Boxen

„So ein Interesse fürs Boxen gab es lange nicht"

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Der Kubaner José Larduet betreibt seinen Sport beruflich.

Der Kubaner José Larduet betreibt seinen Sport beruflich.

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Der Hamburger Profiboxstall Universum will dem Sport neues Publikum erschließen und setzt dabei auf das Internet. Die Hintergründe.

Hamburg. Ismail Özen ist dafür bekannt, zu Euphorie zu neigen. Kein Wunder also, dass der Chef des Hamburger Profiboxstalls Universum sein Fazit schon zieht, bevor an diesem Sonnabend (18 Uhr) im Gym an der Großen Elbstraße der erste Gong ertönt. „Es ist Wahnsinn, was wir da geschafft haben. So ein Interesse fürs Boxen gab es in Deutschland lange nicht“, jubelt der 40-Jährige. Nun: Was die Entwicklung der Zugriffszahlen im Internet angeht, mag Özen recht haben. 110.000 Abonnenten – und damit 13-mal mehr als vorher – interessieren sich seit dieser Woche für den hauseigenen Youtube-Kanal „UniversumTV“, der den Kampfabend im Livestream überträgt.

Der Grund dafür liegt indes nicht in der Qualität der avisierten Profikämpfe, sondern darin, dass im Rahmenprogramm vier junge Männer aufeinander einschlagen werden, die im „richtigen Leben“ als Youtuber ein Millionenpublikum anziehen. Leon Machère und Standart Skill sowie ApoRed und KSFreak beschäftigen sich normalerweise mit Videos bisweilen fragwürdigen Inhalts zu den Themen Rapmusik, Gaming und Lifestyle.

Boxen: Youtube soll Quote hochtreiben

Nun sollen sie als Faustkämpfer dafür sorgen, die Quote hochzutreiben. Ein Geschäftsmodell, das in den USA bestens funktioniert, wo Social-Media-Superstar Logan Paul es im vergangenen Jahr sogar bis zu einem Duell mit Box-Ikone Floyd Mayweather schaffte.

Die Gefahr, dass mit Showelementen dieser Art das Profiboxen und mithin sein Kerngeschäft verwässert werden könnte, sieht Özen nicht. „Es geht uns darum, über diese Kämpfe junge Menschen für das Boxen zu interessieren, die bislang noch keinen Zugang dazu hatten“, sagt er. Wegen der Corona-Beschränkungen nur 200 Fans zulassen zu dürfen, sei ein herber Verlust. „Wir hätten locker eine Halle mit 5000 Plätzen ausverkaufen können“, sagt er.

Boxen: „Wir sehen doch, dass das in den USA funktioniert"

Robert Harutyunyan (32), früher selbst Profi und heute Sportdirektor bei Universum, ist es ein Anliegen, auf die sportliche Ernsthaftigkeit der Youtuber-Kämpfe hinzuweisen. „Das ist alles andere als Show. Sie haben Vorerfahrungen im Boxen und sich auf die Kämpfe genauso lange vorbereitet wie unsere Profis. Das wird knallharte Action, da ist nichts abgesprochen“, sagt er. Auch Harutyunyan, dessen Bruder Artem (31) wegen einer Erkältung nicht in den Ring steigen kann, fürchtet keine negativen Auswirkungen auf das Profiboxen: „Wir sehen doch, dass das in den USA funktioniert. Es passt in unsere Zeit.“

Zehn Profikämpfe stehen auf der Fightcard. Hauptkämpfer ist, nachdem der kasachische Schwergewichtler Zhan Kossobutski wegen positiver Corona-Tests in seinem Team zurückziehen musste, der Kubaner José Larduet (31), der gegen den Serben Dusan Veletic (26) um die internationale WBC-Meisterschaft im Schwergewicht kämpft. „Für José ist dieser Kampf der nächste Schritt in Richtung einer WM-Chance. Er muss zeigen, dass er dafür bereit ist“, sagt Özen. Wenn eine sechsstellige Zahl an Fans im Internet dabei zusieht, wäre sein Plan aufgegangen.

( bj )

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