Bayern-Star

Für Mario Götze ging der HSV an die Schmerzgrenze

Im fernen Ascona wird Bayerns Mario Götze wie eh und je von den Fans der Nationalmannschaft bejubelt

Im fernen Ascona wird Bayerns Mario Götze wie eh und je von den Fans der Nationalmannschaft bejubelt

Foto: Pool / Bongarts/Getty Images

Deutschlands EM-Hoffnungsträger überrascht mit Beraterwechsel und Bekenntnis zu den Bayern, die alles andere als erfreut reagieren.

Ascona.  Ein Rasensprenger am frühen Donnerstag genügt, um bei der Nationalmannschaft für gute Laune zu sorgen. Wie die kleinen Kinder freuen sich Antonio Rüdiger, Karim Bellarabi, Leroy Sané und Mario Götze am Mittelkreis des Trainingsplatzes in Ascona, als das kühle Nass unverhofft aus dem Schlauch spritzt.

Besonders Götze, der in den vergangenen Tagen Fußball-Deutschland mehr beschäftigte, als ihm lieb war, strahlt. Der 23-Jährige, der in der kommenden Woche 24 Jahre alt wird, albert mit seinen jungen Kollegen herum, als ob es die Schlagzeilen der vergangenen Tage nie gegeben hätte.

Bei Götze gibt es nur schwarz oder weiß

„Mario Götze: Trennung“ („Bunte“), „Mario will bei Bayern bleiben“ („Bild“), „Das Rätsel Götze“ („Welt“). Am Donnerstag titelte der „Kicker“ mit einem drohend klingenden Zitat von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge: „Mario weiß, wie der Club denkt.“

Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Bei kaum jemandem trifft diese Floskel tatsächlich derart zu wie im Fall von Mario Götze. Zum Anfang seiner Karriere ein Toptalent, nun plötzlich ein ewiges Talent. Vom Dortmunder Verführer zum Dortmunder Verräter. Ein Bayernstar oder doch nur ein Bayernflop? Erst ein WM-Problemfall, dann ein WM-Held. Und nun vom eigenen Berater emanzipiert – oder doch nur ein ewiges Papasöhnchen?

Bei Götze gibt es nur schwarz oder weiß. Mit seinem überraschenden Bekenntnis zum FC Bayern und seinem gleichzeitigen Wechsel von Topberater Volker Struth zum eigenen Vater am vergangenen Montag hatte jedenfalls niemand gerechnet. Der Fußballer ist kein Typ für das graue Mittelmaß – und wahrscheinlich gibt es niemanden, dem das eher klar war als Götze senior.

Wie Volker Struth der Berater von Mario Götze wurde

Jürgen Götze ist Professor für Datentechnik an der TU Dortmund. Das war er auch schon 2010, als es darum ging, was der beste Weg für seinen hochtalentierten Sohn nach ganz oben sein würde. 18 Jahre war dieser damals jung – und trotzdem schon in der ganzen Bundesliga gleichermaßen umworben wie von sämtlichen Beratern der Branche.

Volker Struth war es schließlich, der Papa Götze ein unschlagbares Angebot machte. Er würde dem Vater binnen kurzer Zeit drei Topmanager aus der Bundesliga an den Verhandlungstisch bringen. Danach könnten sie dann gemeinsam entscheiden, ob Götze junior in Dortmund bleiben oder lieber gehen sollte. Gesagt, getan.

HSV ging an die finanzielle Schmerzgrenze

Nach kürzester Zeit lud Struth Wolfsburgs damaligen Sportchef Dieter Hoeneß, Leverkusens früheren Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und Hamburgs Ex-Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann zu gemeinsamen Gesprächen.

Besonders der HSV soll an die finanzielle Schmerzgrenze für den talentierten Teenager gegangen sein. Jürgen Götze jedenfalls war beeindruckt, entschied sich aber trotzdem für eine Vertragsverlängerung seines Sohnes bei Borussia Dortmund. Und für den umtriebigen Struth, der Götze senior von Anfang an einen großen Anteil an den Millionenhonoraren garantiert haben soll. Jürgen Götze wurde sogar Geschäftsführer der gemeinsamen Mario-Götze-Marketing GmbH. Die doppelten Götzes und Struth – das passte.

Der Rheinländer gilt als Schwergewicht in der Beraterszene, seit ihn der frühere Leverkusener Manager Reiner Calmund 2005 in die Fußballszene eingeführt hatte. Nach und nach angelten sich Struth und seine Firma SportsTotal die Crème de la Crème im deutschen Profifußball – doch die Beratung von Götze war von Anfang an etwas Besonderes für den Agenten.

Trennung sorgt für Raunen in der Szene

Es ist noch gar nicht lange her, dass Mario Götze nach seinem entscheidenden Treffer zum WM-Triumph gegen Argentinien im Bauch des Maracanã-Stadions saß und in seinem ersten Statement überschwänglich seiner Familie dankte – und seinem Berater.

Doch zwei Jahre später ist nun plötzlich Schluss. Von einer „einvernehmlichen Trennung“ ist in einer eilig verschickten Pressemitteilung die Rede. Dass Götze bei Bayern immer mehr in eine Sackgasse geraten ist und Berater Struth seinem Mario dringend zu einem Wechsel geraten hat, steht in dieser offiziellen Depesche genauso wenig drin wie das Geraune in der Szene, dass sich der FC Bayern längst mit dem FC Liverpool über einen Wechsel für 25 Millionen Euro geeinigt hatte.

Doch Struth ist bei Götzes weiterer Karriereplanung nun nicht mehr gefragt. Ab sofort bleibt Mario Götze Familiensache. Papa Jürgen und der Anwalt Peter Duvinage kümmern sich nun um „Super Mario“, der bei den Bayern bleiben will. Sagt er zumindest.

Joachim Löw wirkt besorgt

Doch was sagen eigentlich die Bayern? „Mario muss für sich selbst bewerten: Will ich kontinuierlich spielen?“, lässt sich Bayernchef Rummenigge im „Kicker“ zitieren. Und weiter: „Mario kennt die Gedanken des FC Bayern.“

Die Gedanken des FC Bayern sind mittlerweile auch im fernen Tessin bei der Nationalmannschaft ein Thema. „Mario hat mich über alles informiert“, sagt Bundestrainer Joachim Löw, der besorgt wirkt. „Wir haben uns mehrfach über seine Situation unterhalten.“

Aber war da nicht noch etwas? Ach ja: Am 12. Juni startet Deutschland gegen die Ukraine in die Europameisterschaft. Das Finale, das weiß auch Götze, findet am 10. Juli in Paris statt.

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