Halbfinale

DFB-Pokal: Eintracht Frankfurt nach Krimi im Finale

Halbfinale im DFB-Pokal zwischen Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt: Gladbachs Jonas Hofmann (r) schießt den 1:1-Ausgleich an Frankfurts Bastian Oczipka (l) vorbei

Halbfinale im DFB-Pokal zwischen Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt: Gladbachs Jonas Hofmann (r) schießt den 1:1-Ausgleich an Frankfurts Bastian Oczipka (l) vorbei

Foto: Marius Becker / dpa

Verrücktes Elfmeterschießen: Frankfurt darf vom Titel träumen. Gladbach mit erschütternder Statistik seit dem Pokalsieg 1995.

Mönchengladbach. In einem völlig verrückten Elfmeterschießen hat sich Eintracht Frankfurt mit 7:6 (1:1 nach regulärer Spielzeit und Verlängerung) in Mönchengladbach durchgesetzt und darf zum DFB-Pokalfinale nach Berlin gegen Bayern München oder Borussia Dortmund, die am Mittwoch gegeneinander spielen.

Denn die Eintracht ist dank stählerner Nerven und Elfmeter-Held Lukas Hradecky weiter. Das Team von Trainer Niko Kovac gewann einen rassigen Halbfinal-Krimi bei Borussia Mönchengladbach im Elfmeterschießen und darf mehr denn je vom ersten Titel seit 1988 träumen. "Darüber müssen wir erst mal eine oder zwei Nächte schlafen. Unsere ganze Metropole wird auf den Beinen stehen und uns feiern", sagte Kovac im ARD-Interview: "Ich bin wirklich stolz."

Den entscheidenden Elfmeter verwandelte Branimir Hrgota, nachdem Eintracht-Keeper Hradecky gegen Andreas Christensen und Djibril Sow gehalten hatte. Zudem hatte der Frankfurter Guillermo Varela verschossen.

Frankfurt startete stark, fiel dann aber ab

Taleb Tawatha (15.) hatte die Eintracht in Führung gebracht, die am 27. Mai das siebte Pokalfinale der Vereinsgeschichte und ihr erstes seit 2006 bestreiten wird. Für Gladbach, das durch Jonas Hofmann (45.+2) zum zwischenzeitlichen Ausgleich gekommen war, setzte sich nach einer besonders in der ersten Halbzeit harmlosen Vorstellung ein kleiner Fluch fort: Seit dem DFB-Pokalsieg 1995 verlor die Borussia alle vier Halbfinals.

"Gladbach ist Favorit, aber wir schwenken nicht die weiße Fahne", hatte Eintracht-Trainer Niko Kovac vor der Begegnung gesagt. Entsprechend mutig traten die Hessen vor 54.014 Zuschauern im ausverkauften Borussia-Park zu Beginn auf. Frankfurt eröffnete den Pokalfight mit Leidenschaft.

Gladbach fand kaum in die Partie. Den Gastgebern, die in Kramer, Raffael, Hazard, Jantschke, Johnson und Drmic gleich sechs potenzielle Stammspieler ersetzten mussten, fehlten Struktur und Ideen. Mit Patzern im Spielaufbau lud die Borussia die Gäste zudem zu Kontern ein, von denen einer zur Führung führte. Nach einem Seitenwechsel von Timothy Chandler zog der in die Startelf gerückte Tawatha aus 16 Metern mit links ab, Torhüter Yann Sommer konnte den Ball nur an den Innenpfosten lenken.

Das 1:1 fiel wie aus dem Nichts

Mit der Führung im Rücken zog sich die Eintracht etwas zurück und lauerte auf weitere Fehler. Das Konzept ging auf: Die Fohlenelf trat in dieser Phase völlig verunsichert auf, von Bälleverteiler Mahmoud Dahoud war kaum etwas zu sehen, im Mittelfeld gewannen die aufmerksamen und spritzigen Hessen fast alle Zweikämpfe. Wie aus dem Nichts fiel kurz vor der Pause der Ausgleich durch Hofmann nach schöner Vorarbeit von Andre Hahn.

Der durchaus glückliche Treffer erweckte die Hecking-Elf nach dem Seitenwechsel zu neuem Leben. Die Borussia trat nun mit mehr Energie auf, wenn auch die zündenden Ideen weiterhin fehlten. Die zunehmend hektische und mit Verbissenheit geführte Begegnung entwickelte sich zu einem Kampf um jeden Zentimeter, im dem Frankfurts Schlussmann Hradecky immer mehr in den Blickpunkt geriet.

Wenig zu sehen war in dieser Phase von Fabian, der noch am Wochenende beim Frankfurter 3:1 gegen den FC Augsburg zwei Tore erzielt hatte. Bei den seltenen Kontern rannten sich die Gäste meist in der Gladbacher Defensive fest, die intensive erste Hälfte machte sich deutlich bemerkbar. Mit dem immer lauteren Publikum im Rücken war die Borussia der Führung näher, Stindl (74.) scheiterte aus der Distanz an Hradecky. In der Verlängerung drängten die Fohlen mit Vehemenz auf die Entscheidung, Nico Elvedi (108.) und der insgesamt unauffällige Lars Stindl (110.) vergaben jedoch.