Fall George Floyd

Black-Power-Ikone erfreut über Gesten der Bundesliga

Auch in Bremen knieten die Spieler von Werder und Wolfsburg am Sonntag am Anstoßkreis nieder.

Auch in Bremen knieten die Spieler von Werder und Wolfsburg am Sonntag am Anstoßkreis nieder.

Foto: PATRIK STOLLARZ / dpa

Etliche Profis knien gegen Rassismus nieder. Auch der HSV, der FC St. Pauli und die Basketballer positionieren sich.

Hamburg. Die Spieler von Borussia Dortmund und Hertha BSC gingen vor dem Anpfiff gemeinsam am Mittelkreis in die Knie, vor der Trainerbank auch die Coaches und Betreuer. Der Mainzer Pierre Kunde Malong sendete ein Zeichen beim Torjubel, und die Stars von Bayern München trugen ihr Statement auf der Brust: „Rot gegen Rassismus“ und „#blacklivesmatter“ war auf den Aufwärmshirts zu lesen. Am 30. Spieltag der Fußball-Bundesliga ging es längst nicht nur um Tore, Punkte und Siege. Die Teams nutzten am Sonnabend und Sonntag die große Bühne, um sich nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd gegen Rassismus und Fremdenhass zu positionieren. „Die Botschaft gibt es ja permanent von uns Spielern. Wir sind tolerant, wir sind offen, wir sind weltoffen“, sagte Bayerns Kapitän Manuel Neuer: „Wir sehen keinen Zwischenraum, um da Platz zu lassen. Das haben wir ganz klar dokumentiert.“

Boateng: Haben das mannschaftsintern besprochen

Neuers Teamkollege Serge Gnabry lief mit einer schwarzen Binde mit der Aufschrift „Black lives matter“ auf, Düsseldorfs Alfredo Morales sank bei seiner Einwechslung in die Knie, Roman Bürki und Jadon Sancho von Borussia Dortmund sowie die gesamte Mannschaft von Werder Bremen („Klare Kante gegen Rassismus“) trugen beim Aufwärmen Shirts mit klaren politischen Statements. „Wir verurteilen scharf Rassismus jeglicher Art“, hatte BVB-Torhüter Bürki bereits unter der Woche bei Instagram geschrieben und für eine „offene und tolerante, eine bessere Welt“ geworben. Der ehemalige Nationalspieler Jérôme Boateng, in der Vergangenheit wiederholt Anfeindungen ausgesetzt, betonte im Sky-Interview, er hoffe auf ein generelles „Umdenken, das sich langfristig etablieren“ müsse. „Mannschaftsintern haben wir das Thema besprochen. Uns war es auch wichtig, ein Zeichen zu setzen“, meinte der Weltmeister von 2014.

Mainzer Profi jubelt mit Kniefall

Die Fußballerinnen des FC Bayern schlossen sich am Sonntag vor ihrem Spiel in Potsdam der viel beachteten Aktion ihres Clubs an. Mit einem speziellen Trauerflor hatten am Vortag die Münchner Profis die „Black Lives Matter“-Bewegung („Schwarze Leben zählen“) unterstützt. Die Anregung dazu sei aus der Mannschaft gekommen, sagte deren Trainer Hansi Flick: „Das ist in der heutigen Zeit enorm wichtig, dass man immer wieder darauf aufmerksam macht, was schiefläuft“, meinte der 55-Jährige.

„Das sind Werte, die wir haben. Da gibt es für mich keine andere Haltung“, sagte der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder über Kunde Malong, der seinen Treffer zum 2:0 in Frankfurt per Kniefall bejubelt hatte. Am Sonntag gingen die Spieler von Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg vor dem Anpfiff gemeinsam in die Knie, später auch die von Union Berlin, die Schalker sowie am Abend Augsburger und Kölner.

DFB-Präsident Keller zeigt Verständnis

Am vergangenen Spieltag hatten Weston McKennie (Schalke), Sancho sowie Achraf Hakimi (beide Dortmund), Anthony Modeste (Köln) und Marcus Thuram (Mönchengladbach) mit verschiedenen Gesten auf dem Platz ein Zeichen nach Floyds Tod gesetzt. Der 46-Jährige war bei einem mörderischen Polizeieinsatz in den USA ums Leben gekommen, was bis heute weltweit für Entsetzen und Proteste sorgt.

