Ein eingelöstes Versprechen

Deutschland bezwingt Australien überzeugend mit 4:0 - Podolski, Klose, Müller und Cacau sichern den verdienten Auftaktsieg

Durban. Joachim Löw wirkte eine knappe halbe Stunde nach dem Abpfiff so ruhig, als ob er gerade drei Wochen Urlaub gehabt hatte. "Der Erfolg gibt uns zusätzliches Selbstbewusstsein", kommentierte der deutsche Nationaltrainer - elegant im schwarzen Sakko und blauen T-Shirt - den hoch verdienten 4:0-Sieg seiner Mannschaft gegen bedauernswerte Australier betont nüchtern, "jetzt geht das Turnier für uns erst richtig los." Dass diese junge deutsche Nationalmannschaft eine große Zukunft haben konnte, war angesichts der Talentanhäufung allen klar. Offen schien nur, ob die Spieler schon jetzt internationale Klasse zeigen würden. Der Erfolg gegen Australien gestern Abend in Durban gab trotz der löwschen Zurückhaltung eine eindeutige Antwort: Ja, sie kann! Und wie!

Es war ein Spiel der eingelösten Versprechen. Bundestrainer Joachim Löw hatte während der Vorbereitung vorausgesagt, dass Lukas Podolski in Südafrika "explodieren" würde - und er tat es, als er mit einem Gewaltschuss zur 1:0-Führung zündete. Es war bereits sein 39. Länderspieltor. Miroslav Klose wiederum hatte vorausgesagt, dass er bis zum 13. Juni bereit sein würde für die WM. Und nach mehreren vergebenen Torchancen traf er per Kopf zum 2:0 und sorgte schon in der ersten Hälfte für Glückseligkeit unter den 4000 deutschen Fans auf der Tribüne. Mit seinem nun schon elften WM-Tor rückt er dem führenden Ronaldo (15) in der ewigen WM-Rangliste immer näher. "Mich wundert, dass keiner vorher an die beiden geglaubt hat", freute sich Löw nach dem Spiel. Der 20-jährige Thomas Müller galt dagegen bereits vor der WM als eines der größten Versprechen dieser DFB-Elf - und zeigte in seinem besten Länderspiel eindrucksvoll, warum. Und schließlich löste auch der spät eingewechselte Cacau mit seinem Blitztor das Versprechen ein, auch als Joker alles zu geben.

Die wichtigste Erkenntnis lautet aber, dass die DFB-Auswahl in der Lage war, die von Löw gestellten Aufgaben umzusetzen. Eine Augenweide, wie die hinter der Mittellinie dicht gestaffelt stehenden und als defensiv so stark eingestuften Australier immer wieder mit schnellen Attacken und wenigen Kontakten schwindelig gespielt wurde. Ein Sonderlob hatte sich zweifellos Mesut Özil verdient, der aus einer insgesamt bärenstarken Mannschaft noch mal deutlich hervorstach. Es machte einfach Spaß, diesem deutschen Spiel zuzuschauen. Wer den Rumpelfußball von früher sehen will, muss im Museum eine Videokonserve öffnen. In dieser neuen Mannschaft ist dafür kein Platz. Und Philipp Lahm lag mit seinem Versprechen, dies sei die bisher beste Nationalmannschaft, in der er dabei war, offensichtlich auch nicht daneben - auch wenn man sicherlich relativieren muss, dass die Socceroos, die nach der Roten Karte führ Tim Cahill in der 56. Minute zu allem Überfluss zu zehnt weiterspielen mussten, an diesem Abend nicht höchsten Ansprüchen genügten.

Neben den Spielern darf sich aber auch vor allem Löw als Gewinner fühlen. Dass er mit Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose drei Münchner aufbieten würde, war im Vorfeld sicher, der Einsatz von Holger Badstuber in der linken Verteidigung wahrscheinlich - und die Nominierung von Müller im rechten Mittelfeld eine Last-Minute-Entscheidung. "Wenn ich schon dabei bin, wollte ich auch zeigen, was ich kann. Wir haben bewiesen, dass wir kombinieren können", sagte Müller nach seinem gelungenen WM-Debüt. Leidtragender war HSV-Profi Piotr Trochowski, der in allen drei Testspielen von Anfang an gespielt hatte. Doch nicht nur wegen Müllers Tor zum 3:0 und seiner Vorarbeit zum 1:0 durfte sich Löw bestätigt sehen.

Wer unbedingt ein Haar in der Feinschmeckersuppe finden wollte, musste sein Augenmerk auf die deutsche Abwehr richten. Denn während Per Mertesacker einen soliden Job in der Innenverteidigung erledigte, sah sein Nebenmann Arne Friedrich bei der einen oder anderen Situation nicht immer souverän aus. Allerdings wäre es auch beängstigend, wenn Bundestrainer Löw nach seinem 50. Länderspiel überhaupt nichts zu kritisieren hätte.

Am Ende hatte die deutsche Mannschaft wieder einmal ihren Ruf als Frühstarter eindrucksvoll bestätigt. Nur einmal (1982 1:2 gegen Algerien) ging eine DFB-Auswahl mit einer Niederlage ins Turnier, dagegen gelangen elf Siege. Bei den WM-Titeln 1954, 1974 und 1990 wurde das erste Spiel jeweils gewonnen. Das nächste Spiel gegen Serbien am Freitag in Port Elizabeth (13.30 Uhr/ZDF) kann kommen.

Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Friedrich, Badstuber - Schweinsteiger, Khedira - Müller, Özil (74. Gomez), Podolski (81. Marin) - Klose (68. Cacau).

Australien: Schwarzer - Wilkshire, Neill, Moore, Chipperfield - Valeri, Grella - Emerton (74. Jedinak), Cahill, Culina - Garcia (64. Rukavytsya).

Tore: 1:0 Podolski (8.), 2:0 Klose (26.), 3:0 Müller (68.) 4:0 Cacau (70.).

Schiedsrichter: Rodriguez (Mexiko). Zuschauer: 62 000. Rote Karte: Cahill (56./grobes Foulspiel). Gelbe Karten: Özil, Cacau - Neill, Valeri.

Das Team von DEUTSCHLAND

Der Kader von AUSTRALIEN