Mitgliederversammlung

Machtkampf im Hamburger Sportbund um die künftige Führung

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Ralph Lehnert (61)
scheidet zum
Ende des Jahres
aus dem Amt des
Vorstandsvorsitzenden im HSB
aus.

Ralph Lehnert (61) scheidet zum Ende des Jahres aus dem Amt des Vorstandsvorsitzenden im HSB aus.

Foto: WITTERS

Die Zukunft des zweiten Vorsitzenden, Bernard Kössler, steht infrage, obwohl er weitermachen will.

Hamburg. Dass im Hamburger Sportbund (HSB) Ende des Jahres wichtige Personalentscheidungen anstehen, war der Mitgliederversammlung der größten städtischen Dachorganisation mit weiterhin fast einer halben Million Mitgliedschaften in 820 Clubs am Dienstagabend nicht anzumerken. Allen Anträgen stimmten die Vertreter der Vereine und Verbände nahezu einstimmig zu, kontroverse Redebeiträge blieben aus. Das mag dem Format geschuldet gewesen sein, erstmals wurde der Konvent digital abgehalten. Das klappte bis auf ein paar technische Pannen gut. HSB-Präsident Jürgen Mantell bezeichnete das „Experiment“ nach mehr als vier Stunden Dauer als „gelungen“.

Gestritten wird im HSB dennoch. Es geht um die Nachfolge des Vorstandsvorsitzenden Ralph Lehnert (61), der im Dezember aufhört, und um Präsident Mantell (76), der sich im November nach sieben Jahren Amtszeit nicht zur Wiederwahl stellen wird. Auch der Fünfjahresvertrag des zweiten Vorsitzenden Bernard Kössler (57) läuft aus.

Heftige Diskussionen zwischen Mantell und seinen sechs Vizepräsidenten

Wie die Neubesetzungen erfolgen sollen, darüber gab es im HSB-Präsidium zuletzt heftige Diskussionen zwischen Mantell und seinen sechs Vizepräsidenten. Nun einigten sich beide Seiten darauf, dass der Posten bundesweit in einem anonymisierten Verfahren ausgeschrieben und von einer externen Agentur begleitet wird. Die finale Entscheidung trifft satzungsgemäß das HSB-Präsidium. Den neuen Präsidenten wiederum soll eine interne Findungskommission suchen.

Zu Irritationen führte jetzt, dass auch die Position Kösslers ausgeschrieben werden soll, obwohl dieser im Verband und in der Stadt hohes Ansehen genießt – und er weitermachen würde. Als Architekt gilt er vielen im HSB als Idealbesetzung für seinen Aufgabenbereich Infrastruktur, für den Neubau und die Sanierung der Sportstätten.

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„Da laufen machtpolitische Spielchen, die ich für schädlich für den Hamburger Sport halte. Einen Mann wie Kössler stellt man nicht zur Disposition, der muss hofiert werden“, sagt Ulrich Lopatta, Vorsitzender des Walddörfer SV und Sprecher der 27 Topsportvereine. Nun wurde ein Kompromiss gefunden. Über die Personalie Kössler soll im Mai das Präsidium beraten. Bis dahin könnte der neue Vorstandsvorsitzende gefunden sein.

Einigkeit herrscht im HSB immerhin darüber, die Rolle der Frauen im Hamburger Sport zu stärken. Sie sollen mittelfristig 30 Prozent der Führungspositionen besetzen. Zudem wurde eine Satzungsänderung angenommen zur Förderung der Gleichstellung aller Geschlechter in allen Funktionen im Sport.

( rg )

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