Obwohl politische Statements auf dem Platz nicht erlaubt sind, verzichtete der Deutsche Fußball-Bund (DFB) darauf, die Spieler zu bestrafen. Vielmehr zeigte DFB-Präsident Fritz Keller (Freiburg) „großen Respekt und Verständnis für die Aktionen der Spieler“. Darüber hinaus kündigte der Verband an, der mit verschiedenen Aktionen immer wieder für Weltoffenheit und Toleranz wirbt, auch weitere Aktionen dieser Art nicht sanktionieren zu wollen.

Goretzka: "Die Zeichen fand ich stark"

Der Schalker McKennie forderte auch Spieler mit heller Hautfarbe auf, sich klar gegen Rassismus zu positionieren. Diesem Wunsch kamen die Teams am Wochenende nach. Doch nicht nur auf den Plätzen, auch in den sozialen Netzwerken waren die politischen Aussagen das bestimmende Thema. Nationalspieler Leon Goretzka nannte das 4:2 von Bayern München in Leverkusen einen „wichtigen Sieg“ mit einer „noch wichtigeren Botschaft“ und erhielt dafür viel Zuspruch. „Es muss jeder Mensch verinnerlichen, dass es auszuschließen ist, andere Menschen wegen der Hautfarbe zu diskriminieren. Die Zeichen, die in den Stadien gesetzt wurden, fand ich stark."

Auch HSV und St. Pauli positionieren sich

Auch beim HSV wurde ein deutliches Statement gegen Rassismus abgegeben. Grundsätzlich befürworte ich jede Aktion gegen Rassismus“, betonte HSV-Cheftrainer Dieter Hecking.

Dieter Hecking: "Ich befürworte jede Aktion gegen Rassismus"
Dieter Hecking: "Ich befürworte jede Aktion gegen Rassismus"

Andreas Bornemann, Sportchef des FC St. Pauli, begrüßte ebenfalls die Demonstrationswelle gegen jede Form des Rassismus: „Der FC St. Pauli hat dazu ja schon lange eine klare Haltung und diese auch häufig dokumentiert. Es war von uns auch ein Zeichen, dass wir am Freitagabend in Bochum in unseren schwarzen Trikots gespielt haben. Ansonsten habe ich mich gewundert, dass es in der vergangenen Woche drei, vier Tage gedauert hat, bis klar war, dass die Spieler, die da schon ein Statement gegen Rassismus gesetzt hatten, dafür nicht bestraft werden.“

Auch die Basketballer zeigen Flagge

Die Basketball-Bundesliga, die am Sonnabend in München in ihr dreiwöchiges Meisterturnier gestartet ist, hatte die Spiele im Audi Dome vorab unter das Motto „Vereint gegen Rassismus“ gestellt. Die Korbjäger des FC Bayern trugen wie ihre Fußballkollegen T-Shirts mit der Aufschrift „Rot gegen Rassismus“.

Spieler der Hamburg Towers, die bei der "Corona"-Meisterschaft nicht vertreten sind, nahmen unterdessen an der "Black Lives Matter"-Demo in Hamburg teil.

Black-Power-Ikone erfreut über Bundesliga

Im American Football hatte Colin Kaepernick 2016 mit der Geste des Hinkniens eine Protestwelle gegen Unterdrückung von Schwarzen und gegen Polizeigewalt in den USA gestartet. Der heute 32 Jahre alte, ehemalige Quarterback der San Francisco 49ers war während der US-amerikanischen Nationalhymne auf ein Knie gesunken.

Die Aktionen des Wochenendes wurden auch in den USA wahrgenommen. Leichtathletik-Olympiasieger Tommie Smith (200 Meter), dessen Black-Power-Geste bei der Siegerehrung bei den Olympischen Spielen in Mexiko 1968 zum Symbol des Protests im Sport gegen Rassismus wurde, begrüßte die Solidaritätsbekundungen aus der Fußball-Bundesliga. „Es freut mich sehr, das zu hören“, sagte der 76-Jährige der „Bild am Sonntag“. „Sie haben offenbar verstanden, dass George Floyd auch sie repräsentiert. Er repräsentiert ein System, das dringend Hilfe benötigt.“