EM-Splitter

Wayne Rooney hat keine Angst vorm Elfmeterschießen

Pikante Schiedsrichter-Ansetzung für Wales gegen Nordirland. Slowakischer Trainer tadelt Klopp. Schweden sauer auf Brych.

Wayne Rooney hat keine Angst vor Elfmeterschießen

Kapitän Wayne Rooney sieht die aktuelle Auswahl Englands vor dem Start der K.o.-Runde bei der Fußball-EM nicht von der desaströsen Elfmeter-Bilanz der Three Lions belastet. „Das Gute an diesem Team ist, dass es nicht einen Spieler gibt, der in einem Elfmeterschießen war und für England verschossen hat“, sagte der 30-Jährige am Donnerstag in Chantilly. „Wir sind zuversichtlich. Wenn es zum Elfmeterschießen kommt, werden wir unser Bestes geben.“

England ist bei großen Turnieren bislang in sieben Elfmeterschießen sechsmal ausgeschieden.

Slowakischer Nationaltrainer kritisiert Jürgen Klopp

Der slowakische Fußball-Nationaltrainer Jan Kozak hat den Umgang mit seinem Kapitän Martin Skrtel beim FC Liverpool scharf kritisiert und dabei vor allem Reds-Teammanager Jürgen Klopp ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. "Es ist unfair, Martin wegen einer schwachen Leistung auf die Tribüne zu setzen. Klopp hätte mit ihm reden müssen - aber das wird er noch lernen, er ist ja noch jung", sagte Kozak im Teamlager der Slowaken in Vichy.

Innenverteidiger Skrtel (31) spielt seit 2008 für Liverpool und hat in dieser Zeit laut Kozak "hart gearbeitet und viel Aufopferung" gezeigt. Unter Klopp kommt er allerdings nur selten zum Einsatz, trotz laufenden Vertrags bis zum 30. Juni 2018 schaut sich Skrtels Berater Mithat Halis nach Alternativen um.

Boys in Green bekommen frei

Irlands Nationaltrainer Martin O'Neill hat seiner Mannschaft nach dem Achtelfinal-Einzug einen freien Tag gestattet. Das ursprünglich für 16 Uhr am Donnerstag angesetzte Training wurde gestrichen, teilte der irische Verband mit. Stattdessen kündigte er für 15 Uhr eine Pressekonferenz mit O'Neill im EM-Quartier in Versailles an. Durch einen 1:0-Sieg über Italien im letzten Gruppenspiel hatte Irland tags zuvor zum ersten Mal die K.o.-Runde einer EM erreicht. Dort treffen die Boys in Green am Sonntag (15 Uhr) in Lyon auf Gastgeber Frankreich.

Engländer leitet Wales gegen Nordirland

Ein Engländer leitet die kleine "Battle of Britain" - und hat deutsche Unterstützung: Die Uefa hat für das Achtelfinale zwischen Wales und Nordirland am Sonnabend (18 Uhr) in Paris Schiedsrichter Martin Atkinson nominiert, der als Brite dann immerhin keine Verständigungsprobleme haben wird. Felix Brych wurde für die Partie als vierter Offizieller eingeteilt.

Atkinson war zuvor beim deutschen Auftaktspiel gegen die Ukraine (2:0) und beim 3:3 zwischen Portugal und Ungarn am Mittwoch zum Einsatz gekommen.

Das Achtelfinale zwischen der Schweiz und Polen in St. Etienne (15 Uhr) leitet der Engländer Mark Clattenburg, die Partie zwischen Kroatien und Polen in Lens (21.00) der Spanier Carlos Velasco Carballo.

Brych, der am Mittwoch beim 1:0 der Belgier gegen Schweden gepfiffen hatte, muss auf seinen dritten EM-Einsatz als "Chef-Schiri" noch warten.

Grindel verteidigt DFB-Ticketvergabe

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat den deutschen EM-Ticketverkauf über den Fanclub Nationalmannschaft verteidigt und will auch bei kommenden Turnieren an der umstrittenen Praxis festhalten. Es habe sich bei der Endrunde in Frankreich herausgestellt, „dass die Entscheidung richtig war, weil es Sinn macht, Karten an diejenigen zu verkaufen, die man kennt“, sagte Grindel in einem Interview der „Rheinischen Post“ (Donnerstag).

