Duale Karriere von Sportlern

Laufbahnberater: Wichtige Helfer, vor allem in der Krise

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Die beiden Laufbahnberater am Olympiastützpunkt Pamela Wittfoth und Leif Böhnert.

Die beiden Laufbahnberater am Olympiastützpunkt Pamela Wittfoth und Leif Böhnert.

Foto: Michael Rauhe

Am Olympiastützpunkt in Dulsberg unterstützen Pamela Wittfoth und Leif Böhnert Kaderathleten in ihrer dualen Karriere.

Hamburg.  In jeder Krise gibt es auch Profiteure. Menschen, deren Dienste plötzlich gefragter sind als je zuvor, weil sie Hilfe anbieten können, die dringend benötigt wird. Pamela Wittfoth und Leif Böhnert haben das erlebt in den vergangenen Monaten, in denen die Corona-Pandemie die Planung vieler Leistungssportler durcheinandergewirbelt hat.

Aber als Krisengewinner fühlen sie sich dennoch nicht. „Natürlich wurden wir mehr gebraucht als sonst. Aber wir haben mit den Athletinnen und Athleten gelitten und standen deshalb selbst vor Herausforderungen, die uns aufgewühlt haben“, sagen sie.

Laufbahnberater in Dulsberg kümmern sich um 300 Kaderathleten

Wittfoth (40) und Böhnert (29) sind am Olympiastützpunkt in Dulsberg für die Laufbahnberatung zuständig. Wittfoth arbeitet seit 2014 in dieser Position, Böhnert kam mit einer halben Stelle im Mai 2019 dazu. Seitdem kümmern sie sich gemeinsam darum, die rund 300 Kaderathleten auf dem Weg durch die duale Karriere aus Leistungssport und beruflicher Ausbildung zu begleiten.

Böhnert, der zudem das Internat am Ruderstützpunkt Ratzeburg leitet, betreut die Ruderer. Wittfoth ist für die Schwerpunktsportarten Badminton, Beachvolleyball, Schwimmen und Hockey zuständig. Alle weiteren Disziplinen teilen sie untereinander. „Mir tut es sehr gut, jemanden zu haben, mit dem ich mich austauschen und gemeinsam entscheiden kann“, sagt die frühere Leistungsruderin.

Böhnert: Keine Problemlöser, sondern Hilfesteller

Begeisterung für den Sport, davon sind beide überzeugt, sei eine der wichtigsten Eigenschaften für die Ausübung ihres Berufs, gepaart mit einem hohen Empathievermögen und Kreativität. „Wir müssen uns in die Sorgen und Nöte der Sportlerinnen und Sportler hineinversetzen können. Der Reiz unserer Aufgabe liegt darin, die Athleten, die mit dem Sport einen Hauptberuf haben, darin zu unterstützen, sich nebenbei ein zweites Standbein aufzubauen“, sagt Pamela Wittfoth.

„Die meisten haben verstanden, dass die duale Karriere eine große Chance bietet, aber viele Außenstehende verstehen nicht, welche Belastungen das mit sich bringt. Wir wollen den Athleten helfen, das bestmöglich zu bewältigen.“ Leif Böhnert sieht sich dabei nicht als Problemlöser, sondern als Hilfesteller. „Wir sind nicht dafür da, Lösungen zu präsentieren, sondern sie gemeinsam zu erarbeiten. Wir beleuchten die dunklen Felder und suchen mit den Athleten den für sie richtigen Weg.“

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In den vergangenen Monaten, in denen Gespräche meist online geführt werden mussten, stand besonders für die Olympiakandidaten die Vorverlegung von für 2021 geplanten Prüfungen im Vordergrund, um die frei gewordene Zeit für die Ausbildung zu nutzen und zudem die nötigen Freiräume für die Vorbereitung auf Tokio 2021 zu schaffen. „Für uns war die größte Herausforderung, dass jeder Fall individuell war und Automatismen, auf die wir uns verlassen konnten, nicht gegriffen haben“, sagt Leif Böhnert. „Der klar geplante Weg war plötzlich völlig unklar, und es gab keinen Plan B“, sagt Pamela Wittfoth.

Zu sehen, dass sich nun, nach einigen Monaten der Ungewissheit, vieles gefügt hat, erfüllt beide mit Zufriedenheit. „Für uns ist wichtig, dass die Athleten mitten im Leben stehen und ihre Identität nicht nur auf dem Sport begründet ist“, sagen sie. „Wenn sie im Leben angekommen und Persönlichkeiten sind und dann auch noch sportlichen Erfolg haben, ist das die schönste Belohnung.“ Gemeinsam die Krise gemeistert zu haben, das fühlt sich auch besser an, als allein Krisenprofiteur zu sein.

( bj )