Bundesliga

Die Bayern schicken Klopp die Schale

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München zerstört Leverkusens Hoffnungen mit 5:1, Dortmund steht nach dem 3:0 gegen Freiburg vor dem Meistertitel

Dortmund/München. Die Fans auf der legendären Dortmunder Südtribüne waren nicht mehr zu halten. Die Profis der Borussia tanzten vor der schwarz-gelben Wand ihren Siegestanz. Nach dem 3:0 des Tabellenführers gegen den SC Freiburg und dem 1:5-Ausrutscher des einzigen Verfolgers Bayer Leverkusen beim entthronten deutschen Meister Bayern München hat der BVB mehr als nur eine Hand an der Meisterschale. "Ein Superspiel", freute sich hernach Trainer Jürgen Klopp, "das hat Spaß gemacht." Selbst notorische Tiefstapler wie Sportdirektor Michael Zorc ließen sich von der Stimmung mitreißen. "Das war ein großer Schritt, ohne Frage", sagte Zorc.

Mit 69 Punkten haben die Borussen vor den letzten vier Partien acht Zähler Vorsprung auf die Leverkusener. Schon am Osterwochenende kann sich Dortmund tatsächlich zum Meister krönen - mit einem Sieg in Mönchengladbach, falls Leverkusen gleichzeitig gegen 1899 Hoffenheim nicht gewinnt. Schon jetzt steht das Team definitiv als Teilnehmer an der kommenden Champions-Lea gue-Saison fest.

Im 200. Bundesliga-Spiel für Trainer Jürgen Klopp versetzten die Torschützen Mario Götze (23. Minute) und Robert Lewandowski (43.) das mit 80 720 Zuschauern ausverkaufte Dortmunder Stadion frühzeitig in Feierlaune. Zuletzt hatten sich die beinahe entwöhnten Fans mit einem mageren Sieg aus den vergangenen vier Spielen begnügen müssen. Nach dem 3:0 durch Kevin Großkreutz (78.) dachten die Dortmunder Zuschauer dann nur noch an den siebten Meistertitel.

"Es wird sich nicht verhindern lassen, dass die Mannschaft mitbekommt, was dort passiert", hatte Klopp vor der Partie mit einem Verweis auf das Spitzenspiel in München gesagt. Und tatsächlich beflügelte das Resultat aus dem Süden die Begeisterung und den Siegeswillen der Schwarz-Gelben. Die Gäste aus Freiburg tauchten in den ersten 45 Minuten nur einmal gefährlich vor dem Dortmunder Tor auf. Schlussmann Roman Weidenfeller hatte mit dem Schuss von Cedrick Makiadi keine Probleme.

Ansonsten boten die Borussen jenen Angriffswirbel, der sie in dieser Saison so unwiderstehlich gemacht hatte. Der verletzte Torjäger Lucas Barrios wurde in der Sturmspitze von Lewandowski ersetzt. Der vergab gleich zweimal, wie auch Götze und Blaszczykowski, weitere Möglichkeiten. Auch dass Mittelfeldspieler Nuri Sahin nach einer knappen halben Stunde mit einer Innenbanddehnung im Knie ausgewechselt werden musste, störte den Spielfluss nicht.

Kaum jemand zweifelt nach diesem Abend noch an der Meisterschaft. Jürgen Klopp konnte es sich beim Stande von 3:0 erlauben, dem am Saisonende scheidenden Publikumsliebling Dede noch ein paar Spielminuten zu gewähren. Ein weiteres emotionales Erlebnis.

Eine Viertelstunde vor dem Anpfiff in Dortmund hatte Bayern München seinem mutmaßlichen Meisterschaftsnachfolger eine Steilvorlage gegeben. Andries Jonker feierte in seinem ersten Einsatz als Cheftrainer einen perfekten Einstand. Das 5:1 gegen die Mannschaft des künftigen Bayern-Trainers Jupp Heynckes war genau jene "Explosion", die Bayern-Präsident Uli Hoeneß seiner Mannschaft vorhergesagt hatte. Den angestammten Champions-League-Platz haben die Münchner jedenfalls wieder erobert und Hannover 96 auf Platz vier verdrängt. "Jetzt haben wir die Dinge selbst in der Hand", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Jupp Heynckes dagegen nahm die Demütigung an seiner baldigen Arbeitsstätte gelassen. "Wir haben noch vier Spieltage, um den zweiten Platz zu verwirklichen", sagte er. "Wir werden das wegstecken." Allerdings nicht noch einmal mit einer Einstellung wie in München: "Wir haben in der ersten Halbzeit alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte." Auf der Tribüne fand Bundestrainer Joachim Löw Leverkusens Leistung "unerklärlich".

Bei der frühen 1:0-Führung der Münchner hatte Leverkusens Kapitän Simon Rolfes (7. Minute) noch Pech. Aber dann erspielten sich die Bayern den Erfolg. Torschütze Mario Gomez schwärmte nach seinem Dreierpack (28./44./45.+1), das ihn mit 22 Treffern auf Platz eins der Torschützenliste hob, von "einer überragenden ersten Halbzeit". Das Fehlen des gesperrten Arjen Robben fiel an diesem Nachmittag nicht sonderlich auf. Nach dem einzigen Leverkusener Treffer durch Eren Derdiyok (62. Minute), dem ersten Torschuss der Gäste überhaupt, sorgte Franck Ribéry (75.) für den Endstand. Trainer Jonker verlangt für die Schlussphase der Saison nicht weniger, als "die letzten vier Spiele auch noch zu gewinnen". Das Duell gegen Leverkusen habe seine Mannschaft jedenfalls "mit großem Herzen und Einsatzwillen" im Mittelfeld für sich entschieden, sagte Jonker.

Was hat der neue Mann anders gemacht als Louis van Gaal, außer Jörg Butt wieder anstelle von Thomas Kraft ins Tor zu stellen? "Der Trainer hat mit uns viel gesprochen", sagte Kapitän Philipp Lahm.

( (HA) )

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