Schweden gegen Deutschland

11,66 Millionen sehen die Neuauflage des Torspektakels

Nach dem historischen 4:4-Hinspiel schrieb diesmal Dreifach-Torschütze Schürrle beim 5:3 gegen Schweden Geschichte. „Man hat wohl gesehen, was wir für eine Kraft nach vorne haben“, sagte der Dreifachtorschütze.

Solna. Der Held des Abends war nach 90 erneut sehr unterhaltsamen Minuten zwischen Deutschland und Schweden schnell gefunden: André Schürrle wurde nach dem kuriosen 5:3-Sieg in Solna geherzt, beglückwünscht und gefeiert. „Man hat wohl wieder gesehen, was wir für eine Kraft nach vorne haben“, sagte Schürrle, der sich nach der Partie den Spielball sicherte: „Ich habe noch nie drei Tore in einem Spiel erzielt. Da werde ich einen Platz für den Ball finden. Allerdings ärgern uns natürlich die drei Gegentore.“

Gefreut haben dürfte das erneute Torspektakel den Großteil der Zuschauer. Vor den deutschen Bildschirmen saßen am Dienstag 11,66 Millionen Zuschauer, was dem ZDF einen Marktanteil von 37,4 Prozent und mit großem Abstand die Topquote einbrachte.

Mit der 2012 eingeweihten Friends Arena verband der Deutsche Fußballbund bis Dienstagabend ausschließlich positive Erinnerungen. Am 28. Juli 2013 setzte sich die DFB-Auswahl der Frauen im EM-Endspiel gegen Norwegen mit 1:0 durch. Die Männer konnten, zumindest was die Null betraf, im abschließenden WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden nicht mithalten. Sie präsentierten besonders in der ersten Hälfte einmal mehr eklatante defensive Schwächen und lagen zwischenzeitlich mit 0:2 zurück. Doch Joachim Löws Team zeigte Moral und drehte das Spiel noch, gewann dank des bärenstarken Matchwinners Schürrle am Ende noch verdient mit 5:3.

Dabei erinnerte zuvor vieles an das legendäre 4:4 von Berlin vor einem Jahr, als den Skandinaviern bei vier Torschüssen vier Treffer gelangen. In Solna lautete die Torschussbilanz nach 45 Minuten 10:2 für Deutschland – aber die DFB-Auswahl lag mit 1:2 hinten. Fußball verkehrt.

Allerdings: Die Mannschaft von Joachim Löw hatte es nicht verstanden, die Überlegenheit (74 Prozent Ballbesitz) in Torchancen umzusetzen. Wie zu erwarten war, durfte nach Sami Khediras Gelbsperre Max Kruse ins Team, Mesut Özil rückte wieder ins Mittelfeld, zudem durfte Mats Hummels anstelle von Per Mertesacker verteidigen. Doch dem Spiel fehlte Struktur, Inspiration – und Klasse. Gerade Özil, von dem sonst so viele geniale Momente ausgehen, verschwand meistens im Dickicht der schwedischen Verteidigung.

Die frühe Führung verlieh den couragierten Hausherren, die noch einen Punkt benötigten, um als gesetztes Team in die Play-offs um die WM gehen zu können, zusätzlich Auftrieb. Weder Marcell Jansen noch Bastian Schweinsteiger, der sein 100. Länderspiel bestritt, konnten einen Steilpass von Larsson ins Zentrum verhindern, wo Hysén Jerome Boateng entwischte und Manuel Neuer tunnelte (6.).

Als die zahlreich mitgereisten deutschen Fans auf den Ausgleich warteten, fiel wie aus dem Nichts heraus das 0:2, als Källström Kacaniklic freispielen konnte. Wieder sah der frühere Hamburger Boateng schlecht aus, die Hauptschuld lag aber bei Philipp Lahm, der zu weit aufgerückt war (42.), außerdem hob Mats Hummels das Abseits auf.

Doppelpack für die Geschichtsbücher

Es passte zu diesem merkwürdigen Spiel, dass auch das erste deutsche Tor eher ein Zufallsprodukt war: Der bis dahin abgetauchte Özil erwischte einen abgefälschten Ball im Strafraum und schob mit rechts ein (44.). Und es kam noch besser für das DFB-Team. Kurz nach Wiederanpfiff gelang dem eingewechselten Mario Götze nach Vorlage von Özil der Ausgleich (52.). Endgültig gedreht – so schien es zumindest – hatte Deutschland das Spiel, als Schürrle nach einem schönen Tempodribbling das 3:2 (57.) und wenig später auf Vorlage Götzes sogar das 4:2 (66.) gelang.

Wer aber dachte, dass es das nun gewesen sein sollte, der irrte. Der Doppelpack Schweden gegen Deutschland in dieser Qualifikation dürfte nach Hin- und Rückspiel ohne Zweifel in die Geschichtsbücher eingehen. Diesmal ließ Hysén mit seinem Anschlusstreffer aus der Drehung (69.) zum 3:4 Erinnerungen an das doch eigentlich einmalige 4:4 aufkommen. Doch anders als vor einem Jahr in Berlin hatte Deutschland in Solna einen Schürrle dabei. Der Chelsea-Legionär krönte sein bestes Länderspiel mit einem Schlenzer zum 5:3, das endgültig die bösen Erinnerungen aus dem Hinspiel vergessen machte. „Es ist zwar immer schön, wenn viele Tore fallen, aber irgendwie war es wieder ein komisches Spiel“, zog Jubilar Bastian Schweinsteiger dennoch ein ambivalentes Fazit. Schlusswort von Bundestrainer Joachim Löw: „Ich hätte auch nichts gegen einen 1:0-Sieg.“

Statistik

Schweden: Wiland – Bengtsson, Nilsson, Antonsson, M. Olsson – Elm (56. Svensson), Källström – Larsson, Kacaniklic (73. Durmaz) – Hysén, Toivonen (84. Wembloon).

Deutschland: Neuer – Lahm, Boateng, Hummels, Jansen – Schweinsteiger, Kroos – Müller (46. Götze), Özil (82. Draxler), Schürrle – Kruse (75. Höwedes).

Tore: 1:0 Hysén (6.), 2:0 Kacaniklic (42.), 2:1 Özil (45.), 2:2 Götze (53.), 2:3 Schürrle (57.), 2:4 Schürrle (66.), 3:4 Hysén (69.), 3:5 Schürrle (76.).

Schiedsrichter: Collum (Schottland).

Gelb: Olsson – Schürrle, Höwedes, Hummels.