Eishockey DEL

Schluss mit lustig bei den Hamburg Freezers

Hamburgs Eishockeyteam erzürnt Trainer Benoît Laporte mit der 3:4-Niederlage nach Verlängerung gegen die Krefeld Pinguine.

Hamburg. Die dunkelblaue Krawatte, mit der der in einen ebenso dunkelblauen Anzug gekleidete Benoît Laporte sein apartes Äußeres abzurunden versucht hatte, musste dran glauben, noch bevor er den ersten Satz gesprochen hatte. Der Trainer der Hamburg Freezers hatte einen mächtig dicken Hals, und das lag weder an Viren noch Bakterien, sondern an der Darbietung seines Teams, das den Übungsleiter mit einer pomadigen Vorstellung am Sonntagnachmittag gegen die Krefeld Pinguine vor 6631 Fans in der O2 World verärgert hatte. „Wir hatten leider zwei Sturmreihen, die nur gespielt haben, um nicht zu verlieren. Die Importspieler haben nicht ausgeführt, was wir besprochen hatten. So kann man nicht gewinnen“, sagte der 53-Jährige, nachdem der Fehlstart in die Saison 2013/14 in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) durch die 3:4 (2:2, 1:0, 0:1, 0:1)-Niederlage nach Verlängerung perfekt war.

Ein Sieg und fünf Punkte nach vier Spielen stehen für die Hamburger auf der Habenseite. Das ist zu wenig für eine Mannschaft, die unter die besten vier der Liga will. Niemand hatte erwartet, dass zu einer so frühen Phase der Saison schon alles rund laufen würde, und natürlich könnte man sagen, dass ja noch 48 Spiele Zeit zum Einspielen sind, bevor im Play-off-Modus, den die DEL spielt, der Titel vergeben wird. Doch wer Laporte kennt, der weiß, dass er so niemals denken würde. Der Frankokanadier möchte, dass seine Spieler in jedem Spiel, vor allem aber vor heimischem Publikum an ihre Grenzen gehen. Und genau das musste man in der Partie gegen den Tabellenführer weiten Teilen des Teams absprechen.

„Wenn sich heute jeder kritisch hinterfragt, ob er alles für den Sieg gegeben hat, dann dürfte es in dieser Kabine nicht viele geben, die das behaupten können“, übte Kapitän Christoph Schubert Kritik, in die er sich ob seiner seltsam fahrigen Spielweise auch selbst einzuschließen hatte. Zwei Dinge waren es, die besonders negativ auffielen. In der Offensive kreierten die „Eisschränke“ zwar diverse gute Torchancen, es fehlte jedoch der letzte Wille, das schon häufiger vermisste Stück Killerinstinkt, das nötig ist, um aus diesen Gelegenheiten das Maximale herauszuholen.

Einzig der deutschen Paradereihe mit Jerome Flaake, der im ersten Drittel innerhalb von elf Sekunden den 0:1-Rückstand in eine 2:1-Führung verwandelte, und David Wolf, der wie aufgedreht spielte und mit einer energiegeladenen Einzelleistung das 3:2 erzwang, war mehr als ein Bemühen anzumerken, das Spiel gewinnen zu wollen. Die Sturmreihen mit den Dänen Morten Madsen und Julian Jakobsen, den Kanadiern Philippe Dupuis, Matt Pettinger und Adam Mitchell sowie dem deutschen Nationalstürmer Thomas Oppenheimer, die Laporte während des Spiels munter durchmischte, wirkten unharmonisch, es wurde kaum zusammengespielt, jeder versuchte für sich allein den Erfolg zu erzwingen.

Das zweite Problem war das Defensivverhalten des gesamten Teams, das sich zu oft von den – zugegeben starken – Krefeldern düpieren ließ. Im Unterzahlspiel wurde zu passiv agiert, und weil auch Torhüter Niklas Treutle einen durchwachsenen Nachmittag erwischt hatte, war die Niederlage in letzter Konsequenz verdient. Wohltuend war, dass die Akteure weder die Ausfälle wichtiger Leistungsträger wie Abwehrroutinier Mathieu Roy noch die schwache Leistung der Schiedsrichter, die in einer fairen Partie 32 Strafminuten verteilten, als Entschuldigung anführten. „Der letzte Biss hat gefehlt, wir waren unkonzentriert und schlampig und müssen uns an die eigene Nase fassen“, bilanzierte Kapitän Schubert.

Dass sich seine Spieler auf eine anstrengende Trainingswoche einstellen müssen, deutete Laporte an, bevor er, die Krawatte in der rechten Hand, den Presseraum verließ. „Wir werden Lösungen finden müssen, die Spieler sollen Wege aufzeigen, wie wir wieder in die Spur kommen“, sagte der Coach, „wenn ich am Dienstag noch genauso aufgepumpt bin wie jetzt, dann wird es für die Jungs nicht lustig werden.“ Schluss mit lustig also bei den Freezers.

Tore: 0:1 (1:46) Sofron (Schymainski, Voakes), 1:1 (8:22) Flaake (Schmidt, Festerling) 5-4, 2:1 (8:33) Flaake (Festerling), 2:2 (19:54) Pietta (Courchaine), 3:2 (28:13) Wolf (Flaake, Festerling), 3:3 (44:57) Voakes (Schymainski, Sofron), 3:4 (63:46) Voakes (Clark). Strafminuten: 12/20. SR: Bauer/Daniels (Nürnberg/Gelsenkirchen). Zuschauer: 6631.