HSV-Splitter

Spaltet sich die Fanszene? Supporters verurteilen Pyro-Show

DFB-Boss Grindel beruhigt derweil die HSV-Gemüter. Dritter Torwart Mickel ist bereit für Augsburg. Hunt fehlt beim Training.

HSV-Supporters verurteilen Pyro-Choreo

Nach dem Pyrotechnik-Eklat beim Heimspiel gegen Darmstadt (1:2) haben sich auch die HSV-Supporters zu Wort gemeldet und die Vorfälle auf der Nordtribüne verurteilt. „Die Pyroaktion im Anschluss an die Choreo hat den anderen HSV-Fans, der Mannschaft und dem gesamten Verein geschadet“, teilte die Dachorganisation der HSV-Anhänger mit. „Die Aktion zieht nicht nur aller Voraussicht eine weitere Strafe des DFB für unseren Verein nach sich, sondern führt auch dazu, dass unser eigentlich überragender Fansupport spürbar beeinträchtigt wird.“

Nach dem terroristischen Angriff in Paris beim Länderspiel zwischen Frankreich und Deutschland sowie weiteren Anschlägen auf die westliche Gesellschaft in jüngster Zeit haben die Supporters vor allem für den Einsatz von Böllern mitten in einer Menschenmenge kein Verständnis. „Dass ein lauter Knall von Böllern in der heutigen Zeit bei vielen Zuschauern, und natürlich auch bei den Spielern, einen großen Schrecken verursacht, dürfte jedem klar sein. Das ist einfach nur unverständlich.“

Die daraus resultierende dreiminütige Spielunterbrechung habe der Mannschaft nicht geholfen. „Diese Pyroaktion war in jeder Hinsicht kontraproduktiv für unseren HSV. In einer Tabellensituation, in der wir alle zusammenstehen sollten und müssen, spaltet sich die Fanszene. Aber genau das, dürfen wir nicht zulassen.“ Deshalb rufen die Supporters alle Fans auf, den HSV vor den wichtigen Abstiegs-Krachern gegen Mainz und Wolfsburg zu unterstützen. „Ohne Pyro, ohne Böller, aber mit unseren Stimmen.“

Zuvor hatte auch der HSV die Rauchbomben-Choreografie scharf kritisiert. „Mit dieser Aktion wurden Gesundheit und Sicherheit von vielen tausend Fans auf den Tribünen riskiert“, teilte der Verein in einer Stellungnahme mit.

Die Hanseaten wollen Polizei und Ermittlungsbehörden uneingeschränkt bei der Suche nach den Tätern unterstützen und wegen der drohenden harten Strafe des DFB Ersatzansprüche bei den Tätern geltend machen. Außerdem wurde gegen die beteiligte Ultra-Gruppierung „Poptown“, die intern für die Aktion verantwortlich gemacht wird, „bis auf Weiteres“ ein Verbot von Choreografien oder Spruchbändern verhängt.

Sperrung der Nordtribüne? DFB-Präsident macht HSV Hoffnung

Wird nach dem erneuten Pyrotechnik-Eklat die Nordtribüne im Volksparkstadion für den Abstiegsendspurt gesperrt? Obwohl die Hamburger nach mehreren Vergehen als Wiederholungstäter gelten, ist ein Teilausschluss der Fans nach Abendblatt-Informationen nahezu ausgeschlossen. DFB-Präsident Reinhard Grindel hat den Rothosen diesbezüglich ebenfalls Hoffnung gemacht.

„Der HSV hatte noch nie einen Teilausschluss oder eine Bewährungsstrafe. Insofern ist es vorstellbar, dass eine Strafe möglicherweise auf Bewährung ausgesetzt wird“, erklärte Grindel beim 13. Oddset-Talk. „Das wäre für mich ein Anlass für eine Diskussion in der Fanszene, was zur Fankultur gehört und was nicht. Mich würde freuen, wenn am Ende dabei herauskommt, dass nichts zur Fankultur gehören kann, was andere verletzt oder in Angst und Schrecken versetzt. Wir wollen ein Stadion, bei dem der Fußball im Mittelpunkt steht, wo eine tolle Choreo stattfindet sowie Familien gerne hingehen und sich alle wohlfühlen.“

Klare Worte bei Matz ab live zur Pyro-Unterbrechung beim HSV
Video: abendblatt.tv

Für die Supporters sei die Wirkung eines Teilausschlusses der Zuschauer ohnehin zweifelhaft. „Wir lehnen Kollektivstrafen, die alle Fans betreffen, ab. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sie kaum eine Wirkung haben und zum größten Teil Unschuldige treffen.“ Vielmehr spricht sich die Stimme der HSV-Fans für offene Gespräche aus. „Wir werden den bestehenden Dialog in unserem Verein unterstützen und hoffen, dass auch die Verbände den Dialog mit den Fanvertretern wiederaufnehmen, um miteinander konstruktive Lösungen zu erarbeiten.“

Mickel fliegt für den Augsburg-Kracher

Fußball wird übrigens auch noch beim HSV gespielt. Am Dienstag begann bei Hamburger Schietwetter mit Hagel die Vorbereitung auf das erste von insgesamt vier Abstiegsendspielen gegen Augsburg (Sonntag/15.30 Uhr). Dabei wird Trainer Markus Gisdol voraussichtlich auf seine Nummer drei im Tor, Tom Mickel, setzen müssen, da René Adler (Rippenbruch) weiterhin verletzt fehlt und dessen erster Vertreter Christian Mathenia (Knieprellung) voraussichtlich ebenfalls ausfällt. Mickel sei bereit für einen Einsatz, wolle „aber nicht die große Welle machen“.

Derweil konnte Dennis Diekmeier, der gegen Darmstadt mit Mathenia zusammengeprallt war und dabei eine Oberschenkelprellung erlitt, nur Teile des Mannschaftstrainings absolvieren. Aaron Hunt fehlte hingegen komplett wegen eines grippalen Infekts.