Deutschland gegen Polen

Zwölf Debütanten und Pfiffe bei müder Nullnummer

Zum Auftakt der WM-Vorbereitung kam die deutsche Nationalmannschaft in Hamburg nur zu einem schwachen 0:0 gegen Polen. Es war ein komisches A-Länderspiel.

Hamburg. Dass es am Ende Pfiffe gab, überraschte niemanden, denn schon vor dem Anpfiff war klar gewesen: Dieser Auftritt der A-Nationalmannschaft gegen Polen wird ein Länderspiel mit Rekorden und Superlativen für die Ewigkeit. Wie erwartet bot Bundestrainer Joachim Löw zu Beginn eine Mannschaft auf, die nur eine Erfahrung von 13 Länderspielen aufwies. Das gab es noch nie und wird es wohl nie wieder geben, dass gleich acht Akteure zu ihrer Premiere in der Startelf kommen. Ein echter Debütantenball eben. Das Spiel selbst wird allenfalls als historisch in die DFB-Geschichte eingehen, weil es einer der schwächsten Auftritte einer DFB-Auswahl war. Endstand 0:0. Für Leser, die in Kürze informiert werden wollen, könnte dieser Artikel an dieser Stelle zu Ende sein.

Hier der erweiterte Service für alle dennoch interessierten Leser: Antonio Rüdiger (Stuttgart), Shkodran Mustafi (Sampdoria Genua), Oliver Sorg (Freiburg), Max Meyer, Leon Goretzka (beide Schalke), Kevin Volland und Sebastian Rudy (beide Hoffenheim) sowie Christoph Kramer (Gladbach) durften sich erstmals im Nationalhymnensingen üben, was durchaus passabel klappte. Und dass es niemals einen jüngeren Kapitän als den 20 Jahre alten Julian Draxler gegeben hat, darf selbst ohne Blick in die Geschichtsbücher des DFB behauptet werden.

Es war ein komisches A-Länderspiel. Auf den Rängen der Imtech-Arena dominierten die 10.000 polnischen Anhänger mit ihren Anfeuerungsrufen, während die stimmgewaltigen Anhänger des DFB wohl vorausschauend geplant hatten und erst gar nicht angereist waren. Erst nach einer halben Stunde gab es die ersten zarten „Deutschland“-Rufe. Eine Stimmung wie bei einem U21-Länderspiel vor 37.569 Fans.

DIE EINZELKRITIK DER NATIONALSPIELER

Die Hamburger dürften sich freuen, mal wieder tollen Fußball sehen zu können, hatte DFB-Assistent Hans-Dieter Flick am Montag versprochen. Eine Aussage, die er sich besser verkniffen hätte. Das aus der Not geborene Nachwuchsteam war stets bemüht und hatte in der ersten Hälfte auch 63 Prozent Ballbesitz, viel Konstruktives sprang dabei aber nicht heraus. Aber was wollte man bei diesem von Löw „Zukunftsspiel“ getauften Spiel auch anderes erwarten?

13 Minuten dauerte es, bis der erste zügig vorgetragene Angriff durch Draxler abgeschlossen war. Die beste Chance zur Führung hatte Rüdiger, dessen Kopfball der Kölner Peszko auf der Linie klären musste (33.). Auf der anderen Seite drangen die Polen kaum einmal gefährlich bis zum DFB-Tor vor.

Nach Wiederanpfiff sank das sowieso schon mäßige Niveau noch weiter, den Aktionen der Nationalelf fehlte es an Tempo, an Dynamik, an Kreativität, eigentlich an allem. Die Zuschauer begannen bei ungemütlichen elf Grad zu frieren. Nur eine zwingende Torchance durften sie in der zweiten Halbzeit beklatschen, als André Hahns Schuss auf der Linie geklärt wurde (84.). So blieb es beim 0:0, der Höchststrafe für alle Zuschauer bei solch einem Spiel. Beim Abpfiff gab es nur noch ein lustloses Pfeifkonzert von den Rängen. Erwähnenswert war noch noch, dass Hahn (Augsburg), Sebastian Jung (Frankfurt), Christian Günter (Freiburg) und Maximilian Arnold die Zahl der Debütanten auf zwölf schraubten.

DER LIVETICKER ZUM NACHLESEN

Löw regte sich nicht sonderlich über das torlose Spiel auf, denn erst am Mittwoch oder Donnerstag beginnt der eigentliche Start in die WM-Vorbereitung, wenn der DFB-Coach die 25 oder 26 Spieler benennt, die das Trainingslager in Südtirol (21. bis 31. Mai) absolvieren dürfen. Torwart Zieler, Draxler, Höwedes, Bender und Volland aus dem Hamburg-Kader sind gesetzt, 20 abwesende Spieler kommen dazu. Goretzka, Mustafi, Meyer, Hahn (spielte früher in der Regionalliga für HSV II) und Ginter müssen hingegen hoffen, ihre Verweildauer noch ein paar Tage verlängern zu dürfen. Dass sie bei der WM dabei sind, ist äußerst unwahrscheinlich, wenn sich niemand verletzt.

Diese Partie dürfte dann längst vergessen sein. Und auch die Spieler hatten sie schnell abgehakt. Aus Hamburger Sicht blieb als negativer Umstand, dass der Rasen bei dem nasskalten Wetter ordentlich ramponiert wurde und sich in zwei Tagen kaum in einem guten Zustand präsentieren dürfte, wenn der HSV in der Relegation gegen Fürth antreten muss. Dass das Spielniveau höher sein wird als am Dienstagabend, steht jetzt schon fest.

Die Statistik

Deutschland: Zieler (46. ter Stegen) – Rüdiger (46. Höwedes), Mustafi, Ginter, Sorg (82. Günter) – Rudy, Kramer – Goretzka (46. Hahn), Meyer (76. Arnold), Draxler – Volland (71. Jung). – Trainer: Löw

Polen: Boruc – Olkowski, Cionek (76. Wilusz), Szukala, Wawrzyniak – Krychowiak, Klich (81. Wszolek) – Peszko (54. Zyro), Obraniak (53. Linetty), Rybus – Robak (53. Milik). – Trainer: Nawalka

Schiedsrichter: Fernandez Borbalan (Spanien)

Zuschauer: 40.000

Tore: Fehlanzeige

Gelbe Karten: Keine

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.