Corona

Was ist die Triathlon-WM in Hamburg sportlich wert?

Weltmeisterin Katie Zaferes (USA) siegte 2016 in Hamburg.

Weltmeisterin Katie Zaferes (USA) siegte 2016 in Hamburg.

Foto: Frank Peters / WITTERS

Weltmeisterin Katie Zaferes und die zweimalige Weltseriendritte Georgia Taylor-Brown erklären, was ihnen die WM im Stadtpark bedeutet.

Hamburg.  Glauben, dass es wirklich losgeht, wird sie es erst, wenn der Startschuss gefallen ist am Sonnabendnachmittag. Aber seit Katie Zaferes am vergangenen Sonntag in Hamburg gelandet ist, hat sich die Vorfreude in der Schlacht ihrer Emotionen deutlich gegen die Unsicherheit durchgesetzt. „In diesem Jahr waren wir alle gewohnt, dass Rennen abgesagt wurden. Deshalb bin ich einfach nur glücklich und dankbar dafür, dass Hamburg uns diese Rennen ermöglicht“, sagt die 31 Jahre alte US-Amerikanerin.

Katie Zaferes zählt zu den besten Triathletinnen der Welt, in der vergangenen Saison war sie Gesamtsiegerin der Weltserie, die der Weltverband ITU ausrichtet und zu der auch Hamburg als Standort zählt. Ein Standort, den Athletinnen und Athleten aus aller Welt stets für seine besondere Atmosphäre und die faszinierende Streckenführung in der Innenstadt lobten.

All das wird an diesem Wochenende, wenn die WM-Rennen im Sprint der Männer und Frauen (Sa., 16 und 18 Uhr) sowie in der Mixedstaffel (So., 13.30 Uhr) anstehen, anders sein. Zuschauer sind ausgeschlossen, die Rennen sind aber immerhin bei ARD und ZDF live zu verfolgen. Und geschwommen (750 Meter Sprint/300 Meter Staffel), Rad gefahren (20/7 km) und gelaufen (5/1,7 km) wird im Stadtpark.

Welchen Wert hat die Triathlon-WM in Hamburg?

„Natürlich werden uns die Zuschauer fehlen. Aber es wird trotzdem ein tolles Rennen werden“, sagt Georgia Taylor-Brown. Die 26-Jährige zählt zu den Topathletinnen im britischen Team, war zweimal Dritte der Weltserien-Gesamtwertung – und konnte es ebenfalls kaum glauben, als ihr Verband sie in Kenntnis setzte, dass Hamburg sich trotz der Corona-Pandemie zur Austragung von Profirennen bereit erklärt hatte. „Für uns alle ist es wichtig, uns nach diesen verrückten Monaten endlich wiedersehen und wieder in einem Wettkampf messen zu können“, sagt sie.

Welchen sportlichen Stellenwert die WM in diesem Jahr hat, darüber gehen die Meinungen auseinander. „Da keine Qualifikationspunkte für die Olympischen Spiele vergeben werden, stehen wir auf dem Standpunkt, dass die Rennen in dieser Saison keine sportliche Bedeutung haben“, sagt Mike Cavendish (36), Sportdirektor im britischen Verband. Man habe den Athletinnen und Athleten deshalb jeglichen Druck zu nehmen versucht. „Sie sollen einfach starten und Spaß haben“, sagt Cavendish.

Georgia Taylor-Brown ist durchaus bereit dazu, ihre Ansprüche herunterzuschrauben. In der Zeit des Lockdowns konnte sie neun Wochen lang an ihrem Stützpunkt in Leeds nicht in den Swimmingpool. Eine Ausnahmegenehmigung, wie deutsche Olympiakader sie nach spätestens drei Wochen erhielten, gab es in Großbritannien nicht. Zwar waren Rad- und Lauftraining möglich, aber in der harten Phase des Lockdowns auch nur einmal am Tag im Freien.

Vorona machte das Training schwierig

Die meiste Zeit trainierte sie im Keller ihres Hauses auf vom Verband zur Verfügung gestelltem Ergometer und Laufband. „So konnte ich lange Zeit nur maximal zwei Drittel meines Pensums erledigen“, sagt Taylor-Brown, „deshalb glaube ich, dass ich zwar fit, aber nicht schnell sein werde.“

Auch Katie Zaferes vermag ihre Wettkampfform nicht einzuschätzen. An der Ostküste der USA, wo sie lebt, war zwar Training in allen drei Disziplinen ohne Einschränkung möglich, allerdings nicht in der Gruppe, sondern maximal mit ihrem Ehemann Tommy, der ebenfalls Triathlet ist. „Ich weiß nicht, wie die anderen in Form sind und wie ich mich dort einreihe. Deshalb glaube ich, dass diese WM nicht mit anderen zu vergleichen ist. Trotzdem ist es eine WM, und da möchte ich natürlich so gut wie möglich abschneiden“, sagt sie.

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Die mentale Belastung, keine Wettkämpfe zu haben und nicht zu wissen, wofür es sich im Training zu quälen lohnt, haben sowohl die britischen als auch die US-Triathletinnen, die auf Hilfe von Sportpsychologen zurückgreifen konnten, gut weggesteckt. „Es gab Tage, an denen ich gezweifelt habe“, sagt Georgia Taylor-Brown, „aber dann habe ich mir gesagt, dass es der ganzen Welt so geht wie mir, und dann war es wieder okay.“ Umso größer ist nun die Vorfreude auf das Wiedersehen. Die Tatsache, dass Zuschauer fehlen, hat Katie Zaferes bereits ins Positive umgemünzt. „Das ist vielleicht eine gute Übung für Tokio 2021“, sagt sie.