Grindel räumte allerdings auch Fehler des DFB bei der Abwicklung der Ticketvergabe ein. „Wir hätten von Anfang an mit einem Stichtag arbeiten müssen, damit nicht der Eindruck entsteht, man muss Mitglied in dem Fanclub werden und einen Beitrag zahlen, um eine Karte zu erhalten“, sagte der 54-Jährige.

Die Vergabepraxis hatte massive Kritik hervorgerufen und das Bundeskartellamt zu einer noch laufenden Prüfung veranlasst. „Wir sollten im Hinblick auf künftige Turniere deutlich machen, dass die Mitglieder bei der Vergabe von Tickets zuerst berücksichtigt werden, eben aus Sicherheitsgründen“, sagte Grindel. „Und die Erfahrung dieser EM bewegt hoffentlich auch das Bundeskartellamt, seine Haltung zu überdenken und uns Spielraum zu geben.“

Schon zuvor war der DFB etwas zurückgerudert. Enttäuschte Fans, die nach dem 11. November 2015 für 40 Euro in den Fanclub eingetreten waren, dann aber trotzdem keine Karten ergattert hatten, können wieder austreten und den Jahresbeitrag von 30 Euro zurückerhalten. Die Aufnahmegebühr von zehn Euro wird vom DFB jedoch nicht erstattet.

Schweden zürnen wegen Schiedsrichter Brych

Für die schwedischen Medien war der Schuldige am EM-Ausscheiden Schiedsrichter Felix Brych (München), der gegen Belgien beim Stand von 0:0 ein Tor von Schwedens Superstar Zlatan Ibrahimovic aberkannt hatte.

Unmittelbar vor dem Treffer in der 63. Minute hatte Brych auf "hohes Bein" von Schwedens ehemaligem HSV-Stürmer Marcus Berg erkannt und abgepfiffen. Für die Zeitung Aftonbladet war dies eine klare Fehlentscheidung: "Schweden tobt gegen Schiedsrichter Felix Brych wegen des aberkannten Treffers", schrieb das Blatt.

Expressen titelte sogar: "Die Welt tobt!" Die eher nüchterne Zeitung Dagens Nyheter urteilte: "Eine Schiedsrichter-Entscheidung, die Schweden das Weiterkommen gekostet hat".

Unterstützung bekamen die Skandinavier aus dem Nachbarland Norwegen. Die ehemalige norwegische Fußball-Nationalspielerin Lise Klaveness urteilte als TV-Expertin des staatlichen Senders NRK: "Das war eine skandalöse Entscheidung!"

Wette auf zerrissene Trikots

Der Wettanbieter mybet.com bietet für das Schweiz-Spiel eine Sonderwette an. Dem Anbieter zu folge kann auf die Anzahl der zerrissenen Schweiz-Jerseys im Achtelfinale gegen Polen Geld gesetzt werden. Die Quoten lasse darauf schließen, dass es wohl eher unwahrscheinlich ist, dass es erneut zu einem Trikot-Gate kommen werden, so der Wettanbieter. Denn die Quote für kein zerrissenes Trikot liege bei 1.07. Am lukrativsten sei das Szenario, dass drei Trikots reißen. Hier liege die Quote bei 7.00.

Nordirland baut auf "Heimvorteil"

Vor seinem ersten EM-Achtelfinale überhaupt setzt Nordirland auf den Heimvorteil im Pariser Prinzenparkstadion. „Wir werden davon profitieren, schon mal dort gewesen zu sein und auf diesem Rasen gespielt zu haben“, sagte Nordirlands Trainer Michael O'Neill vor dem Spiel am Sonnabend (18 Uhr) gegen Wales. Er hatte mit seiner Mannschaft bereits am Dienstag gegen Deutschland (0:1) in Paris gespielt.

Er habe keine Zweifel, dass es gegen Wales ein sehr hartes Spiel werde. „Aber wir werden mit dem Glauben in dieses Spiel gehen, dass wir gewinnen und weiterkommen können“, sagte der Coach. Wales und Nordirland sind beide zum ersten Mal für eine EM-Endrunde qualifiziert und erreichten in Frankreich auf Anhieb das Achtelfinale.

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ZDF: 9,02 Millionen bei Schweden-Belgien

9,02 Millionen Fußball-Fans verfolgten am Mittwochabend die Live-Übertragung des EM-Vorrundenspiels zwischen Schweden und Belgien (0:1) im ZDF. Dies entsprach einem Marktanteil von 33,2 Prozent. Zuvor hatten beim Live-Spiel Ungarn-Portugal (3:3) 6,75 Millionen (MA: 34,8 Prozent) zugeschaut.

