US Open

Achtelfinale! Kerber entwickelt sich zur Geheimfavoritin

Der typische Kerber-Schlag: Tief in die Hocke gehend befreit sie sich aus einer brenzlichen Situation.

Der typische Kerber-Schlag: Tief in die Hocke gehend befreit sie sich aus einer brenzlichen Situation.

Foto: Al Bello/Getty Images/AFP

Die Kielerin Kerber marschiert weiter bei den US Open. Gegen eine unangenehme US-Amerikanerin zeigte sie eine reife Leistung.

New York. Angelique Kerber pustete tief durch, ließ sich auf ihre Bank fallen, und sofort huschte ein breites Grinsen über ihr Gesicht. Mit einem kaltschnäuzigen Auftritt ist die deutsche Nummer eins ins Achtelfinale der US Open eingezogen. Die 32 Jahre alte Kielerin mausert sich in der Form des 6:3, 6:4 gegen die frech aufspielende US-Amerikanerin Ann Li immer mehr zu einer Geheimfavoritin auf den Titel.

„Es war ein hartes Match. Ich habe meinen Plan befolgt und bin sehr glücklich, im Achtelfinale zu stehen“, sagte Kerber im ersten Interview nach dem Drittrundensieg. New York sei ein spezieller Ort für sie, ergänzte Kerber, die nach 1:16 Stunden Spielzeit ihren ersten Matchball nutzte und weiter ohne Satzverlust bleibt.

Ist Kerber jetzt Favoritin bei den US Open?

„So rückt sie für mich in den Kreis der Mitfavoriten“, sagte Barbara Rittner, Head of Women's Tennis im Deutschen Tennis Bund (DTB), bei Eurosport nach Kerbers Erfolg. Die Auslosung der besten deutschen Tennisspielerin lässt ihre Fans frohlocken. Auch in der Runde der letzten 16 wird die dreimalige Majorsiegerin Favoritin sein, sie trifft auf die an Position 28 gesetzte US-Amerikanerin Jennifer Brady.

„Für die nächsten zwei, drei Runden hat es sich sehr geöffnet“, hatte Rittner schon vor dem Start der Partie bei Eurosport zu den Aussichten von Kerber gesagt. Li, Weltranglisten-128., hatte in der zweiten Runde überraschend ihre an Nummer 13 gesetzte Landsfrau Alison Riske geschlagen. Da auch Topfavoritin Karolina Pliskova (Tschechien/Nr. 1) früh die Koffer packen musste, sind Kerbers Aussichten in der oberen Hälfte des Tableaus nun glänzend.

Vor allem, weil Kerber griffig wirkt bei ihren ersten Auftritten seit den Australian Open. Sie ist fit, angriffslustig. Auch wenn die Turniersiegerin von 2016 in der Öffentlichkeit stets betont: „Ich schaue nicht zu weit nach vorne.“

Kerber holt ersten Satz nach 34 Minuten

Gegen Li legte Kerber, die in den Runden zuvor Alja Tomljanovic (Australien) und Anna-Lena Friedsam (Neuwied) ausgeschaltet hatte, enorm fokussiert los. Sie verwickelte die Amerikanerin in lange Ballwechsel und schaffte zum Auftakt sofort das Break.

Die Rollen waren dann klar verteilt: Li machte enormen Druck von der Grundlinie und ging auf Winner. Kerber hielt mit ihrer starken Physis dagegen. Beim Stand von 3:2 wehrte sie Breakbälle gegen sich ab und wischte sich danach bei rund 30 Grad im Schatten erstmal den Schweiß von der Stirn. Nach 34 Minuten gelang ihr mit einem zweiten Break der Gewinn des ersten Satzes.

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Li war noch lange nicht besiegt. Die hochtalentierte Nachwuchsathletin griff bei jeder Gelegenheit kompromisslos an, Kerber musste höchst wachsam bleiben. Die Körpersprache stimmte. Den Spielgewinn zum 2:1 feierte Kerber mit einem lauten „Komm jetzt“ und nahm der Außenseiterin anschließend den Aufschlag ab. Trainer Torben Beltz klatschte auf der Tribüne hochzufrieden Beifall.

Kerber schien das Geschehen nun zu kontrollieren, ließ sich dann aber doch breaken und Li witterte noch einmal ihre Chance. Kerber blieb ruhig, spielte ihre Erfahrung aus und kann in New York weiter für Furore sorgen.