Champions League

"Real Madrid war der Situation nicht gewachsen"

Spanische Presse lässt nach dem 1:2 bei Juventus Turin kaum ein gutes Haar an Cristiano Ronaldo & Co. Italiener liefen deutlich mehr.

Turin. Real Madrid hat seine Chance auf die erste erfolgreiche Titelverteidigung in der Champions League gewahrt. Die Königlichen mit dem Deutschen Toni Kroos (Sami Khedira stand nicht im Kader) erreichten mit dem 1:2 (1:1) im Halbfinal-Hinspiel bei Juventus Turin eine ordentliche Ausgangslage. Für den Einzug ins Finale von Berlin (6. Juni) benötigen die Spanier am 13. Mai im Rückspiel aber eine Leistungssteigerung.

+++ Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker +++

Alvaro Morata erzielte in der neunten Minute die Führung für die Italiener. Die Madrilenen hatten große Schwierigkeiten mit den aggressiv attackierenden Turinern. Das Sturmduo Ronaldo und Gareth Bale trat nicht in Erscheinung. Bis zur 27. Minute. Ronaldo köpfte einen Heber von James Rodríguez zum 1:1 ins Tor. Es war sein neunter Treffer in der laufenden Saison der Königsklasse und der 76. insgesamt. Damit übernahm der Portugiese in der ewigen Torjäger-Liste die alleinige Führung vor Lionel Messi. Carlos Tévez (58.) sorgte mit einem Foulelfmeter für den verdienten Juve-Sieg.

Abendblatt.de hält Sie auch nach dem Spiel auf dem Laufenden:

Das sind die Pressestimmen

11.16 Uhr: „Gazzetta dello Sport“: „Juve no Limits. Heldentat in Turin, Real Madrid 2:1 geschlagen. Jetzt ist Berlin ganz nahe. Galaktisches Juve. Morata und Tevez besiegen Madrid. Und jetzt ist das Finale fast schon...Realität. Fantastische Leistung der Mannschaft von Allegri, die den Spaniern in allen Belangen überlegen war. Noch nicht einmal Ronaldos Kopfball ruiniert die weißschwarze Party.“

„Tuttosport“: „Juve, du bist Real! Große Emotionen im Stadion beim Hinspiel. Juve, du bist reif für das Finale. Strahlende Mutprobe gegen die beste Mannschaft der Welt.“

"Repubblica": "Juve hält die Königlichen in Schach. Jetzt heißt es, in Madrid zu bestehen. Das Finale in Berlin kann Wahrheit werden. Eine traumhafte Turiner Mannschaft wird für die Spanier zum wahren Albtraum."

„Corriere dello Sport“ (alle Italien): „Überwältigende Bianconeri, Real geschlagen. Das Champions-League-Finale ist möglich.“

„El Mundo“: „Madrid zittert in Turin. Die Erfahrung, Sergio Ramos im Mittelfeld einzusetzen, endete in Turin mit einer Zurschaustellung als Karikatur seiner selbst. Ihm gelang nichts, außer an seinem Platz zu sein (...) Ancelottis Versuch hat Madrid nicht nur nicht verbessert, sondern hat es verschlechtert. Dummm gelaufen.“

„El País“: „Juventus ließ Madrid zittern. Außer am Ende der ersten Halbzeit, wurde Ancelottis Team abgehängt von einem aufopferungsvollen Gegner mit starken Beinen und klaren Ideen.“

„Marca“: „Ein Tor vor Berlin. Madrid ist aus einer furchterregenden zweiten Halbzeit in Turin mit einem blauen Auge davongekommen. Cristianos Tor war Gold wert. Sergio Ramos erlitt Schiffbruch, Bale war abwesend und eine schlechte Nacht für die Verteidigung.“

"Sport": "Real wird im Bernabeu-Stadion leiden müssen. Ancelottis Mannschaft schwamm in der Abwehr, Llorente hätte am Ende noch einen weiteren Treffer beisteuern können. Juventus sprengt das Halbfinale, die Italiener zeigten sich mutig."

„As": „Der Meister hat Kredit verloren. Juve war in allem besser und gewann verdient. Zusammenfassend war Madrid der Situation nicht gewachsen. Das Bernabéu muss brennen und wir müssen aufs Spielfeld gehen, um sie zu töten, sagt James Rodríguez.“

"El Mundo Deportivo" (alle Spanien): "Real zur Aufholjagd gezwungen. Juventus schlägt als Erster zu und macht einen kleinen Schritt Richtung Berlin. Ein schwaches Spiel von Real. Marcelo und Carvajal haben hinten fürchterlich gespielt. Bale war von der Bildfläche verschwunden."

