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Welche WM-Helden die EM in Frankreich verpassen könnten

Zwei WM-Helden auf der Suche nach ihrer Form: Mario Götze und Bastian Schweinsteiger

Zwei WM-Helden auf der Suche nach ihrer Form: Mario Götze und Bastian Schweinsteiger

Foto: Witters

Viele Weltmeister sind völlig außer Form. Einige DFB-Stars müssen sogar um ihr EM-Ticket zittern. Das Abendblatt wagt eine Prognose.

Das blutende Gesicht von Bastian Schweinsteiger, der überragend verteidigenden Jérôme Boateng, die geniale Vorlage von André Schürrle für Mario Götzes Traumtor im WM-Finale gegen Argentinien – viele Fans haben diese Bilder noch fest im Kopf gespeichert. Doch seit dem Triumph in Brasilien scheint ein Fluch über nahezu allen Weltmeistern zu liegen. Bis auf Manuel Neuer, Thomas Müller und Mesut Özil konnte kaum einer an seine Leistungen beim Sommermärchen 2014 anknüpfen. Die größten Sorgenkinder der deutschen Nationalmannschaft im Überblick:

Bastian Schweinsteiger

Nach einer Kernspinuntersuchung in der Praxis von Nationalmannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt folgte am Dienstagnachmittag die bittere Gewissheit. Schweinsteiger hat sich erneut verletzt und fällt mit einem Innenbandteilriss im rechten Knie für mehrere Wochen aus. Es ist die zweite schwere Verletzung des DFB-Kapitäns, der erst von Januar bis März wegen eines Innenbandrisses im Knie pausieren musste.

Eigentlich galt es als wahrscheinlich, dass Schweinsteiger erst nach dem Turnier in Frankreich seine Nationalmannschafts-Karriere beendet, doch der erneute Rückschlag nährt die Spekulationen über ein EM-Aus des Mittelfeldspielers. Dass der Leader auf den Punkt fit sein kann, bewies er schon bei der WM 2014, als er erst im Laufe des Turniers in Vollbesitz seiner Kräfte war und aufgrund seiner unermüdlich kämpfenden Spielweise zum Helden des WM-Finales avancierte. Sollte Schweinsteiger ein ähnliches gesundheitliches Wunder gelingen, darf er sich der Unterstützung Löws sicher sein.

Prognose: Schweinsteiger wird nicht rechtzeitig fit und Löw wird ihn zu Beginn des Turniers auf die Bank setzen müssen, um dem Leistungsprinzip gerecht zu bleiben.

Mario Götze

Momentan wird mehr über seine Zukunft als seine aktuelle Leistung gesprochen. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Ohne Spielzeit im Verein gibt es auch keine Grundlage, um über seine Verfassung zu urteilen. Obwohl der Schütze des goldenen Tores im WM-Finale beim FC Bayern unter Pep Guardiola in Ungnade gefallen ist und momentan nicht mal mehr zu Kurzeinsätzen kommt, gab ihm Bundestrainer Joachim Löw einen Freifahrtschein für die EM.

Nach dem Turnier könnte Borussia Dortmund den verlorenen Sohn zurückholen. So spekuliert zumindest die „Bild“-Zeitung. Dementiert hat diese Gedankenspiele noch keiner, möglicherweise drückt Götze also im Sommer die Reset-Taste. Zuvor hätten Fans der Nationalmannschaft sicherlich nichts dagegen, wenn Götze zu seiner alten Form aus BVB-Zeiten findet, und bei der Europameisterschaft eine ähnlich wichtige Rolle wie bei der WM einnimmt.

Prognose: Auch Götze ist zunächst nur Joker im Löwschen System, doch als Einwechselspieler kann er für geniale Momente sorgen.

Jérôme Boateng

Im WM-Finale kam keiner am Abwehrchef vorbei. Selbst als Messi es lieber mit Mats Hummels aufnahm, den Dortmunder düpierte und den Ball an Neuer vorbei lupfte, kratzte Boateng die Kugel noch von der Linie. Über seine Rolle als Stabilisator der DFB-Elf gibt es keine zwei Meinungen, doch der Innenverteidiger konnte seit Ende Januar wegen eines Sehnenrisses kein Spiel bestreiten.

Anfängliche Gerüchte, er könnte sogar für die EM ausfallen, erstickte Boateng im Keim und versprach im April auf den Rasen zurückzukehren.

Prognose: Boateng wird rechtzeitig fit und sticht auch bei der EM als Abwehrchef hervor.

André Schürrle

Bei der WM noch der unverzichtbare zwölfte Mann, der stets für frischen Wind, Vorlagen und Tore nach seinen Einwechslungen sorgte, befand sich der Flügelspieler knapp eineinhalb Jahre danach in einem Leistungsloch. Auch direkt nach seinem Wechsel für 32 Millionen Euro von Chelsea nach Wolfsburg wirkte Schürrle wie ein Fremdkörper auf dem Platz, wenn er denn mal spielte.

Erst im März dieses Jahres fand der 25-Jährige, der bei der WM drei Tore und ebenso viele Vorlagen zum Titelgewinn beisteuerte, zu alter Stärke zurück – möglicherweise zu spät. Denn momentan muss Schürrle sogar um sein EM-Ticket zittern.

Prognose: Schürrle entwickelt sich zum Leistungsträger beim VfL und fährt mit zur EM. Dort kommt er aufgrund des hohen Konkurrenzkampfes aber nur selten zum Einsatz.

Toni Kroos

Vor der WM 2014 galt er noch als Wackelkandidat für die Startelf, im Laufe des Turniers entpuppte sich Kroos dann aber als unverzichtbare Stütze im Mittelfeld, der beim 7:1-Halbfinalsieg gegen Brasilien sogar doppelt traf. Zu Saisonbeginn befand sich der ehemalige Münchner aber auch aufgrund einer anderen Position im Leistungsloch bei Real Madrid und wurde von Rafael Benítez häufiger mal auf die Bank gesetzt.

Erst nach dem Trainerwechsel spürte Kroos wieder das Vertrauen und fand allmählich zu alter Form zurück. Förderer Zinédine Zidane beendete sogar sämtliche Wechselgerüchte um den Regisseur und erklärte ihn für unverkäuflich. Dennoch fehlt es ihm momentan ein wenig an Zielstrebigkeit und Zug zum Tor.

Prognose: Löw kitzelt zur EM auch die letzten Prozente aus seinem verkappten Spielmacher heraus, der es ihm mit starken Auftritten dankt.

Benedikt Höwedes

Wenn man vor dem Turnier gewettet hätte, dass Höwedes keine Minute bei der WM verpassen wird, wäre man wohl reich geworden. Der Schalker Kapitän war zweifellos die größte Überraschung auf dem Weg zum vierten Stern. Nach anfänglichen Wacklern fand er sich auf der ungewohnten Position des Linksverteidigers zurecht und machte vor allem defensiv seine Seite dicht.

Wegen eines Muskelfaserrisses absolvierte der 28-Jährige aber noch kein Spiel in der laufenden Rückrunde. Immerhin stieg Höwedes Anfang der Woche wieder ins Training ein. Wann er wieder einsatzfähig ist, bleibt aber ungewiss.

Prognose: Höwedes spielt sich in den EM-Kader, von seinem Stammplatz muss er sich aber verabschieden.

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