Hamburger Amateurfußball

Ex-HSV-Profi Harnik sichert Sieg – Club lässt Presse zahlen

Lesedauer: 5 Minuten
Mirko Schneider
Kampf dem Favoriten! Ein intensives Gefecht lieferte Paloma (in Blau) Meister Dassendorf, dessen Kapitän Martin Harnik (Mitte) das Spiel entschied.

Kampf dem Favoriten! Ein intensives Gefecht lieferte Paloma (in Blau) Meister Dassendorf, dessen Kapitän Martin Harnik (Mitte) das Spiel entschied.

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Dassendorf siegt 3:1 bei Paloma, Meiendorf will Geld von Journalisten, Ebbers spricht von Rücktritt. Ein Überblick über den Amateurfußball.

Hamburg. Am Wochenende war wieder jede Menge los auf Hamburgs Fußballplätzen. Hier ein Überblick über die Ereignisse in der Amateurkolumne:

Ex-HSV-Profi Harnik trifft entscheidend

Einen ungewöhnlichen Vorschlag zum Verteidigen von Freistößen machte Palomas Kapitän Max Krause nach dem 1:3 im Oberliga-Spitzenspiel gegen Meister TuS Dassendorf. Die TuS hatte in letzter Minute zum 2:1 getroffen, nachdem der kurz zuvor eingewechselte Palomate Jan-Philipp Kainzberger einen Freistoß des Dassendorfers Sven Möller nicht klärte und Ex-Profi Martin Harnik per Kopf abstaubte.

„Ich will es nicht zu hoch hängen, aber vielleicht müssen wir demnächst bei solchen Freistößen jemanden an den langen Pfosten stellen wie mich, der weiß, wie der Gegner die Bälle spielt. Nicht jemanden, der eingewechselt wurde und in der Hektik noch nicht auf Betriebstemperatur ist“, sagte Krause. Sein Coach Marius Nitsch widersprach ihm: „Auch Einwechselspieler dürfen am Verteidigen von Standards teilnehmen. Da gibt es klare Zuordnungen. Daher sehe ich das anders.

So bliebt Paloma am Ende nur viel Lob der Dassendorfer, die mühevoll, aber verdient siegten. Sowohl Torschütze Harnik („Paloma hat unglaublich leidenschaftlich gespielt) als auch TuS-Trainer Jean-Pierre Richter („Die erste Halbzeit ging klar an Paloma“) zollten dem Außenseiter Respekt für seinen beherzten Auftritt. Auch die 250 Zuschauer bewiesen ein feines Gespür. Sie verabschiedeten ihr Team mit Applaus.



Meiendorf kassiert Presse ab

Für eine Posse sorgte Oberligist Meiendorfer SV vor dem 1:3 gegen Curslack. Der MSV akzeptierte die Presseausweise der Journalisten aufgrund einer angeblichen Vorgabe des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) nicht – und kassierte Eintritt von den Berichterstattern, damit diese ihrer Arbeit nachgehen konnten. Der HFV verneinte auf Nachfrage eine solche Anweisung. Volker Gast, Sportredakteur der „Bergedorfer Zeitung“: „Wenn das Schule macht, könnten beispielsweise Pressefotografen keine Bilder mehr von mehreren Spielen an die Medien liefern. Zahlen sie auf allen Plätzen Eintritt, würden sie arm werden.“

Seinem Ärger Luft machte „fussi-freunde“-Sportredakteur Dennis Kormanjos, der Meiendorfs Präsident Jens Malcharczik (war für einen Kommentar nicht erreichbar) im Clubheim zur Rede stellte. Bis Redaktionsschluss war der Disput ungeklärt. Nun soll sich der HFV schlichtend einschalten. Kormanjos: „Der Meiendorfer SV sollte sich was schämen. Doch von diesem Verein ist man leider nichts anderes gewohnt.“



Altona und das Murmeltier

Wie einst Bill Murray in der Zeitschleife gefangen müssen sich aktuell die Spieler von Regionalligist Altona 93 vorkommen. Im Derby gegen den Nachbarn FC Teutonia 05 überzeugte das Team abermals, verlor erneut unglücklich – und erntete mal wieder „nur“ tröstende Worte des Gegners. „Von unseren ersten 70 Minuten bin ich sehr enttäuscht. Altona hätte mindestens einen Punkt verdient gehabt“, sagte Teutonias Trainer Dietmar Hirsch nach dem glücklichen 2:1-Erfolg seines Teams.

Eingeläutet wurde Altonas Niederlage dabei wie in der Vorwoche durch einen umstrittenen Strafstoß, den Fabian Istefo (36.) zur Gästeführung verwandelte. Altonas Ausgleich durch Peer Mahncke (68.) konterte Sinisa Veselinovic (74.) für die effektiven Teutonen mit dem Siegtreffer. „Wir hatten spielerisch viel mehr von der Partie. Das 1:2 war erst der zweite Konter des Gegners im ganzen Spiel“, trauerte Altonas Coach Andreas Bergmann. Kurios: Wie in der Vorwoche (3:1 beim FC St. Pauli II) kassierte Teutonia erneut gegen Ende einen unnötigen Platzverweis. Diesmal schubste Tim Weismann nach dem Abpfiff seinen Gegenspieler um – und sah glatt Rot.



Ebbers stellt sich selbst infrage

Aufhorchen ließ der Ex-St.-Pauli-Profi und aktuelle Trainer des SC Victoria Marius Ebbers nach dem desolaten 0:3 seines noch sieglosen Teams beim HSV III. „Alle unsere Spieler einzeln für sich genommen sind Topspieler, aber als Mannschaft funktioniert es zurzeit nicht. Irgendwann muss man fragen, ob ich noch der Richtige bin? Ich habe Bock auf die Jungs, will mit ihnen was erreichen. Aber momentan erreichen wir es nicht. Auf dem Platz ist irgendwann auch mal die Mannschaft gefragt“, so Ebbers.

Auffällig: Der Topfavorit in Staffel zwei war leise, keiner setzte Zeichen. „Ich erwarte mehr Emotionen auf dem Feld. Aber wie willst du das trainieren?“, so Ebbers. Besonders glücklich war dagegen HSV-III-Trainer Marcus Rabenhorst, der schon seit einer gefühlten Ewigkeit immer wieder mehr defensive Stabilität anmahnt. Rabenhorst: „Endlich haben wir mal zu null gespielt. Da bin ich sehr froh. Heute meckere ich also über gar nichts.“


Die große Wachter-Show

Mit vier Treffern erledigte Osdorfs Jeremy Wachter den HEBC beim 5:2-Auswärtssieg seines Teams fast im Alleingang. Das Highlight: Einen langen Pass versenkte Wachter volley im Springen fast von der Außenlinie mit dem ersten Ballkontakt per Lupfer zum 1:1. Sollte der Treffer gefilmt worden sein, ist er ein heißer Anwärter auf das „Tor des Monats“.

Kommentar von Osdorfs Trainer Philipp Obloch: „So ein Tor schießt in der Oberliga Hamburg kaum ein Spieler. Der Treffer ist absolute Extraklasse. Genau wie Jerry.“

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