Hamburg. Der Hamburger Boxer Peter Kadiru kassiert überraschend eine herbe Klatsche – mit weitreichenden Folgen.

Während der Mann, der die Party gecrasht hatte, ausgelassen jubelte, versteckte Peter Kadiru sein Gesicht unter einem weißen Handtuch. Nichts sehen, nichts hören – am liebsten hätte sich der deutsche Meister im Schwergewicht unsichtbar gemacht am Sonnabendabend vor 400 geladenen Gästen im Porsche-Zentrum an der Lübecker Straße, zu tief saß die Scham über den eigenen Auftritt.

Was auf der Premierenveranstaltung des neuen Hamburger Profiboxstalls P2M, für den der 25-Jährige sich von seinem langjährigen Magdeburger Promoter SES Boxing losgesagt hatte, als Aufgalopp zur ersten EM-Chance geplant war, geriet im 15. Profikampf zur ersten Niederlage – und zwar zu einer, die nachwirken dürfte. „Davon müssen wir uns erst einmal erholen. Wir haben sehr viel Arbeit vor uns“, sagte Cheftrainer Christian Morales konsterniert.

Bricht Hamburger Kadiru an diesem Boxkampf?

Was war passiert? Gegen den Argentinier Marcos Antonio Aumada (35), der seine Schlagstärke zwar des Öfteren nachgewiesen, aber auch elf seiner bis dato 34 Profikämpfe verloren hatte – darunter ein Erstrunden-K.-o. gegen den Kubaner José Larduet vom Hamburger Universum Stall –, war Kadiru so lethargisch, wie man es von ihm schon zu oft gesehen hat, in den Kampf gestartet.

Gegen seinen ersten Gegner von gehobenem Format ging das erstmals schief, und zwar in einer Form, die so manchen Kämpfer in der Vergangenheit gebrochen hat. Eine Kombination aus hartem Körper- und Aufwärtshaken schickte ihn bereits nach 20 Sekunden in den Ringstaub; alles, was danach kam, erinnerte der gebürtige Hamburger später nicht mehr. Mit einem weiteren krachenden Aufwärtshaken zum Kopf beendete Aumada den Kampf nach 58 Sekunden der ersten Runde.

Zurück blieben ein am Boden zerstörter Kämpfer und ein Team, das nun harte Aufbauarbeit wird leisten müssen. Die EM-Chance gegen den Kroaten Alen Babic ist zunächst dahin, im März hofft Cheftrainer Morales seinen Schützling wieder für einen Aufbaukampf fit zu bekommen. „Solche Dinge passieren im Schwergewicht, wenn man nicht aufpasst und nicht die richtige Spannung hat“, sagte Kadirus Hamburger Manager Bernd Bönte, als ehemaliger Wegbegleiter der Klitschko-Brüder erfahren in überraschenden K.-o.-Niederlagen.

Ist der Schock um Kadiru hausgemacht?

Allerdings kommt bei Kadiru erschwerend hinzu, dass ihm die boxerische Klasse eines Wladimir Klitschko ebenso abgeht wie das unerschütterliche Kämpferherz eines Vitali Klitschko. Zudem rächte sich nun, dass er in den vergangenen Jahren deutlich zu selten im Wettkampf gefordert war und zudem auch kaum Gegnerschaft gehobener Qualität vor den Fäusten hatte. Ein cleverer Boxer hätte sich nach dem ersten Niederschlag mit Klammern über die Runde gerettet, anstatt sich als wehrloses Ziel zu stellen. „Er kann aus diesem Kampf sehr viel lernen und daraus stärker hervorgehen, wenn er die richtigen Lehren zieht“, sagte Bönte.

Kadirus Klatsche war ein dicker Wermutstropfen in einem Premierencocktail, der Appetit auf mehr machte. So konnte die Hamburger Leichtgewichtlerin Dilar Kisikyol (30) im achten Profikampf den WM-Titel des renommierten Weltverbands WIBF gewinnen. Warum allerdings eine derart limitierte Gegnerin wie Eva Hubmayer (36/Euskirchen) eine solche Titelchance erhielt, bleibt das Geheimnis der Verbandsoberen. Mit dreimal 100:90 werteten die Punktrichter das einseitige und kaum WM-würdige Geschehen. „Jeder, der mich kennt, weiß, wie viel Kraft und Zeit ich für diesen Tag aufgewendet habe“, sagte die Tochter türkischer Eltern mit kurdischen Wurzeln.

Weitaus niveauvoller war der zweite Hauptkampf des Abends, in dem sich die Berliner Federgewichtlerin Nina Meinke (29) im dritten Anlauf erstmals zur Weltmeisterin durchschlug. Das Duell um die WIBF-Krone mit der Argentinierin Edith Soledad Matthysse (42) entpuppte sich als der befürchtet zähe Fuß-an-Fuß-Schlagabtausch, das zwar verdiente, aber zu deutliche Punkturteil (99:91, 98:92, 97:93) spiegelte das über weite Strecken ausgeglichene Faustgefecht unzureichend wider. „Das ist der schönste Abend meines Lebens, hier geht ein Traum in Erfüllung, für den mein Team und ich viele Jahre gearbeitet haben“, jubelte Nina Meinke.

Kadirus Manager Bönte hat doch noch Grund zur Freude

Dass Bönte, Morales und P2M-Hauptinvestor und Logistikunternehmer Axel Plaß zumindest mit einem lachenden Auge in die Nacht gehen konnten, hatten sie Viktor Jurk zu verdanken. Der 22 Jahre alte Schwergewichtler aus Flensburg wies seine vielversprechenden Anlagen nach, indem er den Berliner Journeyman Tayfun Kurt (42) nach 15 Sekunden der ersten Runde mit einem linken Kopfhaken aus dem Lehrbuch ausknockte, bei dem er seine Hebel perfekt zur Geltung brachte und die Kraft für den Schlag aus dem gesamten Körper holte. 15 Sekunden waren das, die den 2,04 Meter langen Rechtsausleger bei seinem dritten K.-o.-Sieg im dritten Profikampf ins Rampenlicht schoben.