Wilhelmsburg

Deutsche Basketballer holen zum sechsten Mal den Supercup

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Alexander Berthold
Moritz "Mo" Wagner (v.l. ) stürmt an Mouhamet Rassoul Diouf (Italien) vorbei. Die deutschen Basketballer haben sich in Hamburg den Supercup geholt.

Moritz "Mo" Wagner (v.l. ) stürmt an Mouhamet Rassoul Diouf (Italien) vorbei. Die deutschen Basketballer haben sich in Hamburg den Supercup geholt.

Foto: Leonie Horky / Witters

In Hamburg besiegt das Team von Henrik Rödl Italien mit 91:79 und holt sich Selbstvertrauen für die Olympia-Qualifikation.

Hamburg. Um 22:23 Uhr durfte der Jüngste den kleinen gläsernen VTG-Supercup-Pokal in der edel-optics.de Arena in Wilhelmsburg in die Höhe recken. Luc van Slooten (19) freute sich wie ein kleines Kind, als er mit seinen Mitspielern eine kleine Laola-Welle initiierte. Durch das 91:79 (22:18, 20:28, 29:12, 20:21) gegen Italien konnte die Auswahl des Deutschen Basketball-Bundes zum sechsten Mal das Vier-Nationen-Turnier, das zum fünften Mal in Hamburg ausgetragen wird, gewinnen.

Zuvor war das den deutschen Basketballern bereits 2004, 2012, 2014, 2015 und 2019 gelungen. Den dritten Platz beim Vier-Nationen-Turnier sicherte sich Tschechien mit einem 85:55-Sieg gegen Tunesien.

Basketballer holen Supercup in Hamburg

Viel wichtiger als die Trophähe war für Bundestrainer Henrik Rödl (52) aber die Erkenntnis, dass seine Mannschaft vor dem anstehenden Olympia-Qualifikationsturnier, dass vom 29. Juni bis 4. Juli in Split/Kroatien stattfindet, gerüstet scheint. „Wir haben gegen eine Mannschaft gespielt, gegen die es sehr wertvoll war zu spielen. Sie haben uns in der ersten Halbzeit viele Probleme bereitet. Wir musste einige Dinge korrigieren. In der zweiten Halbzeit sind wir mit viel Energie herausgekommen und konnten so die Partie drehen“, bilanzierte Rödl.

Gegen Italien musste die DBB-Auswahl neben Justus Hollatz (20, Adduktorenprobleme) von den Hamburg Towers auch auf Point Guard Maodo Lo (28), Center Johannes Thiemann (27) und Forward Niels Giffey (30) verzichten. Das Trio vom Deutschen Meister Alba Berlin absolvierte vor dem Spiel einen Corona-Test im „Towers Timeout“-Bistro, das zum Testzentrum umfunktioniert wurde und verfolgte die Partie gegen Italien von der Tribüne aus.

Die drei Leistungsträger sollen wie auch NBA-Star Dennis Schröder (27) von den Los Angeles Lakers, der am Montag zur Mannschaft stößt, am Donnerstag bei der Generalprobe in Heidelberg gegen den Senegal auf dem Court stehen. Nach dem Duell mit den Afrikanern wird Rödl seinen finalen Kader für die Qualifikation benennen.

Italien war der erste Härtetest für das DBB-Team

Nach den zwei lockeren Siegen gegen Tschechien (95:62) und Tunesien (102:75) wartete mit den Italienern der erste echte Härtetest auf das Rödl-Team. Von Beginn an entwickelte sich eine hochintensive und schnelle Partie, in der sich zunächst die Südeuropäer besser zurechtfanden. Die DBB-Auswahl war ungewohnt fehlerbehaftet.

