Olympia in Tokio

„Kameltreiber“: Arndt zeigt nach Rassismus-Eklat klare Kante

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Der Kölner Nikias Arndt wurde während des Einzelzeitfahrens bei Olympia mit rassistischen Worten angefeuert.

Der Kölner Nikias Arndt wurde während des Einzelzeitfahrens bei Olympia mit rassistischen Worten angefeuert.

Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Rassistische Entgleisung im deutschen Team beim Einzelzeitfahren live in der ARD. Nun soll es Konsequenzen geben.

Oyama. Im deutschen Radsport-Team ist es beim olympischen Einzelzeitfahren der Männer zu einem Rassismus-Eklat gekommen. Der Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Patrick Moster, rief Medaillenhoffnung Nikias Arndt auf der Highspeed-Rennstrecke am Mount Fuji zu: „Hol die Kameltreiber, hol die Kameltreiber, komm!“ Zu diesem Zeitpunkt fuhren Azzedine Lagab aus Algerien und Amanuel Ghebreigzabhier aus Eritrea vor dem Deutschen.

Arndt bekam erst nach dem Rennen von der rassistischen Entgleisung mit – und zeigte klare Kante. „Ich bin entsetzt über die Vorfälle beim heutigen olympischen Zeitfahren und möchte mich hiermit deutlich von den Aussagen des sportlichen Direktors distanzieren“, schrieb Arndt bei Twitter. „Solche Worte sind nicht akzeptabel.“

Olympia und der Radsport „stehen für Toleranz, Respekt und Fairness. Diese Werte vertrete ich zu 100 Prozent und ziehe meinen Hut vor all den großartigen Sportlern, die hier in Tokio aus aller Welt zusammen gekommen sind.“

ARD-Kommentator verurteilt Rassismus-Eklat

Mosters rassistische Äußerung war live während der Übertragung der ARD zu hören. Kommentator Florian Naß hatte es kurzzeitig die Sprache verschlagen, dann aber kritisierte er die Verunglimpfung scharf. „Patrick Moster war derjenige, der da eben gerufen hat. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn ich das so richtig verstanden habe, was er da gerufen hat, dann war das total daneben, aber mal so was von daneben. Da fehlen mir die Worte.“

Naß tat das einzig Richtige, er distanzierte sich von den Worten des Radsport-Managers. „So was hat im Sport überhaupt nichts verloren. Das ist absolut unterirdisch. Pardon, da fällt mir nichts ein. Und dessen muss man sich bewusst sein, wenn man an einem internationalen Rennen teilnimmt, bei dem Kameras und Mikrofone aufgestellt sind. Das ist unwürdig“, legte der ARD-Kommentator in der Live-Schalte nach.

Rassismus-Eklat: Moster zeigt Reue

Inzwischen hat Moster Reue gezeigt. „Ich stand in der Verpflegung und habe Nikias Arndt angefeuert. Im Eifer des Gefechts und mit der Gesamtbelastung, die wir momentan hier haben, habe ich mich in der Wortwahl vergriffen. Es tut mir unendlich leid, ich kann nur aufrichtig um Entschuldigung bitten. Ich wollte niemanden diskreditieren“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Doch klar ist: Eine solche verbale Entgleisung ist nicht zu entschuldigen.

„Die Aussage ist nicht akzeptabel“, betonte Rudolf Scharping, der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer. Er kündigte Gespräche nach Olympia an, verwies aber ähnlich wie Moster selbst auf den „besonderen Stress“ des Männer-Teams in Japan.

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„Wir haben selbst viele Bekannte mit nordafrikanischen Wurzeln, wie gesagt, es tut mir leid“, sagte der 54-jährige Moster. Der Deutsche Olympische Sportbund reagierte umgehend und kündigte Konsequenzen an. „Es ist wichtig, dass sich Patrick Moster unmittelbar nach dem Wettkampf entschuldigt hat. Wir werden noch heute das persönliche Gespräch mit ihm suchen und die Situation aufarbeiten“, sagte DOSB-Chef Alfons Hörmann. Eigentlich soll Moster bei den am Montag beginnenden Bahnwettbewerben in Izu westlich von Tokio vor Ort sein.

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( wal/dpa )

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