Sat.1 verzeichnete bei Italien-Irland am Abend in der ersten Halbzeit 2,28 Millionen TV-Zuseher (MA: 8,0 Prozent), in der zweiten Hälfte 2,93 (MA: 11,4 Prozent). Zuvor erzielte der 2:1-Sieg der Isländer gegen Österreich ab 18.00 Uhr bis zu 12,3 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen.

Bei Albanien überwiegt der Stolz

Der frühere Bundesligaprofi und ehemalige Co-Trainer Albaniens, Altin Lala, empfindet nach dem verspäteten Vorrunden-Aus seines Landes kaum Enttäuschung. „Nein, überhaupt nicht. Der Stolz überwiegt. Wir waren das erste Mal dabei und haben ein Spiel gewonnen. Das zählt. Es war insgesamt sehr schön“, sagte Lala der Deutschen Presse-Agentur.

Erst seit Mittwochabend ist klar, dass Albanien als Tabellendritter der Gruppe A die Heimreise antreten muss, obwohl der EM-Neuling bereits am Sonntag sein letztes Gruppenspiel absolviert und dabei 1:0 gegen Rumänien gewonnen hatte. Erst drei Tage später stand fest, dass Albanien nicht zu den vier besten Gruppendritten gehört.

„Ein fantastisches Kapitel des albanischen Fußballs geht zu Ende, nachdem wir aufgrund der Tordifferenz ausgeschieden sind“, schrieb der albanische Premierminister Edi Rama auf seiner Facebook-Seite und versprach dem albanischen Team einen feierlichen Empfang in Tirana. Zuvor hatte er bereits angekündigt, die Nationalspieler mit Diplomatenpässen auszustatten. „Albanien hat sich über den Fußball hervorragend nach außen verkauft. Da wollte der Präsident als Dankeschön etwas zurück geben“, erläuterte Lala, der noch während der Qualifikation Assistent von Chefcoach Gianni De Biasi gewesen war.

EM-Erfolg könnte Island-Wahl beeinflussen

Islands überraschender Erfolg könnte die Präsidentenwahl in dem Land am Sonnabend beeinflussen. „Vielleicht sind viele Leute am Wahltag mehr an Fußball interessiert als an der Wahl“, sagte der Politikwissenschaftler Baldur Thorhallsson dem isländischen Sender RUV. „Wir wissen, dass Tausende Isländer in Frankreich sind. Nun hört man schon, dass viele ihren Aufenthalt verlängern.“

Die isländische Nationalmannschaft trifft im Achtelfinale am Montag auf England - zur Präsidentenwahl wären viele dann nicht zu Hause. Der Experte rechnet auch damit, dass Isländer nun eilig nach Frankreich aufbrechen könnten, ohne vorher noch abzustimmen.

Bei der Präsidentenwahl am Sonnabend treten neun Kandidaten an. Favorit ist der Historiker Guðni Th. Jóhannesson. Islands Präsident Ólafur Ragnar Grímsson stellt sich nach 20 Jahren und fünf Amtszeiten nicht mehr zur Wahl. Einen Vorteil habe die isländische EM-Sensation für den neuen Präsidenten, sagte Politologe Thorhallsson: Sie könnte ihm dabei helfen, die Nation zu einen.

England-Vize sieht keinen Favoriten

Die englische Nationalmannschaft gibt sich trotz des bevorstehenden harten Wegs durch die K.o.-Runde gelassen. Er sehe keinen Favoriten auf den Titel, erklärte Ersatz-Kapitän Gary Cahill vor Beginn der Achtelfinals. „Es gibt sicherlich Teams, die mich beeindruckt haben, aber ich denke, dass Turnier ist komplett offen“, sagte der Innenverteidiger. „Du siehst die Franzosen, Spanier und Deutschen, die immer da sind, aber gibt es ein Team, das vorneweg marschieren wird? Ich denke nicht. Jeder kämpft um Leben und Tod, also ist es sehr schwer.“

England hatte den Gruppensieg verpasst und trifft am Montag in Nizza zum Abschluss der Achtelfinals auf den EM-Debütanten Island. Danach würde ein Duell mit Gastgeber Frankreich drohen. Zudem befinden sich noch Titelverteidiger Spanien und die viermaligen Weltmeister Deutschland und Italien in der unteren Turnier-Hälfte, wären also mögliche Gegner in einem potenziellen Halbfinale.

