Beachvolleyball

Olympiasiegerin Laura Ludwig ist zurück im Sand

Beachvolleyball am Strand in St.-Peter-Ording mit Laura Ludwig und Margareta Kozuch.

Beachvolleyball am Strand in St.-Peter-Ording mit Laura Ludwig und Margareta Kozuch.

Foto: Mirja Geh Photography

Die HSV-Beachvolleyballerin schlägt mit Partnerin Margareta Kozuch erfolgreich auf. Laura Ludwig ist neu motiviert und gestärkt.

Hamburg/Düsseldorf.  Ein wenig musste sie sich erst wieder erinnern: Wie war das noch mit dem Kofferpacken? Was muss mit? Habe ich an alles gedacht? „Es ist schon krass, wie lang einem die Pause vorkommt“, sagt Laura Ludwig, „umso mehr kribbelt es jetzt, dass es wieder losgeht, dass wir zurück in den Competition-Modus finden.“

Mehr als zehn Monate liegt der letzte Wettkampf zurück, als die Beachvolleyball-Olympiasiegerin mit Partnerin Margareta Kozuch mit dem Sieg beim World-Tour-Finale in Rom für Furore sorgte. Seine letzte Reise zum Trainingslager nach Brasilien im März musste das HSV-Duo mit Beginn der weltweiten Corona-Beschränkungen abbrechen. Statt Rio de Janeiro hieß es zurück nach Hamburg. Statt in Tokio, wo die Olympischen Sommerspiele auf 2021 verschoben sind, schlägt das Nationalteam von diesem Sonnabend an nun in Düsseldorf auf.

Laura Ludwig: "Wir haben jetzt wieder ein Ziel vor Augen"

„Ich freue mich tierisch, dass die deutschen Meisterschaften stattfinden können. Wir haben wieder ein Saisonziel vor Augen“, sagt die siebenmalige Titelträgerin Ludwig. Mit der Turnierserie „Road to Timmendorfer Strand“ startete der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) am Freitag die abgespeckte DM-Qualifikation. Im Ersatzprogramm zur Beach Tour stehen die Frauen und Männer in den kommenden drei Wochen jeweils zweimal in der Merkur-Arena in Düsseldorf im Sand, ehe es Mitte August (14.–16.8./Frauen, 21.–23.8./Männer) nach Hamburg geht.

Auf den Außenplätzen des Olympiastützpunkts am Alten Teichweg kommt es für Ludwig/Kozuch und die WM-Zweiten Julius Thole (23)/Clemens Wickler (25/beide Eimsbütteler TV) zur Generalprobe für die Meisterschaft vom 3. bis 6. September am Ostseestrand in Timmendorf.

Ludwig/Kozuch für die DM-Endrunde gesetzt

„Für uns geht es primär darum, unsere wochenlange Trainingsarbeit nun wieder gemeinsam aufs Feld zu bringen. Ans Ideal zu kommen, Automatismen einzuspielen, das ist wichtig“, dämpft die 34-jährige Ludwig die Erwartungen. Von einem „Trainingslager unter Wettkampfbedingungen“ spricht Blockspielerin „Maggie“ Kozuch (33). Als Nummer zwei der DVV-Rangliste ist das erst im vergangenen Jahr zusammengeschlossene Duo ohnehin für die DM-Endrunde gesetzt.

Eine mentale Achterbahnfahrt hat die gebürtige Berlinerin Ludwig, Mutter des zweijährigen Teo, in den zurückliegenden Wochen genommen. Mit dem Lockdown und der Olympia-Verschiebung war sie „in ein Loch gefallen. Die Motivation war weg.“ Eigentlich war das kommende Jahr für die weitere Familienplanung reserviert. „Dass wir uns für Teo ein Geschwisterchen wünschen, ist kein Geheimnis“, sagt Ludwig, die mit Bundestrainer Imornefe Bowes (44) liiert ist.

