Beachvolleyball

So enttäuschte das HSV-Duo Margareta Kozuch und Laura Ludwig

Laura Ludwig (vorn) versucht, für Margareta Kozuch einen Angriff vorzubereiten.

Laura Ludwig (vorn) versucht, für Margareta Kozuch einen Angriff vorzubereiten.

Foto: FrankPeters / WITTERS

Die indisponierten Hamburgerinnen verlieren beim Beachvolleyball-Turnier in Dulsberg beide Spiele.

Hamburg. Man müsse sich das vorstellen wie bei einem Vortrag, sagte
Anett Szigeti. „Wenn man das Publikum damit begeistert hat, und dann ist auf einmal fast ein Jahr lang Pause, bis man ihn das nächste Mal halten muss, dann braucht es Übung und Routine, bis er wieder so sitzt, wie es vorher war“, sagte die Sportpsychologin, die über eine Kooperationsvereinbarung für den Olympiastützpunkt (OSP) Hamburg/Schleswig-Holstein in Dulsberg arbeitet, nachdem sie am Sonnabend bei Margareta Kozuch erste Hilfe in Form eines Krisengesprächs geleistet hatte.

Der Vortrag, an dem sich Kozuch (33) und Laura Ludwig (34) messen lassen müssen, datiert vom September vergangenen Jahres. Damals gewann das im Spätherbst 2018 neu zusammengesetzte Beachvolleyball-Duo beim World-Tour-Finale in Italiens Hauptstadt Rom seinen ersten gemeinsamen Titel. Die Hoffnungen, die der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) in Richtung Olympischer Spiele in Tokio in die weltbeste Abwehrspielerin Ludwig und die langjährige Weltklasse-Hallenvolleyballerin Kozuch gesetzt hatte, schienen aufzugehen.

Ratlosigkeit machte sich bei allen breit

Um im Bild zu bleiben, das die von vielen Hamburger Spitzenathleten hochgeschätzte Fachfrau Szigeti zeichnete: Wären die Auftritte, die Ludwig und Kozuch am abgelaufenen Wochenende beim Top-Turnier auf der Beachanlage am Alten Teichweg in den Sand setzten, Vorträge gewesen, dann hätten sie das Publikum ratlos zurückgelassen und die Bühne ohne Applaus verlassen müssen. Nun waren Zuschauer nicht zugelassen bei der Generalprobe für die deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand (3. bis 6. September). Die Ratlosigkeit allerdings war bei all jenen, die die beiden Niederlagen des an Position eins gesetzten Nationalteams miterlebten, greifbar. Und obwohl Trainer und Funktionsteam sich bemühten, das Thema bewusst kleinzuhalten, dürfte der teils ernüchternde, teils sogar verstörende Eindruck, den das HSV-Duo hinterließ, in den kommenden Wochen intern für nachhaltige Diskussionen sorgen.

Erneute Minusleistung war erschreckend

Woran sie gescheitert waren, konnte Laura Ludwig am Sonnabendmittag nach der 1:2 (17:21, 21:16, 11:15)-Achtelfinalpleite gegen das Dingolfinger Duo Lisa-Sophie Kotzan (24)/Natascha Niemczyk (30) deutlich benennen. „Wir sind im Kopf blockiert. Im Training kriegen wir es gut hin, aber wir können es nicht im Spiel umsetzen“, sagte sie. Hatte man die 1:2-Auftaktniederlage in der Gruppenphase am Freitagmorgen gegen Ludwigs einstige Goldpartnerin Kira Walkenhorst (29), mit der sie 2016 bei Olympia in Rio sowie 2017 bei der WM in Wien triumphiert hatte, und deren neue Partnerin Anna-Lena Grüne (18/Hildesheim) noch den besonderen Umständen (Nervosität, neue Umgebung, wenig Spielpraxis) zuschreiben können, so war die erneute Minusleistung erschreckend. Obwohl das Niveau im nationalen Frauenfeld über die Jahre kontinuierlich gestiegen ist, müssten Ludwig/Kozuch auch ohne explizite Vorbereitung auf ein Turnier, das in ihrer langfristigen Planung keine Priorität genoss, spielerisch in der Lage sein, Konkurrentinnen wie Kotzan/Niemczyk klar zu besiegen.

Besonders auffällig war, wie verkrampft und freudlos die Auftritte wirkten. Besonders Margareta Kozuch, die 2017 an den Strand gewechselt war und zwei Jahre an der Seite von Karla Borger (31/Stuttgart) gespielt hatte, offenbarte Schwächen, die nach Rom überwunden geglaubt waren. Annahme und Zuspiel genügen in dieser Form nicht internationalen Ansprüchen, selbst ihre Angriffsleistung – in der Halle ihre große Stärke – war mangelhaft. Es fehlt am richtigen
Timing, aber auch an Überzeugung. „Natürlich sind wir unzufrieden. Aber wir wissen jetzt, woran wir zu arbeiten haben“, sagte sie.

Was dem Spiel fehlt, ist die Freude

Zwar wirkte das Duo auf dem Feld keinesfalls disharmonisch; dass beide sich privat besser verstehen als die erfolgreiche Zweckgemeinschaft Ludwig/Walkenhorst, ist kein Geheimnis. Dennoch war auch Ludwig, die für ihren „Sonnenschein-Charakter“ bekannt ist, im Gesicht abzulesen, dass ihr derzeit das fehlt, was sie für ihr Spiel braucht: Freude. Nicht nur am Gewinnen, sondern auch am gemeinsamen Weg dorthin. Es gab in beiden Partien des Wochenendes keine einzige Spielphase, in der die beiden dominant auftraten. Es fehlen Leichtigkeit und Konstanz. Beides mag in diesen ungewöhnlichen Zeiten fehlender Spielpraxis geschuldet sein.

Ludwigs Aussage unterstrich jedoch, dass auch der psychologische Aspekt eine gewichtige Rolle spielt. Für sie ist die Olympia-Verschiebung eine Belastung, weil ihre Lebensplanung für 2021 ein Geschwisterchen für Sohn Teo (2) vorsah. Die neue Situation anzunehmen ist ein Prozess, in dem sie noch steckt.

Kozuch im Schatten ihrer erfolgreichen Vorgängerin

Kozuch, die sich als Kopfmensch grundsätzlich viele Gedanken macht, wirkte zusätzlich von der Situation belastet, dass Ludwigs einstige Erfolgspartnerin die ersten Schritte zum Comeback meistern konnte. Auch wenn Kira Walkenhorst, die ihre Karriere im Januar 2019 wegen chronischer Verletzungsprobleme zwischenzeitlich beendet hatte, mit Grüne ebenfalls im Achtelfinale ausschied: Der Druck, der entsteht, als neue Partnerin den hohen Ansprüchen Ludwigs genügen und gleichzeitig spüren zu müssen, dass die alte Heldin zurückkehrt und viel Aufmerksamkeit erhält, sollte nicht unterschätzt werden.

Den gemeinsamen Weg wird das Duo bis zu den in den Sommer 2021 verlegten Tokio-Spielen weitergehen, die Qualifikation dafür ist aufgrund der Weltranglistenposition so gut wie sicher. „Wir haben die Entwicklung langfristig angelegt. Das Wochenende war ein kleiner Rückschlag, aus dem wir Erkenntnisse ziehen werden“, sagte Frauen-Bundestrainer Imornefe Bowes (44), der auch Ludwigs Lebenspartner ist.

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Sollte die Leistung auch bei der DM und der EM im lettischen Jurmala (16. bis 20. September) stagnieren, werden die Diskussionen anhalten. Bis Timmendorf bleiben knapp drei Wochen Zeit, um daran zu arbeiten, dass der Vortrag wieder sitzt. Für die nächsten Tage hatte Psychologin Szigeti eine klare Arbeitsanweisung parat. „Ein paar Tage abschalten, nicht mit dem Misserfolg beschäftigen und dann weiterarbeiten“, sagte sie. Klingt einfach und ist doch so schwer.