Juve-Profis laufen sieben Kilometer mehr als Real

10.58 Uhr: Die Profis von Juventus Turin haben sich deutlich lauffreudiger als ihre Gegner von Real Madrid gezeigt. Insgesamt legten die Akteure des italienischen Meisters Uefa-Angaben zufolge 115,7 Kilometer zurück, bei Cristiano Ronaldo & Co. waren es 7,6 Kilometer weniger. „Juventus überrennt Madrid“, titelte die spanische Zeitung „As“ deshalb. Bei den Turinern liefen alleine Arturo Vidal, Andrea Pirlo und Claudio Marchisio weiter als der aktivste Madrilene, James Rodriguez.

Ronaldo jetzt alleiniger Rekordschütze

9:50 Uhr: Cristiano Ronaldo von Real Madrid ist erstmalig alleiniger Rekordtorschütze der Champions League. Der Weltfußballer ließ im Halbfinal-Hinspiel bei Juventus Turin (1:2) mit seinem Tor zum 1:1 (27.) Lionel Messi (75) hinter sich. Der Argentinier vom FC Barcelona kann am Mittwochabend im Halbfinal-Hinspiel gegen Bayern München nachziehen.

Ronaldo, der in der vergangenen Saison mit 17 Toren einen Rekord aufgestellt hatte, absolvierte sein 112. Champions-League-Spiel, 55 davon im Trikot von Manchester United (15 Tore).

Nach seinem Wechsel von Sporting Lissabon zu Manchester in der Saison 2003/04 hatte er im Oktober 2003 sein Debüt gefeiert in der Königsklasse gefeiert. Sein erstes Tor erzielte Ronaldo dreieinhalb Jahre später - beim 7:1 im Viertelfinale (April 2007) gegen den AS Rom traf er doppelt.

Morata und der lässige Torjubel

7.51 Uhr: Álvaro Morata verzichtete auf den großen Jubel. Lässig joggte der Spanier nach dem 1:0 für Juve gegen seinen alten Arbeitgeber Madrid über den Platz und ließ sich von seinen Teamkollegen feiern. Mit seinem Treffer beim 2:1-Sieg sorgte der 22 Jahre alte Stürmer dafür, dass der italienische Meister vom ersten Endspiel in der Königsklasse seit 2003 träumen darf. „Es war ein schöner Abend, weil wir gewonnen haben, nicht nur wegen meines Tors“, schwärmte Morata.

Im vergangenen Sommer war das Top-Talent für 20 Millionen Euro von Real zu Juve gewechselt und wurde diese Saison bereits zum Schreck für Borussia Dortmund. Im Hin- und Rückspiel des Achtelfinals erzielte Morata jeweils einen Treffer.

Am 13. Mai will er nun an alter Wirkungsstätte wieder seinen früheren Arbeitgeber ärgern. „Wir brauchen ein perfektes Spiel, wir wissen alle, dass wir gegen Real Madrid antreten“, erklärte er vor dem Rückspiel. Ob er dann wieder so cool feiern würde? „In ihm ist sicherlich ein Vulkan explodiert“, analysierte „Tuttosport“ die Geste aus dem Hinspiel. „Er, der von Real eine Abfuhr bekommen hat, der von (Real-Trainer Carlo) Ancelotti kaum berücksichtigt wurde, trifft nun. Die Rache als Vorspeise. Und was für eine Vorspeise.“

Real noch nie weiter nach Pleite in Halbfinal-Hinspiel

7.30 Uhr: Schlechtes Omen für Real Madrid: Nach einer Niederlage im Halbfinal-Hinspiel der Königsklasse sind die Spanier bislang noch nie weitergekommen. Mit dem 1:2 bei Juventus Turin verloren die Königlichen zum achten Mal die erste Partie des Semifinals.

Kroos drückt Bayern die Daumen gegen Barcelona

7.10 Uhr: Toni Kroos hält zwischen dem FC Bayern und dem FC Barcelona zu seinem Ex-Club aus München. „Warum denn nicht, selbstverständlich“, sagte der Mittelfeldspieler beim TV-Sender Sky nach der 1:2-Pleite von Real bei Turin. „Auch hier im Lager ist es eher so, dass den Bayern die Daumen gedrückt werden“, erklärte der 25-Jährige vor dem Auftritt der Münchner am Mittwoch bei den Katalanen.

Statistik

Juventus Turin: Buffon - Lichtsteiner, Bonucci, Chiellini, Evra - Pirlo - Marchisio, Sturaro (64. Barzagli) - Vidal - Tevez (86. Pereyra), Morata (78. Llorente)

Real Madrid: Casillas - Carvajal, Pepe, Varane, Marcelo - Ramos, Kroos - Rodriguez, Isco (63. Chicharito) - Bale (86. Jese), Ronaldo

Schiedsrichter: Martin Atkinson (England)

Zuschauer: 41.011

Tore: 1:0 Morata (8.), 1:1 Ronaldo (27.), 2:1 Tevez (57., Foulelfmeter)

Gelbe Karten: Bonucci (2), Tevez (3), Vidal (3), Chiellini (3) - Marcelo (4), Carvajal, Rodriguez (2) (HA/sid/dpa)