Boxen

Das neue, saubere Leben eines Hamburger Boxtalents

| Lesedauer: 4 Minuten
Björn Jensen
Früher schickte Mertion Rexhepi seine Gegner auf den Boden. Nun sorgt er dafür, dass die Böden in Norddeutschland sauber sind.

Früher schickte Mertion Rexhepi seine Gegner auf den Boden. Nun sorgt er dafür, dass die Böden in Norddeutschland sauber sind.

Foto: Hamburger Abendblatt/Roland Magunia

Der frühere Bundesligaboxer Meriton Rexhepi führt ein in ganz Norddeutschland tätiges Unternehmen für Steinreinigung.

Hamburg. Keine Frage, ein klassischer K.-o.-Sieg lässt die Glückshormone strömen. Aber diesen Wow-Effekt, den Meriton Rexhepi in seinem neuen Leben so liebt, den hätte ihm das Boxen wohl nie beschert. „Zu sehen, wie erstaunt die Kunden sind, wenn sie den Vorher-Nachher-Vergleich haben, macht mich jedes Mal wieder richtig glücklich“, sagt der 26-Jährige, während er auf seinem Mobiltelefon hin- und herwischt, um die entsprechenden Fotobelege zu erbringen. Fotos von komplett verdreckten Steinen, die einen Wisch weiter wieder wie neu glänzen.

Boxen: Für eine Karriere im Ring brach er sein Fachabitur ab

Meriton Rexhepi galt als eins der größten Hamburger Boxtalente. Der in Reinbek geborene Sohn kosovarischer Eltern erlernte den Faustkampf beim TH Eilbeck, kämpfte mehrere Jahre in der Bundesliga, zuletzt für die Hamburg Giants. Für den Traum vom Profiboxen brach er sogar sein Fachabitur ab. Doch als ihn eine Rippenverletzung für mehrere Monate in eine Auszeit zwang, setzte ein Umdenken ein. „Ich spürte, dass ich einen Plan B brauchte, weil mir bewusst wurde, wie schnell es mit dem Sport vorbei sein kann“, sagt er.

Im November 2018 bestritt er im Gewichtslimit bis 75 Kilogramm seinen letzten Kampf für die Giants. Über den Sport war er mit Robert Kurowski in Kontakt gekommen, der in Rostock das Unternehmen „Die Steinreiniger“ führte. „Ich hatte bis dahin mit der Materie überhaupt nichts am Hut, hatte neben dem Boxen im Garten- und Landschaftsbau gejobbt. Aber nachdem ich erste Seminare besucht hatte, war ich total fasziniert“, sagt er.

Rexhepi hat ein erfolgreiches Kleinunternehmen gegründet

Im April 2019 hatte Meriton Rexhepi, nachdem er sich mit dem Erstellen von Businessplänen angefreundet und die Banken in Norddeutschland abgeklappert hatte, als erster Lizenznehmer sein Gewerbe „Die Steinreiniger Nord“ angemeldet. Drei Jahre später ist daraus ein florierendes Kleinunternehmen mit Sitz an seinem Wohnort Bad Oldesloe geworden, in dem neben einem Vollzeitangestellten und zwei Minijobbern auch seine Eltern und seine Schwester mitarbeiten.

Drei Transporter besitzt Meriton Rexhepi, der als Geschäftsführer vor allem für Kundenakquise und Marketing verantwortlich ist, sein Einsatzgebiet erstreckt sich mittlerweile auf Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein.

Gereinigt wird in einem Vierstufensystem alles, was gepflastert ist, von der kleinen Terrasse eines Privatkunden bis hin zu großen Freiflächen wie zuletzt rund um das Emporio-Quartier am Valentinskamp. „Wir nutzen zur Grundreinigung nur kochendes Wasser ohne chemische Substanzen und komplett biologisch abbaubaren Algen- und Flechtenschutz, bieten eine kostenlose Probereinigung und die Garantie, dass die Fläche mindestens vier Jahre sauber bleibt“, sagt er.

Das Boxen fehlt dem ehemaligen Toptalent

Die Abgrenzung zu den vielen schwarzen Schafen der Branche, die ihm den Geschäftseinstieg erschwert hätten, ist ihm wichtig. „Mein Anspruch ist wie beim Boxen: Ich will höchste Qualität liefern!“

Tatsächlich fehlt ihm der Sport manchmal; vor allem, weil er seiner früheren Gewichtsklasse deutlich entwachsen ist. „Ich habe noch viel Kontakt zu den Jungs von damals, besuche sie manchmal im Training. Sport kommt definitiv zu kurz in meinem Leben. Selbstständig zu sein bedeutet eben, selbst und ständig zu arbeiten. Aber trotzdem bin ich sehr glücklich mit dem Weg, den ich gegangen bin“, sagt er.

Sein nächstes Ziel ist, weitere Standorte in Hamburg und Schleswig-Holstein zu eröffnen, um bei Kundenanfragen innerhalb einer Stunde vor Ort sein zu können. „Ich bin sehr hungrig, will wachsen und gebe mich nie zufrieden“, sagt er. Es ist der Leistungssportler von früher, der da spricht.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport