Quote 7,00), vor den früheren WM-Titelträgern Spanien (Quote 9,00) und Argentinien (Quote 9,50). Europameister Portugal traut Bwin mit einer Quote von 21,00 dagegen keinen weiteren Titel-Coup zu.

Stöger degradiert Kölns Fitnesstrainer

Beim 1. FC Köln hat die brisante Situation im Abstiegskampf der Bundesliga für Spannungen im Trainerstab gesorgt. Nach Medieninformationen hat Cheftrainer Peter Stöger dem Fitnesscoach Yann-Benjamin Kugel das Vertrauen entzogen. „Es ist eine zwischenmenschliche Geschichte. Ich habe ihm fachlich überhaupt keine Vorwürfe gemacht. In so einer Krise passieren solche Dinge“, sagte Stöger dem Kölner „Express“.

Demnach soll es unterschiedliche Meinungen über die Trainingsintensität geben. Kugel steht in der Kritik, die Spieler zu hart zu trainieren. „Manchmal schaut man zu lange zu – und irgendwann muss man handeln“, erklärte Stöger. Bereits am Dienstag fehlte Kugel auf dem Trainingsplatz. „Ich habe ihn heute nicht gebraucht. Er hat sich drinnen um die Verletzten gekümmert“, sagte Stöger der „Bild“-Zeitung. Der 37 Jahre alte Kugel arbeitete zuletzt auch als Fitnesstrainer bei der deutschen Nationalmannschaft.

Der 1. FC Köln rangiert nach 13 Bundesliga-Spieltagen mit zwei Punkten abgeschlagen auf dem 18. Tabellenplatz. Die Vereinsführung hatte dem Österreicher allerdings zu Wochenbeginn zumindest bis zum nächsten Match am Sonnabend (18.30 Uhr) gegen Schalke 04 das Vertrauen ausgesprochen.

Gerhard Schörder: Horst Heldt bleibt bei 96

Der frühere Bundeskanzler und jetzige Aufsichtsratsboss von Hannover 96, Gerhard Schröder, hat sich in die Debatte um Manager Horst Held eingemischt. "Verträge sind zu erfüllen. Wir planen weiter mit Horst Heldt", sagte der Alt-Kanzler der Sport Bild.

Auch Hannovers Präsident Martin Kind blieb in der Frage hart und demonstrierte Einigkeit mit dem Aufsichtsratschef. "Gerhard Schröder und ich sind ohne Wenn und Aber einer Meinung. Horst Heldt bleibt Manager von Hannover 96."

Heldt hatte am Wochenende wohl auch über einen Wechsel Gespräche mit dem 1. FC Köln geführt. Der 47-Jährige hatte seine Karriere in Köln begonnen und absolvierte dort 130 Bundesligaspiele. Er müsse mit Köln reden, hatte Heldt am Freitag gesagt. Alles andere könnte ein "Riesenfehler" sein, er könnte sonst Gefahr laufen, "dann nicht mehr glücklich zu sein". Der FC hofft weiterhin, Heldt als Nachfolger von Jörg Schmadtke verpflichten zu können.

Hitzlsperger: Coming-out hat nicht geschadet

Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat sein Coming-out vor knapp vier Jahren nie bereut. Zuvor habe er sich durchaus die Frage gestellt, "wie geht es danach weiter?", sagte der 35-Jährige dem Portal Sportbuzzer, doch "viele Ängste erwiesen sich als unbegründet. Mein Coming-out hat mir in der öffentlichen Wahrnehmung jedenfalls nicht geschadet."

Beim VfB Stuttgart ist Hitzlsperger mittlerweile im Präsidium tätig. "Das war vor vier Jahren nicht zu erwarten. Bedenkenträger gab es damals zuhauf. Entscheidend war jedoch mein Gefühl, und das hat mich nicht getäuscht", sagte er.

Hitzlsperger hatte erst nach dem Ende seiner Karriere öffentlich über seine Homosexualität gesprochen. Ob bald auch aktive Bundesliga-Profis diesen Schritt gehen, mag der deutsche Meister von 2007 nicht beurteilen. "So lange es keiner tut, ist es deren Meinung nach noch nicht so weit", sagte er: "Deswegen versuche ich hier auch mit dazu beizutragen, ein Klima zu schaffen, in dem es leichter fallen könnte. Ich will sagen, wie meine Erfahrungen waren. Auch ich habe Kritik einstecken müssen. Aber ich habe viel mehr Leute erreicht, die gesagt haben: Super!"

Kuranyi will WM-Verhandlungen mit Panama

Der frühere deutsche Nationalspieler Kevin Kuranyi fährt möglicherweise als Berater von Neuling Panama zur WM 2018. „Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, sie haben angeboten, mit mir zu reden“, sagte der 35-Jährige in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Ich kenne den Verband und auch den Staatspräsidenten und dessen Familie. Im Januar werde ich dort ein paar Gespräche führen. Dann werden wir

sehen, was für Möglichkeiten es gibt, nach Russland zu kommen. Ich kann mir alles vorstellen.“

Der gebürtige Brasilianer Kuranyi ist teilweise in Panama aufgewachsen und kennt einige aktuelle Nationalspieler noch aus seiner Zeit als Jugendfußballer. „Mein Herz schlägt für alle drei Teams, da ich in jedem Land gelebt habe“, sagte der Ex-Stürmer vor der Auslosung an diesem Freitag. „Der WM-Topfavorit für mich ist Deutschland. Das Trainerteam weiß, wie man mit den Spielern umgehen muss, damit sie mental top vorbereitet ins Turnier gehen - auch wenn sie schon Weltmeister sind.“

Sehr stark schätzt Kuranyi auch Rekord-Weltmeister Brasilien ein. Das 1:7 vom WM-Halbfinale 2014 gegen Deutschland sei „längst vorbei. Das ist eine neue Generation, die mit Neymar Großes erreichen kann.“ Auf die Frage, ob Bundestrainer Joachim Löw 2018 nach Russland als klassischen Mittelstürmer lieber den Wolfsburger Mario Gomez oder den Hoffenheimer Sandro Wagner mitnehmen soll, sagte Kuranyi: „Beide! Beide haben sehr gute Qualitäten. Nummer eins ist Timo Werner, ganz klar. Dahinter sehe ich schon die beiden. Vielleicht rutscht noch Kevin Volland rein, wenn er weiter so trifft.“

( HA/sid/dpa )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Fußball