Olympia-Qualifikation

Der komplizierte Weg zu den Strandspielen in Tokio

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Siegten am Mittwoch: Isabel Schneider (l.), Victoria Bieneck.

Siegten am Mittwoch: Isabel Schneider (l.), Victoria Bieneck.

Foto: imago images/Beautiful Sports

Deutschlands Beachvolleyballerinnen baggern in Hamburg um die Teilnahme an den Weltserienturnieren in Mexiko.

Hamburg. Die heiße Phase der Olympia-Qualifikation hat für die deutschen Beachvolleyballerinnen im kalten Hamburg begonnen, und das auch noch drinnen statt draußen. In der Trainingshalle des zentralen Bundesstützpunktes am Dulsberger Alten Teichweg ermitteln gerade vier Frauen-Teams die letzten deutschen Teilnehmerinnen für die drei Weltserienturniere im mexikanischen Cancun, die am 16. April starten und am 2. Mai enden.

Nach Cancun finden bis zum Qualifikationsende am 15. Juni nur noch in Sotschi (Russland) und Ostrava (Tschechien) weitere Veranstaltungen der hochwertigen Vier-Sterne-Kategorie statt. Wer nach Tokio will, sollte auf der Halbinsel Yucatán dringend punkten.

Komplizierter Modus

Die Ausscheidung für das erste Cancun-Turnier gewannen Kim Behrens (Bremen) und Sandra Ittlinger (Berlin), Isabel Schneider/Victoria Bieneck (HSV) dürfen beim zweiten aufschlagen, nachdem sie am Mittwoch Behrens/Ittlinger mit 2:1 Sätzen besiegten. Am heutigen Donnerstag spielen Chantal Laboureur/Sarah Schulz (Stuttgart), Leoni Körtzinger/Sarah Schneider (Eimsbütteler TV) und Bieneck/Schneider um die Startberechtigung für Turnier Nummer drei.

Hintergrund dieses komplizierten Modus: Nur drei Teams eines Landes sind für die Hauptfelder der Weltserienturniere zugelassen, das vierte muss vor Ort in die Qualifikation. Gibt es weitere Bewerber, wird vorher eine nationale Ausscheidung (Country Quota) angesetzt. Die wird gewöhnlich am Turnierort gespielt, kann aber auch in den Heimatländern ausgetragen werden. Wegen Corona und hoher Reisekosten baggern die deutschen Frauen jetzt in Hamburg.

Bis 2019 hatte der Deutsche Volleyballverband auf die internen Duelle verzichtet

Bis 2019 hatte der Deutsche Volleyballverband (DVV) auf die internen Duelle verzichtet, stets seine vier Nationalteams in den Sand geschickt. Dagegen hatten die nicht zu diesem Quartett gehörenden Kim Behrens/Cinja Tillmann (Münster) geklagt, vom Landgericht Frankfurt/Main recht und 17.000 Dollar Schadenersatz zugesprochen bekommen. Der DVV ging in Revision, die steht aus.

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Der Verband wollte seinen Besten Planungssicherheit geben, die fällt nun erst mal weg. Bieneck/Schneider, deutsche Meisterinnen 2018, dürften aber ohnehin keine Chance mehr haben, um sich für Tokio zu qualifizieren.

Übersichtliche Lage bei den Männern

Dafür müssten sie Laura Ludwig/Margareta Kozuch (HSV) überholen – zwei Teams pro Land können an Olympia teilnehmen –, die haben jedoch 780 Punkte Vorsprung, Karla Borger/Julia Sude (Stuttgart) sogar 1080. Kozuch/Ludwig, die nur bei den ersten beiden Cancun-Turnieren ans Netz gehen, reicht in Mexiko ein gutes Resultat, um alle Zweifel zu beseitigen.

Bei den Männern ist die Lage übersichtlicher. Die Vizeweltmeister Julius Thole/Clemens Wickler (ETV) sind für Tokio qualifiziert. Weil Wickler sich von einer Blinddarmoperation erholt, wird Thole die ersten zwei Turniere in Cancun mit Yannick Harms (Hameln) spielen. Bis zum dritten könnte Wickler wieder fit werden.

Für Nils Ehlers/Lars Flüggen (HSV) ist Mexiko dagegen die große Chance, sich auf der Olympiarangliste unter die ersten 15 zu schlagen, die in Tokio dabei wären. Als 18. haben sie momentan 340 Punkte Rückstand, die sind aber gut aufholbar. Flüggen ist nach Hüftproblemen wieder voll belastbar.

( rg )

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