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Ibrahimovic macht Spruch zum Abschied

Kein Sieg, kein Tor, Vorrunden-Aus - doch "König" Zlatan Ibrahimovic dankte dennoch mit dem Selbstbewusstsein eines Champions ab. "Das ist eine schöne Geschichte, wenn man sieht, wo ich hergekommen bin. Menschen nennen es Getto, aber ich habe das Land zu meinem Land gemacht", sagte der Superstar nach seinem letzten Spiel für das schwedische Nationalteam beim 0:1 (0:0) gegen Belgien in Nizza.

Über das am Ende deutlich verpasste Achtelfinale sei er zwar "enttäuscht", sagte der 34-Jährige, "aber ich bin auch stolz. Ich habe die Möglichkeit genossen, bei der EM spielen und Schweden repräsentieren zu dürfen. Ich habe viele fantastische Erinnerungen an meine Zeit im Nationalteam."

Nicht nur für Trainer Erik Hamren verließ an diesem Mittwochabend im Stade de Nice ein ganz Großer für immer die Länderspiel-Bühne. "Wenn sie mich fragen, ob man einen neuen Zlatan findet? Nein. Er ist einzigartig", sagte Hamren.

Ibrahimovic hatte am Mittwoch in Nizza nach 116 Länderspielen und 62 Toren das letzte Mal das Trikot seines Landes getragen. Schweden hatte sich mit nur einem Punkt und ohne eigenes Tor als Letzter der Gruppe E nicht für das Achtelfinale qualifiziert.

"Ich hätte mir gewünscht, dass er ein besseres Ende bekommt", sagte Hamren: "Hoffentlich finden wir andere Spieler, die sehr gut sind. Aber in so einem kleinen Land wie Schweden ist das schwierig."

Irland voller Euphorie gegen Frankreich

Mit dem historischen Achtelfinaleinzug soll der irische EM-Weg noch nicht zu Ende sein. "Wie weit wir in diesem Turnier noch kommen, haben wir selbst in der Hand", sagte Siegtorschütze Robbie Brady nach dem 1:0 (0:0)-Erfolg gegen Italien, der den Iren erstmals den Sprung in eine K.o.-Runde bei einer Europameisterschaft bescherte.

Auch der nächste Gegner Frankreich flößt dem Außenseiter keine Angst ein. "Wir haben einige der besten Teams der Welt geschlagen", meinte der Mittelfeldspieler nach dem Erfolg gegen den viermaligen Weltmeister. Schon in der EM-Qualifikation hatte Irland Weltmeister Deutschland mit 1:0 bezwungen. "Wenn's bei uns klick macht, dann können wir jedem wehtun", sagte Brady, "dann sind wir eine Herausforderung für jeden Gegner."

Mit seinem Kopfballtor in der 85. Minute hatte der 24-Jährige vom englischen Premier-League-Absteiger Norwich City Irland Platz drei in der Gruppe E gesichert. Im Achtelfinale trifft die Mannschaft von Teammanager Martin O'Neill am Sonntag (15 Uhr) in Lyon auf Gastgeber Frankreich.

Die EM-Auftritte der Spielerfrauen:

Belgiens Wilmots gibt sich trotzig

Belgiens in der Kritik stehende Trainer Marc Wilmots hat mit Genugtuung auf den Achtelfinaleinzug reagiert. "Manche haben gesagt, wir sind tot. Aber wir sind wieder in der Spur", erklärte der Ex-Bundesligaprofi nach dem 1:0 gegen Schweden: "Wir sind besser geworden und haben jetzt zweimal kein Tor bekommen."

Nach der Auftaktniederlage der Belgier gegen Italien (0:2) war Wilmots heftig kritisiert und seine Fähigkeiten als Trainer infrage gestellt worden. "Vier Jahre hatten wir immer Erfolg, jetzt sollte plötzlich alles schlecht sein", hatte Wilmots nach dem 3:0 im zweiten Gruppenspiel gegen Irland gesagt.

Als Zweiter der Gruppe E trifft Belgien nun im Achtelfinale am 26. Juni in Toulouse auf Ungarn. "Es wird ein kompliziertes Spiel. Dieses Team gibt immer 100 Prozent auf dem Feld", sagte Mittelfeldspieler Eden Hazard.