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Der neue Hype um den HSV: Wie lange hält er an?

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Es gibt nur 28 Clubs weltweit, die bei Heimspielen mehr Fans im Schnitt haben als der HSV. Nimmt man nur die Zweitligisten, ist der HSV sogar Weltmarktführer.

Es gibt nur 28 Clubs weltweit, die bei Heimspielen mehr Fans im Schnitt haben als der HSV. Nimmt man nur die Zweitligisten, ist der HSV sogar Weltmarktführer.

Foto: FrankPeters / WITTERS / FrankPeters

Restlos ausverkaufte Stadien, grenzenlose Euphorie auf Social-Media-Plattformen: Doch wie nachhaltig ist diese Begeisterung?

Hamburg.  Getroffen haben sich Björn Hoffmann und Nils Krüger schon öfters – allerdings noch nie in der realen Welt. Die beiden HSV-Fans kennen und schätzen sich vorrangig aus den sozialen Medien. Björn(52) leitet als Admin die größte HSV-Gruppe auf Facebook mit mehr als 30.000 Mitgliedern. Nils (29) ist verantwortlich für „HSVInside“, den zweitgrößten HSV-Fankanal auf Instagram mit mehr als 20.000 Abonnenten. „Der HSV ist unsere Welt“, sagt Björn in der Abendblatt-Redaktion, als er und Nils im Rahmen der neuen Podcast-Ausgabe von „HSV – wir müssen reden“ erstmals an einem Tisch in der realen Welt miteinander über ihr liebstes Hobby philosophieren wollen. Um es vorwegzunehmen: Das analog geplante Date mutiert trotzdem zum digitalen Treffen, weil Nils ein positiver Corona-Schnelltest einen Strich durch die Rechnung macht. So wird zwar fleißig gefachsimpelt – allerdings nur über Zoom.

HSV Hamburg: „Schon in der vergangenen Saison hat es einen Aufschwung der Stimmung gegeben“

Doch auch über die Entfernung sind sich die beiden HSV-Influencer schnell einig, dass – zumindest sportlich – aktuell eine echte HSV-Begeisterung wahrzunehmen ist. „Für mich hat die Euphorie durch die Erfolge in den vergangenen Wochen begonnen“, sagt Björn, während Nils den Start des Hypes sogar schon ein paar Monate vorher ausgemacht hat: „Schon in der vergangenen Saison hat es einen Aufschwung der Stimmung gegeben.“

So oder so, der von beiden HSV-Anhängern identifizierte Aufschwung ist auch an ganz konkreten Zahlen festzumachen. Beim Auswärtsspiel in Hannover am Freitag (18.30 Uhr/Sky) sollen wieder mehr als 10.000 Hamburger dabei sein, das kommende Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern wird mit 57.000 Zuschauern ausverkauft sein. Ursprünglich hatte der HSV mit 28.000 Zuschauern pro Spiel kalkuliert, aktuell liegt der Club bei 47.355 Zuschauern. „Wir haben in den vergangenen Monaten etwas geschaffen, eine Identität kreiert“, sagt am Mittwoch auch HSV-Trainer Tim Walter. „Auf dieser Welle wollen wir gemeinsam weitersurfen.“ Nimmt man jeweils die ersten drei Profiligen, liegt Walters Club im Zuschauerranking weltweit sogar vor Topvereinen wie Paris Saint-Germain (45.667 Zuschauer/34. Platz), FC Chelsea (39.941/ 43.) oder Juventus Turin (37.646/48.) als mit Abstand bester Nicht-Erstligist auf einem herausragenden 29. Platz.

Enthüllungen um Wüstefeld: „Ein Großteil der Fans ist einfach nur genervt“

Für Nils und Björn ist der HSV natürlich die Nummer eins. Dass man sich wegen einer Ausgliederung vom Club des Herzens lossagt, können sie nicht verstehen. „Ich könnte das gar nicht“, sagt Nils, der hofft, rechtzeitig bis Freitag wieder negativ zu sein, um mit einem positiven Gefühl nach Hannover reisen zu können. „Die Voraussetzungen sind eigentlich die besten, die wir in der Zweiten Liga bislang hatten“, sagt der Schenefelder.

Wer nun aber glaubt, dass die blau-weiß-schwarze HSV-Welt plötzlich rosarot ist, der irrt. Das haben auch Björn und Nils mit ihren feinen digitalen Antennen längst mitbekommen. Die Enthüllungen rund um Vorstand Thomas Wüstefeld, die Vorstandsstreitigkeiten, der intransparente Aufsichtsrat und die finanziellen Schwierigkeiten sind Themen, die auch die zahlreichen HSV-Anhänger im Netz schwer beschäftigen. „Ein Großteil der Fans ist einfach nur genervt“, sagt Nils. „Der HSV hatte sich in den vergangenen Jahren endlich wieder ein gutes Image aufgebaut. Das geht gerade ziemlich kaputt.“

HSV bei Social-Media: "Spielt der HSV Unentschieden, wird alles hinterfragt"

Wie sehr all die Themen auch den HSV-Frieden belasten, bekommt besonders Face­book-Admin Björn mit, der zunehmend Kommentare und Posts unter der Gürtellinie löschen muss. „Bei Facebook ist die Meinung klar gegen Wüstefeld. Aber grundsätzlich ist die Stimmung derzeit nur noch schwarz oder weiß. Ich bin da eher im Graubereich.“ Gemeinsam mit sieben weiteren Mitstreitern sorgt er in der HSV-Facebook-Gruppe für eine gewisse Gesprächskultur, die Verbalangriffe unter der Gürtellinie nicht duldet.

Der soziale Frieden ist auch Nils in den sozialen Netzen wichtig. Besonders die Themen rund um Wüstefeld, Klaus-Michael Kühne und die Vereinspolitik werden bei Instagram genauso kontrovers wie auf der Tribüne diskutiert. Auch Nils hat eine klare Meinung: „Die Personalie Wüstefeld schadet dem HSV. Dass Marcell Jansen dem keinen Riegel vorschiebt, kann ich nicht verstehen“, sagt der Dauerkartenbesitzer, der im Stehplatzbereich 25A zu Hause ist. Doch genauso wichtig wie eine klare Meinung ist Nils, dass weder analog auf der Tribüne noch digital Foul gespielt wird. Deswegen hat Nils hat bei „HSVInside“ sogar fünf Mit-Admins, die sich mit den kleinen und großen Fragen rund um den HSV beschäftigen.

Zumindest im sportlichen Bereich ist die Social-Media-Welt einfach. „Gewinnt der HSV, ist alles super. Spielt der HSV Unentschieden, wird alles hinterfragt“, sagt Björn, der nach dem Hannover-Spiel am Freitag auf ein entspanntes Facebook-Wochenende hofft. „Von mir aus darf der Hype gerne noch ein bisschen anhalten.“

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