Amateurfußball

Hamburger Oberligaclubs versagen vom Punkt

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Mirko Schneider
Die Entscheidung: Teutonias Kevin Weidlich trifft zum 1:0 gegen Weiche Flensburg.

Die Entscheidung: Teutonias Kevin Weidlich trifft zum 1:0 gegen Weiche Flensburg.

Foto: THORSTEN AHLF / FUNKE FOTO SERVICES

Victoria, Concordia und Curslack-Neuengamme scheiden im Pokal nach Elfmeterschießen aus. Warum ein Trainer nun wütend ist.

Hamburg. Altona-Fans bei „Kicker.de“? Beim Heider SV holte Altona 93 durch die Treffer von Noah Gumpert (3.) und Armel Gohoua (32.) bei einem Gegentor durch Fabian Arndt (57.) den ersten Saisonsieg in der Regionalliga. Größtes Thema nach der Partie war der Liveticker von „Kicker.de“. Zur Pause verkündete er eine Altonaer 3:0-Führung, als Endergebnis ein 4:1, bevor die Korrektur auf 2:1 erfolgte.

„Vielleicht hat da ein Fan von uns zwei der klaren Torchancen im Internet reingemacht, die wir auf dem Feld vergeben haben“, so Altonas Trainer Andreas Bergmann launig. „Wichtig ist aber, dass wir in der Realität ein Tor mehr geschossen haben als Heide. Und dass sich meine Jungs für ihren Einsatz nun mit einem Sieg belohnt haben.“

Teutonias Platz an der Sonne

Nach dem 1:0 im Regionalliga-Spitzenspiel gegen den SC Weiche Flensburg 08 steht der weiterhin ungeschlagene FC Teutonia 05 auf Rang eins. Zwar vergab Fabian Istefo einen Foulelfmeter (39.), doch Kevin Weidlich nickte zum Siegtor ein (51.). Teutonias Trainer Dietmar Hirsch: „Das war unser bisher bestes Spiel. Noch gegen Altona waren wir zu körperlos, haben uns auf unsere zweifellos vorhandenen spielerischen Fähigkeiten verlassen. Heute haben wir aggressiver gespielt.“

Seine Elfmeterschützen künftig bestimmen will Hirsch nicht. „Das regeln die Jungs auf dem Platz. Wer schießt, übernimmt Verantwortung. Verschießt er, geht es weiter. Kein Problem!“

Rahlstedt überrascht

Der Bitte seines Verteidigers Florian Rust, doch Elfmeterschießen zu üben, entsprach Rahlstedts Trainer Mohet Wadhwa beim Training in der Woche nicht. „Ich war mir sicher, unser Pokalspiel gegen Curslack wird in 90 Minuten entschieden“, so Wadhwa. Da lag er falsch. Wadhwas Landesligist Rahlstedter SC schlug den Oberligisten SV Curslack-Neuengamme vor 250 Fans nach starker Leistung 6:3 im Elfmeterschießen.

Etwas Glück hatte der RSC dabei benötigt. Curslacks Torhüter Gianluca Babuschkin rannte in der Nachspielzeit seinen Verteidiger Henrik Giese um. Rahlstedts Andrej Blum nutzte dies zum 2:2. „Da darf Gianluca nicht rauskommen. Henrik hätte den Ball nach Meiendorf weggehauen, und wir wären durch gewesen“, kritisierte Curslacks Trainer Christian Woike.

Sensation Nummer eins

Noch überraschender die Pokalsegel streichen musste Regionalliga-Aufstiegsanwärter Concordia. Beim Bezirksligisten HT 16 verlor der Oberligist vor 211 Zuschauern mit 4:6 nach Elfmeterschießen (1:1 nach regulärer Spielzeit). Veli Sulejmani vergab den entscheidenden Strafstoß. „Dieses Spiel haben wir schon bei der Anreise verloren. Drei Spieler kamen mehr als 30 Minuten zu spät und haben so die ganze Mannschaft angeschissen. Wir haben sie aus dem Kader gestrichen. Doch auch den anderen fehlte im Spiel Einstellung, Laufbereitschaft, Entschlossenheit, Zweikampfwille und Zweikampfstärke. Das hake ich nicht so schnell ab“, so ein angefressener Concordia-Trainer Frank Pieper-von Valtier.

Besonders glücklich war dafür der 33 Jahre alte Umut Kocin. Er war vor der Saison von Concordia zu seinem Jugendverein HT 16 gewechselt. Kocin bereitete das 1:0 vor, verwandelte seinen Elfer ganz cool. Kocin: „Was gibt es Geileres? Ich bin zurück bei meinen Wurzeln, und wir haben Gas gegeben und gewonnen. Heute musste ich meinem Ex-Verein Cordi leider wehtun. Aber ich mag Cordi. Sie haben eine starke Mannschaft und werden in der Oberliga Hamburg erfolgreich sein“, sagte Kocin.

Sensation Nummer drei

Ebenfalls in der dritten Pokalrunde ausgeschieden ist Oberligist SC Victoria (2:2 nach 90 Minuten/5:7 nach Elfmeterschießen) vor 200 Fans beim Bezirksligisten FC Alsterbrüder. Vickys Gerrit Pressel versagten vom Punkt die Nerven. „Das ist ein historisch bedeutender Tag für uns“, sagte Gunnar Hitscher, Trainer der Alsterbrüder. „Der FC Alsterbrüder hat sich einst aus dem SC Victoria gegründet. Wir haben also als kleiner Bruder gegen unseren Mutterverein gewonnen.“

Gefasst blieb Ex-St.-Pauli-Profi und Victoria-Trainer Marius Ebbers, der sein Team nach dem 0:3 beim HSV III noch heftig kritisiert und sich selbst infrage gestellt hatte: „Leidenschaft und Engagement waren da. Wir haben unsere Chancen nicht genutzt. Das war für uns trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung.“

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