Eishockey DEL

Laportes Benimmregeln für die Play-off-Spiele der Freezers

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Björn Jensen und Alexander Berthold

Am Mittwoch starten die Hamburger gegen die Eisbären Berlin in der Runde der letzten Acht. Mit viel Disziplin.

Hamburg. Ist es denkbar, dass Reiner Calmund um jeden Nachtisch einen Bogen macht? Oder dass Claudia Roth nur noch nette Dinge über die FDP sagt? Dass Kim Jong-un den Friedensnobelpreis erhält oder Til Schweiger einen Oscar? Benoît Laporte hat sich vorgenommen, in der an diesem Mittwoch startenden Play-off-Viertelfinalserie der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) seine Emotionen zu kontrollieren. Wer den Cheftrainer der Hamburg Freezers bei der Ausübung seines Jobs beobachtet, der würde das Gelingen dieses Vorhabens für so realistisch halten wie ein Ja auf die vorangestellen Fragen.

Laporte ist ein Trainer, der von seinen Emotionen lebt. Er spielt hinter der Bande mit, er diskutiert mit den Schiedsrichtern und treibt seine Spieler unentwegt nach vorn. Doch im Duell mit Titelverteidiger Eisbären Berlin, der im ersten Spiel der Serie (19.30 Uhr/Servus TV live) Heimrecht hat, will er all das nicht mehr tun. "Ich werde mir oft auf die Zunge beißen müssen. Aber die Stimmung ist schon aufgeheizt genug. Wenn ich nicht die Ruhe bewahre, dann explodiert die Bank", sagte der Frankokanadier, als er sich am Montag in einer Loge in der O2 World den Medienvertretern stellte.

Emotionskontrolle ist das Zauberwort, dessen Umsetzung im vierten Viertelfinalduell mit Berlin nach 2003, 2008 und 2009 den ersten Sieg und damit den zweiten Halbfinaleinzug der Clubhistorie bringen soll. Laporte hat einige Regeln aufgestellt, die sein Team zu befolgen hat. Ganz oben auf der Liste: "Niemand diskutiert mit den Schiedsrichtern!" Das gezielte Provozieren von dafür anfälligen Gegenspielern ist das einzige verbale Kampfmittel, das Laporte gestattet. "Ansonsten müssen wir alles vermeiden, was uns auf die Strafbank bringt. Wer seine Emotionen besser im Griff hat, und das nicht nur auf dem Eis, sondern auch an den Tagen zwischen den Spielen, der wird gewinnen", sagt der 52-Jährige.

Die Favoritenrolle schiebt Laporte den in der Hauptrunde bisweilen überraschend schwachen Berlinern zu. "Die Eisbären sind trotz allem immer gefährlich, sie haben ein Topteam", sagt er. Andererseits sei im Training zu spüren, dass seine Spieler mit großer Vorfreude und Optimismus auf die Serie hinarbeiten, "mit großem Respekt zwar, aber ohne Angst". Am Spieltag wird Laporte seinem Team ein Video mit den emotionalsten Szenen der Hauptrunde zeigen. Der Vorteil: Er muss dann nichts sagen, um die Mannschaft richtig anzuheizen.

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