Zu allem Überfluss kassierte der bisher so starke Aufbauspieler Isaac Bonga (21) von NBA-Club Washington Wizards bereits in der Anfangsphase drei Fouls, sodass Bundetrainer Rödl seine Einsatzzeit behutsam steuern musste. Ohnehin haderten die deutschen Nationalspieler häufig mit den Unparteiischen, die es früh verpasst haben, eine klare Linie vorzugeben. Ungeachtet dessen arbeitete sich die DBB-Auswahl in die Partie hinein und konnte das erste Viertel dank eines späten 6:2-Laufs mit 22:18 für sich entscheiden.

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So richtig zufrieden konnte der Bundestrainer aber nicht sein. „Helfen, Luki! Zu spät!“, kritisierte Rödl Aufbauspieler beispielsweise Guard Lukas Wank (24), als er einen Spielzug der Italiener falsch gelesen hatte. Vor allem mit dem italienischen NBA-Star Nicolo Melli (30) hatten die Deutschen große Probleme. Der Profi der Dallas Mavericks erzielte im ersten Durchgang starke 17 Punkte.

Hollatz spielt auch kommende Saison in Hamburg

Auch wenn sich im zweiten Viertel die Fehler häuften, sorgte der erneut sehr auffällige Aufbauspieler Joshiko Saibou (31), dem 13 seiner 18 Punkte in der ersten Halbzeit gelangen, dafür, dass die Italiener nicht davonziehen konnten. Zur Pause lag die DBB-Auswahl lediglich mit 42:46 zurück. Der durch seine Teilnahme an Querdenker-Demos stark in der Kritik stehende 30-Jährige war bereits in den ersten beiden Spielen in Hamburg Topscorer bei Deutschland.

„Wenn wir die Intensität in der zweiten Halbzeit erhöhen, gehen wir als Sieger vom Feld“, kündigte der Hamburger Hollatz an, der ganz nebenbei verriet, dass er in der kommenden Bundesliga-Saison definitiv in Hamburg spielen wird. Somit wird er seine Bewerbung für den NBA-Draft am 29. Juni in New York zurückziehen.

Und Hollatz sollte recht behalten. Das Rödl-Team kam mit mehr Energie und einem 16:5-Lauf, der zur zwischenzeitlichen 61:51-Führung führte, aus der Kabine. Wie schon bei den ersten beiden Spielen, fieberten die Ersatzspieler auf der Bank leidenschaftlich und feierten laut jeden erfolgreichen Wurf.

Voigtmann: "Die Zuversicht ist da"

Doch der Zehnte der Weltrangliste, der in der Olympia-Qualifikation in Belgrad gegen Puerto Rico und Senegal antreten muss, lieferte den Deutschen weiter einen packenden Kampf. Doch das stark verbesserte deutsche Team ging durch einen spektakulären Hakenwurf mit der Schlusssirene von Kapitän Benzing (32) mit einer komfortablen 70:58-Führung in den Schlussabschnitt.

Und dort ließ das Rödl-Team trotz einiger Nachlässigkeiten in der Schlussphase nichts mehr anbrennen. Das Spiel gegen Italien offenbarte, dass sie auch ohne vier Leistungsträger mit europäischen Topmannschaften mithalten können. „Wir haben noch ein paar Sachen, die wir verbessern können. Italien war ein besserer Gegner als die beiden davor, aber das war immer noch nicht das, was uns in Split erwartet. Wir müssen schon noch ein, zwei Schritte nach vorne machen. Aber die Zuversicht ist da“, sagte Center Johannes Voigtmann (28).

Am Sonntag gab der DBB unterdessen bekannt, dass man sich mit den Verantwortlichen der Stadt Hamburg geeinigt hat, dass der Supercup auch in den kommenden drei Jahren in der Hansestadt ausgetragen wird. „Die Basketball-Welt schaut einmal mehr auf Hamburg: Unsere Erstliga-Towers streben in den europäischen Wettbewerb und mit dem Supercup bleibt das Top-Event des Deutschen Basketball Bunds für drei weitere Jahre bis 2024 in der Hansestadt. Beides zeigt: Die Active City ist und bleibt ein wichtiger Player für internationalen Basketball auf Spitzenniveau“, sagte Hamburgs Sportsenator Andy Grote (53).