Stattdessen ist nun 2020 ein Vorbereitungsjahr, ehe es im Frühjahr und Sommer 2021 wieder ernst werden soll. In diesem Herbst sind die Aussichten auf internationale Turniere, in denen es um Punkte für die nicht beendete Olympia-Qualifikation geht, wegen der weltweiten Reisebeschränkungen gleich null. Ludwig/Kozuch wären als Ranglisten-15. derzeit qualifiziert. Neben der DM ist zumindest noch die EM im lettischen Jurmala (16.–20. September) geplant.

Lippmann tauscht Halle gegen Sand und trifft auf Ludwig

Die gewonnene Familienzeit in Hamburg habe nach den Anstrengungen des Neustarts nach der Mutterschaftspause und dem Neuaufbau mit Kozuch gutgetan, sagt Ludwig: „Es war schön, mal durchzuatmen.“ Gemeinsam mit dem Team hinter dem Team wurden neue Ziele formuliert. Erinnerungen an den Olympia-Triumph von 2016 haben bei Kämpferin Ludwig die erneute Vorfreude auf Tokio 2021 geweckt.

In Düsseldorf spielen Ludwig/Kozuch im Feld der Top acht in zwei Vierergruppen mit anschließendem Halbfinale und Finale ihr eigenes Turnier aus. Die Ranglistenteams der Plätze neun bis 16 kämpfen ihrerseits um drei Timmendorf-Tickets.

Es ist der offizielle Saisonstart, nachdem das Gros der Nationalteams bei der zuvor ebenfalls am Rhein ausgetragenen privaten Beach-Liga nicht am Start war. „Ich bin sehr gespannt, wie gut die Teams in Form sind, die Pause verkraftet und auch genutzt haben. Es wird eine erste Standortbestimmung“, sagt DVV-Sportdirektor Niclas Hildebrand.

Ludwig/Kozuch gewinnen erste Partien – ohne Zuschauer

Fragezeichen gibt es viele: Das HSV-Duo Victoria Bieneck/Isabel Schneider (beide 29) ist nach Verletzung von Bieneck (Zerrung) noch gesprengt. Karla Borger (31), die mit der nach Hamburg wechselnden Nachwuchshoffnung Svenja Müller (19) die Beach-Liga gewann, ist zwar in Topform, Stammpartnerin Julia Sude (32) pausierte jedoch studienbedingt. Auch für Chantal Laboureur (30) ist es nach Schulter-OP mit Sandra Ittlinger (26) eine ungewisse Rückkehr.

Isabel Schneider baggert indes erstmals­ mit Hallennationalspielerin Louisa Lippmann (25), die seit vier Wochen in Hamburg trainiert. Ein Coup, der für Aufsehen sorgt, jedoch (vorerst) ein einmaliges Sommergastspiel bleiben dürfte. Gespannt wurde trotzdem auf das Gruppenspiel am Sonnabend geblickt: Die Beachvolleyballerin des Jahres Ludwig gegen die Volleyballerin des Jahres Lippmann – die Partie ging klar für Ludwig/Kozuch aus: 2:0 (21:14, 21:14).

Auf Einladung sind zudem die Schweizerinnen Joana Heidrich/Anouk Vergé-Depré und Michaela Kubickova/Michala Kvapilova aus Tschechien in Düsseldorf dabei. Auch gegn die Tschechinnen setzte sich Olympiasiegerin Ludwig zusammen mit Kozuch 2:0 (21:13, 21:15) durch.

Zuschauer, Trainer und Betreuer sind im strengen Hygienekonzept auf der Anlage nicht erlaubt. Sport1.de, Sportdeutschland.tv und Twitch übertragen im Livestream, Sport1 Sonnabend (18 Uhr) und Sonntag (17 Uhr) live im Free-TV. „Es ist unser erstes Turnier unter den gegebenen Auflagen, da müssen wir noch Erfahrungen zum Ablauf sammeln“, sagt Niclas Hildebrand. Nach und nach könnte es Lockerungen geben. In Hamburg etwa seien 200 Menschen auf der Anlage erlaubt, in Timmendorf soll im mobilen Stadion vor 700 Fans gespielt werden.