Triathlon Hamburg

Zahlen Jedermänner für die WM? Ironman weist Vorwurf zurück

Die Triathlon-Profis werden bei der WM in Hamburg auf ungewohnter Strecke fahren (Archivbild).

Die Triathlon-Profis werden bei der WM in Hamburg auf ungewohnter Strecke fahren (Archivbild).

Foto: Lukas Schulze / Getty Images for IRONMAN

Der Veranstalter wehrt sich gegen den Verdacht, er würde das Event im Hamburger Stadtpark am Wochenende mitfinanzieren.

Hamburg. Sie hätten aufgeben können, als am 20. Juli die Generalabsage kam, weil Hygienekonzepte für die Zuschauer nicht umzusetzen und die Jedermann-Events deshalb nicht zu retten waren. Aber Oliver Schiek war jahrelang selbst Leistungstriathlet, er weiß, was es braucht, um durchzuhalten. Deshalb stehen an diesem Wochenende immerhin die Profirennen der Triathleten als Doppel-WM – Sprint am Sonnabend, Mixedstaffel am Sonntag – im Hamburger Stadtpark an, die Schiek als Geschäftsführer mit der Ironman Germany GmbH veranstaltet.

„Für uns ist diese Doppel-WM ein Zeichen, das wir gemeinsam mit dem Weltverband ITU und der Deutschen Triathlon Union an die Welt senden wollen: dass der Sport auch in schwierigen Zeiten zusammensteht und weiterlebt“, sagt Schiek. Zwischen der Entscheidung, die Profirennen durchzuführen, und ihrer Ausrichtung lagen gerade einmal fünf Wochen, die der 50-Jährige als „sehr gestreckten Galopp“ bezeichnet.

Ironman: Weltverband trägt Risiko für Triathlon-WM

Umso mehr schmerzt es ihn, dass in den sozialen Medien Vorwürfe aufgekommen waren, Ironman würde von Jedermann-Startern für 2020 geleistete Zahlungen einbehalten, um damit die Profirennen finanzieren zu können. Als Kompensation wurde den Teilnehmern eine Verschiebung der Starts auf 2021 oder 2022 sowie eine Gutscheinlösung angeboten.

„Um das klarzustellen: Wir sind gern Veranstalter und haben uns nicht gewehrt. Aber Treiber dieser WM ist der Weltverband. Alles, was an finanziellem Risiko da ist, wird von ihm getragen“, sagt er. Während die Stadt Hamburg in „normalen“ Zeiten eine beträchtliche Bewerbungsgebühr für eine Doppel-WM hätte bezahlen müssen, verzichten ITU und DTU in diesem Jahr auf jegliche Gebühren und finanzieren auch die Teilnehmer. Inklusive einer hochklassigen TV-Produktion, die für die Liveübertragung in ARD und ZDF notwendig ist, belaufen sich die Gesamtkosten auf eine hohe sechsstellige Summe.

Mit Sponsorengeld ist das nicht zu refinanzieren. Zwar ist eine weltweite Fernsehpräsenz für manche Geldgeber ähnlich lukrativ wie in vorangegangenen Jahren. Aber mehr zahlt deshalb niemand. Titelsponsor Hamburg Wasser, dem nationale Präsenz wegen der Ortsgebundenheit wenig nützt, gingen mit der Absage der Jedermann-Rennen wichtige Teile seiner Zielgruppe verloren. „Dennoch sind sie dabei, was wir als Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung sehr begrüßen“, sagt Oliver Schiek.

Gesamtes WM-Gelände muss eingezäunt werden

Während das Personal für die Jedermann-Rennen in diesem Jahr wegfällt, unterscheidet sich der Personalaufwand, den der Veranstalter für die Organisation und Durchführung der Profirennen betreibt, kaum von dem vergangener Jahre. „Es sind rund 100 Personen beteiligt, nur die Arbeitsbereiche verschieben sich“, sagt Schiek. Zwar ist die Rad- und Laufstrecke im Stadtpark mit drei Kilometern deutlich kürzer als wie gewohnt in der Innenstadt. Wegen des Zuschauerverbots muss das gesamte Gelände jedoch doppelt eingezäunt werden. „Das Einhalten dieser Regelung war Grundvoraussetzung für die Genehmigung der gesamten Veranstaltung“, erklärt Schiek. Zudem sind Ein-, Aus- und Übergänge mit Personal zu besetzen. Um das zu bewältigen, mussten Mitarbeiter aus der Kurzarbeit geholt werden.

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Angesichts der Flaute in der Veranstaltungsbranche sei das anstehende Wochenende für seine Agentur wichtig, sagt Schiek. „Die Chance, eine Doppel-WM umsetzen zu dürfen, ist für uns etwas Besonderes. Aber wir leben von der Kombination der Profi- und Jedermann-Events, deshalb bin ich extrem traurig, dass wir den Jedermännern ihre Bühne nicht geben können.“ Für 2021 hofft Ironman Germany auf eine Rückkehr zur Normalität. Einer neuen Normalität, in die viele der in diesem Ausnahmejahr geborenen Ideen und Konzepte einfließen werden. „Insofern“, sagt Oliver Schiek, „ist dieses Jahr kein verlorenes, sondern ein herausforderndes Jahr.“ ​