Olympia-Qualifikation

Die deutschen Basketballer warten auf Dennis Schröder

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Rainer Grünberg
Dennis Schröder (27) schied mit den Los Angeles Lakers in der ersten Play-off-Runde der NBA aus. Derzeit ist der Spielmacher vertragslos.

Dennis Schröder (27) schied mit den Los Angeles Lakers in der ersten Play-off-Runde der NBA aus. Derzeit ist der Spielmacher vertragslos.

Foto: imago sport

Spielmacher fehlt der Mannschaft beim VTG Supercup in Wilhelmsburg. Diskussionen um Joshiko Saibou.

Hamburg. Die deutschen Basketballer haben in diesen Wochen Großes vor. Sie wollen sich zum sechsten Mal für Olympische Spiele qualifizieren, das gelang ihnen zuletzt mit NBA-Superstar Dirk Nowitzki 2008. Beim VTG Supercup sollte sich das Auswahlteam an diesem Wochenende in der Wilhelmsburger edel-optics.de Arena gegen Tschechien (Freitag), Tunesien (Sonnabend) und Italien (Sonntag) für das finale Ausscheidungsturnier vom 28. Juni bis 4. Juli im kroatischen Split einwerfen, das war der Plan von Bundestrainer Henrik Rödl. Zuschauer sind bei diesem traditionellen Vierländerturnier auf Geheiß des Weltverbandes Fiba nicht zugelassen.

Die Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt wird in diesen Tagen allerdings erheblich gestört. Bundestrainer Rödl (52), seit September 2017 im Amt, steht in der Diskussion, über seine Nachfolge wird bereits spekuliert. Im Fall des NBA-Spielmachers Dennis Schröder (27) wiederum weiß niemand oder will niemand wissen, wo er derzeit steckt. Und letztlich sorgt die Nominierung des gebürtigen Kölners Joshiko Saibou (31) nicht nur für Unruhe in den sozialen Medien, auch innerhalb der Nationalmannschaft.

Enger Kontakt zu Schröder

„Die Lage bei Dennis ist, dass er zu uns stoßen will und kann, sobald es ihm möglich ist. Wir haben noch nicht genau ausgemacht, wann das sein wird. Wir hatten ja gar nicht mit ihm gerechnet wegen seiner Verpflichtungen in der NBA“, sagte Rödl und betonte: „Wir stehen in ganz engem Kontakt mit ihm.“

Schröder war am 4. Juni mit Titelverteidiger Los Angeles Lakers in der ersten Play-off-Runde der nordamerikanischen Profiliga gegen die Phoenix Suns ausgeschieden, hatte danach erneut seinen Willen bekundet, für Deutschland bei der Olympia-Qualifikation auflaufen zu wollen. Sollte Schröder nicht nach Hamburg kommen, wovon Rödl inzwischen ausgeht, bestünde für ihn am 24. Juni in Heidelberg gegen den Senegal die letzte Gelegenheit, sich mit dem Team für Split einzuspielen.

Chance für Towers-Profi Justus Hollatz

In Heidelberg werden auch die Berliner Niels Giffey, Maodo Lo und Johannes Thiemann erstmals zum Einsatz kommen, denen Rödl nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft für den Supercup frei gab.

Das ist jetzt die Chance für Towers-Profi Justus Hollatz (20), der zum aktuellen 16er-Kader gehört. Für Split muss das Aufgebot auf zwölf Mann reduziert werden. Über Hollatz sagte Rödl: „Er hat eine tolle Saison bei den Hamburg Towers gespielt, zu Recht das Vertrauen seines Trainers Pedro Calles erhalten. Er macht auch bei uns einen guten Eindruck.“ Hollatz dürfte dennoch einer der ersten Streichkandidaten für die Olympia-Qualifikation sein.

Umstrittene Rolle von Joshiko Saibou

Joshiko Saibou könnte dagegen in Split dabei sein. Seine Rolle im Team bleibt indes umstritten. Saibou hatte im vergangenen Jahr in Berlin mit Verschwörungstheoretikern und Corona-Leugnern an zwei Demonstrationen gegen die Maßnahmen der Bundesregierung zur Pandemie-Bekämpfung teilgenommen, worauf Bundesligist Bonn den Vertrag mit ihm fristlos kündigte, was der Spielmacher als „Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit“ bezeichnete.

Nun entschuldigte er sich in einem zweiminütigen Video für seine damaligen Aussagen und Handlungen, behauptete, er stehe für „Respekt, Toleranz, Freiheit, Offenheit“ und löschte später – wohl auf Druck des Deutschen Basketball Bundes (DBB) – entsprechende Einspielungen auf seinem Account. Überzeugend klang sein Statement nicht.

Im Team scheint Saibou nur bedingt willkommen

Rödl hatte die Berufung Saibous, der seit Februar bei den Champagne Châlons Reims in Frankreich spielt, damit begründet, dass für ihn auf dessen Position personeller Handlungsbedarf bestünde. Dass der DBB Saibou nominierte, bevor der Verband klärende Gespräche mit ihm führte, räumte DBB-Vize Armin Andres als „großen Fehler“ ein.

Im Team scheint Saibou nur bedingt willkommen, die Mannschaft würde ihn akzeptieren, habe ihn aber nicht mit offenen Armen empfangen, sagte Center Johannes Voigt­mann (28/ZSKA Moskau): „Irgendwo hört Meinung auf. Joshiko hat sich da verrannt. Jeder sollte jedoch eine zweite Chance erhalten.“ Die Aufarbeitung der Affäre sei für ihn noch nicht beendet, „da muss noch mehr von ihm kommen. Ich hoffe, dass er sich öffentlich noch stärker und klarer distanziert.“ Das Entschuldigungsvideo sei für ihn okay, „mehr aber auch nicht“. Sollte Saibou seine Positionen in irgendeiner Form wiederholen, „dann bin ich raus aus der Nationalmannschaft – oder er.“

VTG Supercup: Freitag, 17 Uhr: Italien – Tunesien; 20.30 Uhr: Deutschland – Tschechien. Sonnabend: 17 Uhr: Tschechien – Italien; 20.30 Uhr: Deutschland – Tunesien. Sonntag, 17 Uhr: Tunesien – Tschechien; 20.30 Uhr: Deutschland – Italien. MagentaSport überträgt kostenlos.

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