Schwimmen

Hannah Küchler: „Ich werde alles reinhauen, was ich habe“

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Hannah Küchler erlebte in Tokio ihre Olympiapremiere.

Hannah Küchler erlebte in Tokio ihre Olympiapremiere.

Foto: IMAGO / camera4+

Hamburgs Schwimmhoffnung will in dieser Woche bei der EM in Kasan ihre Entwicklung vorantreiben. Was sie noch optimieren will.

Hamburg. Allzu hohe Erwartungen will sie nicht schüren. „Kurzbahn ist nicht meine Präferenz. Wir schwimmen aus dem vollen Training, deshalb werden es sicherlich keine Spitzenzeiten werden. Aber ich werde natürlich alles reinhauen, was ich habe“, sagt Hannah Küchler, und wer ihr dabei ins Gesicht schaut, der sieht eine Mischung aus Realismus und Entschlossenheit, die Hoffnung macht.

Nicht auf Medaillen, das wäre vermessen. Aber darauf, dass Hamburgs einzige Olympiastarterin im Schwimmen bei der Kurzbahn-EM in Kasan (Russland), die an diesem Dienstag eröffnet wird, anknüpfen kann an die Leistungen, die sie zu einer der größten Hoffnungsträgerinnen des Hamburger Bundesstützpunktes gemacht haben.

Schwimmen: Blicke richten sich Hannah Küchler

Auch Rückenspezialistin Sonnele Öztürk (23) und das in der vergangenen Woche zu fünf deutschen Jahrgangsmeistertiteln geschwommene Toptalent Nele Schulze (17) sind aus der Trainingsgruppe von Veith Sieber in Russland am Start. Die Blicke richten sich jedoch vorrangig auf Hannah Küchler, die mit ihrem Auftritt als Schlussschwimmerin der als Vorlauf-13. nicht ins Finale
gekommenen 4x100-Meter-Freistilstaffel in Tokio zumindest eine erste internationale Duftmarke hatte setzen können. „Ich merke schon, dass meine Bekanntheit in der Szene dadurch gestiegen ist“, sagt die 19-Jährige, die 2017 aus Potsdam nach Hamburg gewechselt war.

Mit ihrer in Japan geschwommenen persönlichen Bestzeit von 54,86 Sekunden war die Schülerin der Eliteschule des Sports am Alten Teichweg nicht vollumfänglich zufrieden. „Ich hatte mehr von mir erwartet, war aber doch aufgeregter, als ich gedacht hätte. Die Tage vor dem Rennen waren super, aber je näher der Start rückte, desto nervöser wurde ich. Auf dem Startblock war ich dann fast wie betäubt“, sagt sie rückblickend.

Küchler will an Starts und Wenden arbeiten

Eine Erfahrung ist das, die viele Athletinnen und Athleten bei ihrer Premiere unter den fünf Ringen machen, und die ihr helfen dürfte, sich mit dem Druck beim größten Sportereignis der Welt besser zurechtzufinden, sollte es eine Wiederholung geben. Zweifel daran hat Hannah Küchler keine. „Der Hunger ist riesig, in drei Jahren in Paris auch Einzelstarts zu haben und nicht nur in der Staffel zu schwimmen“, sagt sie.

Das Potenzial dazu bescheinigt ihr Trainer der Athletin vom AMTV-FTV Hamburg. Sie selbst will, wenn der erste Höhepunkt der nacholympischen Saison in Kasan, wo sie für die 50 und 100 Meter Freistil gemeldet hat, abgehakt ist, vor allem an den Starts, Wenden und Tauchphasen arbeiten. „Da habe ich noch einiges zu optimieren. Auf der Strecke bin ich schon einigermaßen zufrieden mit meinen Leistungen“, sagt sie.

Schwimmen: Saisonziel ist Teilnahme an Langbahn-WM

Wichtigstes Saisonziel ist die Teilnahme an der Langbahn-WM vom 13. bis 29. Mai 2022 in Fukuoka (Japan). Im Mittelpunkt ihrer Weiterentwicklung steht allerdings der Wechsel nach Los Angeles, wo sie vom kommenden Sommer an Immobilienwirtschaft studieren und trainieren will, sofern sie ihr Abitur besteht. Noch sei ihr Abgang ein Gerücht, das sie nicht bestätigen wolle. „Aber es ist eine sehr gute Option für mich“, sagt sie.

Nachdem in diesem Sommer bereits ihre gute Freundin Julia Mrozinski (21) und Rafael Miroslaw (20) Hamburg gen USA verlassen hatten, wäre ihr Abgang der nächste Einschnitt in Siebers Trainingsgruppe. „Solche Wechsel gehören dazu. Der Einschnitt in diesem Sommer war auch für mich nicht einfach, weil ein Freundeskreis auseinandergegangen ist“, sagt Hannah Küchler. „Es ist ruhiger geworden in der Gruppe, aber wir versuchen, das Beste aus der neuen Lage zu machen.“ Es ist das Motto, das auch für diese Woche in Kasan gilt.

( bj )

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